Deep End
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Short story

Das Geräusch in der Wand

Every night at twelve minutes past eleven, a music teacher in Münster hears a tiny melody coming out of his bedroom wall.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • knacken · to creak, to crack
  • die Aufnahme · recording
  • die Spieluhr · music box
  • eifersüchtig · jealous
  • bestreiten · to deny
  • der Güterzug · goods train, freight train
  • hohl · hollow
  • übertapezieren · to wallpaper over
  • krakelig · scrawly
  • angeben · to show off
  • der Dickkopf · stubborn person
  • aufziehen · to wind up

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In der ersten Nacht in seiner neuen Wohnung im Kreuzviertel in Münster dachte Moritz Schäfer, er hätte geträumt. Genau um zwölf nach elf hörte er aus der Wand neben seinem Bett eine leise, helle Melodie, wie von einer winzigen Glocke. Nach ein paar Sekunden war sie vorbei. In der zweiten Nacht hörte er sie wieder, um dieselbe Zeit. In der dritten auch.

Er erzählte es der Vermieterin, Frau Bröker, die ihn ansah, als wäre er nicht ganz normal. „Altbau“, sagte sie. „Da es eben in den Rohren.“ Aber Moritz war Musiklehrer, und er wusste, dass Rohre keine Melodien spielten. Also nahm er das Geräusch mit seinem Handy auf und hörte es sich immer wieder an. Es waren nur sieben Töne, und sie kamen ihm bekannt vor, aber er wusste nicht, woher.

Ein paar Tage später traf er im Treppenhaus die alte Dame aus dem Erdgeschoss, Frau Terhorst, die eine schwere Einkaufstasche trug. Er half ihr, und während sie ihre Tür aufschloss, spielte er ihr aus Neugier die vor. Frau Terhorst ließ die Schlüssel fallen. „Das ist das Abendlied“, flüsterte sie. „Der Mond ist aufgegangen. Das ist meine

Bei einer Tasse Kaffee erzählte sie ihm die Geschichte. Sie war in seiner Wohnung aufgewachsen, mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Klaus. Zu ihrem zehnten Geburtstag, 1961, hatte sie von ihrer Patentante eine bekommen, eine kleine Holzkiste mit einer tanzenden Figur. Einen Monat später war die verschwunden. Sie war sicher, dass Klaus sie genommen hatte, weil er gewesen war. Aber Klaus hatte es sein ganzes Leben lang Letztes Jahr war er gestorben.

„Aber warum spielt sie nur um zwölf nach elf?“, fragte Moritz. Frau Terhorst dachte nach. Dann lächelte sie. „Der sagte sie. „Der fährt jede Nacht um diese Zeit hinter dem Haus vorbei. Das ganze Haus zittert ein bisschen. Früher bin ich davon immer aufgewacht.“

Frau Bröker war nicht begeistert, aber am Ende erlaubte sie es. Moritz klopfte die Wand ab, bis er neben dem alten Schornstein eine Stelle fand, die klang. Hinter einer dünnen Holzplatte, die irgendwann worden war, lag ein kleiner Hohlraum. Darin, voller Staub, stand eine Holzkiste.

Frau Terhorst öffnete sie mit zitternden Fingern. Die kleine Figur war noch da, ein Mädchen im blauen Kleid. Unter ihr lag ein gefalteter Zettel, beschrieben in der Schrift eines Kindes: „Liebe Hedwig, ich wollte sie nur einen Tag verstecken, weil du so hast. Jetzt komme ich nicht mehr ran. Bitte sei nicht böse. Dein Klaus.“

Frau Terhorst las den Zettel dreimal. Dann lachte und weinte sie gleichzeitig. „Dieser sagte sie. „Sechzig Jahre lang hat er es nicht zugegeben.“ Niemand konnte erklären, warum die Feder nach so langer Zeit noch Kraft hatte, aber Moritz war das egal. Die steht jetzt auf Frau Terhorsts Nachttisch, und jeden Abend um zwölf nach elf, wenn der vorbeifährt, sie sie auf.

Comprehension check

0/4 answered

1. When does Moritz hear the melody?

2. Why does Frau Terhorst think the music box plays at that time?

3. Where did Moritz find the music box?

4. What does Klaus's note reveal?