Short story
Der Trabi von Tante Ilse
Two days after the Berlin Wall falls in 1989, a boy from Plauen sets off with his aunt in her brand-new Trabant for their first trip to the West.
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Words to know (12)
- aufheben · to save, to keep
- die Thermoskanne · Thermos flask
- der Stau · traffic jam
- hupen · to honk, to hoot
- das Werkzeug · tools
- blass · pale
- ausgerechnet · of all (days, things)
- schieben · to push
- das Seil · rope
- die Werkstatt · workshop, garage
- die Motorhaube · bonnet (of a car)
- glänzend · shining, gleaming
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Meine Tante Ilse hatte vierzehn Jahre auf ihr Auto gewartet. In der DDR war das normal: Man bestellte einen Trabant, und dann wartete man, manchmal länger, als die Kinder zur Schule gingen. Im Oktober 1989 war es endlich so weit. Der Trabi war hellblau, roch nach Benzin und Plastik, und Tante Ilse putzte ihn jeden Sonntag, als wäre er aus Gold.
Ich war damals zehn Jahre alt und wohnte mit meinen Eltern in Plauen, im selben Haus wie meine Tante. Am Abend des 9. November saßen wir alle vor dem Fernseher und konnten nicht glauben, was wir sahen: Menschen tanzten auf der Mauer in Berlin. Die Grenze war offen. Meine Mutter weinte, und mein Vater öffnete eine Flasche Sekt, die er seit Jahren für einen besonderen Tag hatte.
Zwei Tage später, an einem kalten Samstagmorgen, stand Tante Ilse um fünf Uhr vor unserer Tür, mit Autoschlüssel und „Wir fahren nach Hof“, sagte sie. Hof lag in Bayern, nur dreißig Kilometer entfernt, aber für uns war es bis dahin so weit weg gewesen wie der Mond.
Die Autobahn war voll von Trabis und Wartburgs. Wir standen stundenlang im aber niemand Die Menschen stiegen aus, teilten Kaffee und Brote und erzählten sich, was sie im Westen als Erstes machen wollten. Ich wollte unbedingt eine Banane essen, mein Vater wollte anschauen, und Tante Ilse sagte nur: „Ich will einfach mal sehen, wie es dort riecht.“
Kurz hinter der Grenze passierte es. Der Motor machte ein seltsames Geräusch, dann blieb der Trabi einfach stehen. Tante Ilse wurde Vierzehn Jahre Warten, und nun das, heute. Aber bevor wir überhaupt aussteigen konnten, standen schon fünf fremde Menschen um das Auto herum. Sie klatschten, lachten und begannen zu Ein Bauer mit einem Traktor zog uns schließlich mit einem bis in die Stadt.
In Hof waren die Straßen voller Menschen. Fremde schenkten uns Schokolade und Orangen, und ein Mechaniker reparierte den Trabi in seiner ohne Geld dafür zu nehmen. „Den wollte ich mir schon immer mal von innen anschauen“, sagte er und grinste. Ich aß meine erste Banane auf der
Tante Ilse hat ihren Trabi nie verkauft, auch nicht, als sich alle anderen einen Golf oder einen Opel kauften. Er steht heute noch in ihrer Garage, hellblau und
Jedes Jahr am 11. November fahren wir beide damit nach Hof. Tante Ilse ist jetzt neunzig, und ich bin derjenige, der fährt. Wir halten an derselben Stelle hinter der alten Grenze, trinken Kaffee aus der und essen eine Banane. „Riecht immer noch gut hier“, sagt Tante Ilse dann. „Aber bei uns riecht es inzwischen genauso.“
Comprehension check
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1. How long had Tante Ilse waited for her car?
2. What did Tante Ilse want to do in the West?
3. What happened just after the border?
4. What do the narrator and his aunt do every year?