Deep End
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Short story

Der stumme Tenor

Malte, a dentist in Bremen who cannot sing a note, joins a church choir because of a woman's voice, and keeps his secret for seven weeks.

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Words to know (12)
  • innerlich · inwardly, on the inside
  • öffentlich · in public
  • dringend · urgently
  • vorsingen · to audition, to sing for someone
  • auswendig lernen · to learn by heart
  • die Probe · rehearsal
  • das Pult · music stand, desk
  • erschrocken · startled, in alarm
  • die Absicht · intention, purpose (here: on purpose)
  • am liebsten im Boden versinken · to wish the ground would swallow you up
  • durchhalten · to keep it up, to hold out
  • hoffnungslos · hopeless

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Malte Ohlsen war Zahnarzt, achtunddreißig Jahre alt und konnte nicht singen. Das wusste er, seit ihn seine Musiklehrerin in der fünften Klasse gebeten hatte, beim Schulkonzert „bitte nur mitzusingen“. Seitdem hatte er nie wieder gesungen, nicht einmal bei Geburtstagen.

Dann kam ein Dienstagabend im Oktober. Auf dem Heimweg durch das Bremer Schnoorviertel hörte er aus der offenen Tür einer kleinen Kirche eine Frauenstimme, so klar, dass er stehen blieb. Er schaute hinein. Vorne stand ein Chor, etwa dreißig Leute, und die Stimme gehörte einer Frau mit kurzen dunklen Haaren und einem gelben Schal. An der Tür hing ein Zettel: „Wir suchen Tenöre!“

Eine Woche später stand Malte in der zweiten Reihe bei den Tenören. Der Chorleiter, Herr Pohl, ein nervöser Mann mit wilden grauen Haaren, war so froh über einen neuen Mann, dass er ihn nicht einmal ließ. Malte hatte einen Plan: Er würde einfach den Mund bewegen, ohne einen Ton herauszubringen. Bei dreißig Sängern würde das niemand merken.

Der Plan funktionierte erstaunlich gut. Sieben Wochen lang bewegte Malte die Lippen, lernte alle Texte und trank nach der mit den anderen ein Bier in der Kneipe an der Ecke. Die Frau mit dem gelben Schal hieß Clara. Sie sang im Alt, stand direkt neben den Tenören und lachte über seine Witze. Malte war so glücklich wie lange nicht.

Dann, eine Woche vor dem Weihnachtskonzert, klopfte Herr Pohl mit seinem Stab aufs „Die Tenöre sind zu leise“, sagte er. „Ich möchte jeden einzeln hören. Herr Ohlsen, fangen Sie bitte an.“ Malte spürte, wie ihm heiß wurde. Dreißig Gesichter drehten sich zu ihm um.

In diesem Moment begann Clara zu husten, so laut, dass Herr Pohl aufsah. Sie hustete weiter, bis ihr jemand ein Glas Wasser brachte, und als sie endlich fertig war, hatte Herr Pohl die Tenöre vergessen und probte schon das nächste Lied.

Nach der wartete Clara draußen auf ihn. „Das war oder?“, fragte Malte. „Natürlich“, sagte sie. „Ich stehe seit sieben Wochen neben dir. Glaubst du wirklich, ich habe nicht gemerkt, dass da nichts rauskommt?“ Malte wäre am liebsten im Boden „Warum hast du nichts gesagt?“ Clara zuckte mit den Schultern. „Ich wollte wissen, wie lange du es Und warum du überhaupt gekommen bist.“

Malte sagte ihr die Wahrheit. Clara schwieg eine Weile, dann zog sie eine Visitenkarte aus der Manteltasche. Darauf stand: „Clara Hinrichs, Gesangsunterricht, auch für Fälle“. „Die erste Stunde ist umsonst“, sagte sie. „Donnerstag um sieben. Aber dann machst du den Mund wirklich auf.“

Comprehension check

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1. What made Malte go into the church?

2. Why didn't Malte have to sing for the choir leader?

3. How did Clara save Malte?

4. What does Clara offer Malte at the end?