Short story
Die Zeichnerin auf der Fähre
Every morning a shy tax adviser crosses Lake Constance on the same ferry as a woman with a sketchbook, and one foggy day she leaves it behind.
Tap a dotted word for its meaning.
Words to know (12)
- die Fähre · ferry
- die Überfahrt · crossing
- der Steuerberater · tax adviser
- das Skizzenbuch · sketchbook
- sich trauen · to dare
- jemanden ansprechen · to speak to someone, to approach someone
- neblig · foggy
- anlegen · to dock, to moor
- hastig · hurriedly
- es nicht mehr aushalten · to not be able to bear it any longer
- blättern · to leaf through, to turn the pages
- die Reling · (ship's) railing
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Seit sieben Jahren fuhr Thomas Rieger jeden Morgen um 7:15 Uhr mit der von Meersburg nach Konstanz. Die dauerte zwanzig Minuten, und Thomas verbrachte sie immer gleich: Er stand oben an Deck, auch im Winter, trank einen Kaffee aus dem Automaten und schaute auf den Bodensee. Er war und das waren die einzigen zwanzig Minuten am Tag, in denen er an nichts denken musste.
Seit dem Frühling war ihm eine Frau aufgefallen, die immer auf derselben Bank saß, mit einem kleinen auf den Knien. Sie zeichnete: manchmal den See, manchmal die Möwen, manchmal die anderen Passagiere. Thomas hätte gern einmal gesehen, was sie zeichnete, aber er sich nicht, sie Er war nicht der Typ, der fremde Frauen Er war eher der Typ, der lange darüber nachdachte, wie man es machen könnte, und es dann nicht tat.
An einem Dienstag im Oktober klingelte beim in Konstanz das Telefon der Frau. Sie stand auf und lief von Bord, und auf der Bank blieb das liegen. Thomas nahm es und rief ihr nach, aber sie war schon im Nebel verschwunden.
Den ganzen Tag lag das Buch auf seinem Schreibtisch. Er wollte es nicht öffnen, denn das wäre unhöflich gewesen. Am Abend er es nicht mehr aus. Auf den ersten Seiten waren Wellen, Segelboote und ein Hund mit einer Mütze. Dann er weiter und erstarrte. Auf fast jeder zweiten Seite war ein Mann an der zu sehen, mit einem Kaffeebecher in der Hand und einem grauen Schal. Er selbst. Im Regen, in der Sonne, im Nebel. Dutzende Male.
Thomas schlief in dieser Nacht schlecht. Was sollte er sagen? Dass er das Buch geöffnet hatte? Dass er sich gefreut hatte, und wie sehr? Am nächsten Morgen stand er nicht an der sondern wartete neben ihrer Bank. Sie kam in letzter Minute, außer Atem, und sah das Buch in seiner Hand. Sie wurde rot bis zu den Ohren.
„Sie haben reingeschaut“, sagte sie. Es war keine Frage. Thomas hätte lügen können, aber er nickte. „Es tut mir leid. Ich weiß, dass man das nicht macht.“ Sie schwieg eine Weile und schaute auf den See. „Ich heiße Clara“, sagte sie dann. „Ich bin Illustratorin. Sie stehen immer so still da. Das ist praktisch, wenn man zeichnen will. Die anderen bewegen sich die ganze Zeit.“
„Nur deshalb?“, fragte Thomas, und er war selbst überrascht über seinen Mut. Clara lachte zum ersten Mal. „Nicht nur deshalb“, sagte sie. „Aber ich bin auch nicht der Typ, der fremde Männer „Ich auch nicht“, sagte Thomas. „Ich meine, ich auch keine fremden Frauen an.“ „Das habe ich gemerkt“, sagte Clara. „Seit sieben Monaten.“
Seitdem steht Thomas nicht mehr allein an der Er sitzt neben Clara auf der Bank, und manchmal sagt er ihr, dass sie seine Nase zu groß gezeichnet hat. Im nächsten Frühling erscheint Claras erstes eigenes Bilderbuch. Es heißt „Der stille Mann auf der und auf dem Umschlag steht ein Mann mit grauem Schal an der Aber er ist nicht allein: Neben ihm sitzt eine Frau mit einem
Comprehension check
0/4 answered
1. Why did Thomas like the ferry crossing so much?
2. Why did the woman leave her sketchbook on the ferry?
3. What did Thomas find in the sketchbook?
4. What reason did Clara give first for drawing Thomas?