Deep End
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Short story

Die Uhr, die nachging

A young watchmaker from Zurich takes over a shop in Schaffhausen and decides to fix the old town's tower clock, which has always been seven minutes slow.

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Words to know (12)
  • die Uhrmacherin · watchmaker (woman)
  • der Jahrgang · year, class (of students)
  • nachgehen · to be slow (of a clock)
  • ertragen · to bear, to stand
  • schief · crooked
  • der Ruhestand · retirement
  • das Uhrwerk · clockwork, mechanism
  • die Theke · counter
  • sich richten nach · to go by, to follow
  • die Unterschrift · signature
  • einschenken · to pour (a drink)
  • der Zopf · plaited loaf (also: plait)

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Noemi Keller war achtundzwanzig, kam aus Zürich und war die beste ihres Als sie im Herbst das kleine Uhrengeschäft von Herrn Stamm in der Altstadt von Schaffhausen übernahm, übernahm sie auch eine Aufgabe, die seit hundert Jahren zu diesem Laden gehörte: die Pflege der großen Uhr am Lindenturm, der mitten in der Altstadt stand.

Schon am ersten Tag fiel ihr auf, dass die Turmuhr sieben Minuten Nicht sechs, nicht acht, sondern genau sieben. Noemi konnte so etwas nicht Für sie war eine Uhr, die falsch ging, wie ein Bild, das an der Wand hing. Herr Stamm, der inzwischen im war, hatte ihr zwar geraten, mit der Turmuhr vorsichtig zu sein, aber sie hatte das für die Sorge eines alten Mannes um seine Maschine gehalten.

An einem Montagmorgen stieg sie die hundertzwölf Stufen hinauf, öffnete das alte und arbeitete vier Stunden lang. Um Mittag zeigte die Uhr am Lindenturm zum ersten Mal seit Jahrzehnten die richtige Zeit. Noemi war so stolz, dass sie ein Foto davon machte.

Am Dienstag begann das Chaos. Die Bäckerei am Platz, die seit Generationen öffnete, wenn die Turmuhr acht schlug, öffnete sieben Minuten zu früh, und die Verkäuferin stand noch ohne Brot hinter der Zwei ältere Herren, die sich seit vierzig Jahren um drei Uhr am Brunnen zum Schachspielen trafen, verpassten sich, weil der eine sich nach der Turmuhr und der andere nach seiner Armbanduhr, die er vor Jahren nach der Turmuhr gestellt hatte.

Am Mittwoch stand ein Leserbrief in der Zeitung: „Wer hat uns unsere sieben Minuten gestohlen?“ Am Donnerstag lag eine Liste mit dreihundert auf Noemis Ladentisch. Sie verstand die Welt nicht mehr. Wer wollte denn eine Uhr, die falsch ging?

Sie besuchte Herrn Stamm in seinem Garten. Er hörte zu, nickte und ihr einen Kaffee ein. „Die Uhr geht seit 1931 nach“, erklärte er. „Mein Großvater hätte sie in einer Stunde reparieren können. Aber die Leute wollten es nicht. Hier in der Altstadt hat jeder sieben Minuten mehr als der Rest der Schweiz. Man kommt nicht zu spät, man kommt nach Schaffhauser Zeit. Glauben Sie mir, das ist ein Geschenk, kein Fehler.“

Noemi schwieg lange. Sie dachte an Zürich, an die Trams, die sie um Sekunden verpasst hatte, und an die Termine, zu denen sie immer gerannt war. Wann hatte ihr zum letzten Mal jemand Zeit geschenkt?

Am Samstag stieg sie wieder die hundertzwölf Stufen hinauf. Diesmal brauchte sie nur zehn Minuten. Als die Turmuhr am Mittag zwölfmal schlug, sieben Minuten nach allen anderen Uhren der Schweiz, klatschten unten auf dem Platz die Menschen. Die Bäckerin brachte ihr später einen und die beiden Schachspieler luden sie zu einer Partie ein. Noemi kam sieben Minuten zu spät. Niemand merkte es.

Comprehension check

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1. What was wrong with the clock on the Lindenturm?

2. What happened at the bakery after Noemi fixed the clock?

3. Why had nobody repaired the clock before, according to Herr Stamm?

4. What did Noemi do on Saturday?