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Short story

Schuhe für Paul

Berlin, 1923: as money loses its value by the hour, a young seamstress saves for weeks to buy her little brother a pair of shoes before winter.

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Words to know (12)
  • die Näherin · seamstress
  • der Lohn · wage(s), pay
  • wert sein · to be worth
  • barfuß · barefoot
  • (im Krieg) fallen · to be killed (in the war)
  • der Schnürsenkel · shoelace
  • hungern · to go hungry
  • das Leder · leather
  • der Auftrag · order, job (for a craftsman)
  • die Währung · currency
  • übernehmen · to take over
  • die Urenkelin · great-granddaughter

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Berlin, im Oktober 1923. Emma Kühn war neunzehn und arbeitete als in einer Fabrik in Kreuzberg. Sie bekam ihren zweimal am Tag, mittags und abends, denn Geld, das man am Morgen bekam, war am Abend schon weniger Ein Brot kostete an diesem Montag zwei Milliarden Mark. Am Freitag würde es vielleicht das Doppelte kosten. Niemand wusste es.

Emma hatte einen kleinen Bruder, Paul. Er war sechs und ging seit Ostern zur Schule. Seit dem Sommer lief er weil seine alten Schuhe zu klein geworden waren. Die Mutter war krank, und der Vater war im Krieg Im Winter, das wusste Emma, konnte Paul so nicht zur Schule gehen. Deshalb hatte sie ihm versprochen: „Bevor der erste Schnee fällt, bekommst du richtige Schuhe. Mit

Drei Wochen lang sparte sie jeden Schein, den sie nicht für Brot oder Kohlen brauchte. Sie aß weniger und ging zu Fuß, statt mit der Straßenbahn zu fahren. Am Samstag hatte sie einen ganzen Korb voller Geldscheine. Mit dem Korb unter dem Arm lief sie zum Schuhmacher in der Oranienstraße, wo sie ein Paar braune Kinderschuhe im Schaufenster gesehen hatte.

Der Schuhmacher, ein alter Mann namens Herr Lewin, zählte ihr Geld lange und sorgfältig. Dann schüttelte er den Kopf. „Es tut mir leid, Fräulein. Am Montag hätte es gereicht. Heute kosten die Schuhe dreimal so viel.“ Emma konnte nichts sagen. Sie hatte drei Wochen lang und jetzt war das Geld nicht mehr als das Papier, auf dem es gedruckt war.

Sie wollte schon gehen, als Herr Lewin auf ihre Hände schaute. „Sie sind nicht wahr?“, fragte er. Emma nickte. „Meine Frau hat früher die Schuhe genäht“, sagte er. „Die Oberteile, das Seit ihrem Tod schaffe ich das nicht mehr allein. Die bleiben liegen.“ Er zeigte auf einen Berg von Schuhen in der Ecke.

So machten sie ein Geschäft, das ganz ohne Geld funktionierte. Emma kam jeden Abend nach der Fabrik für zwei Stunden in die Werkstatt und nähte, und am Sonntag den ganzen Tag. Dafür bekam Paul die braunen Schuhe. Und Herr Lewin, der keine Kinder hatte, gab ihr jeden Abend noch einen Topf Suppe mit nach Hause.

Als im November der erste Schnee fiel, ging Paul in seinen neuen Schuhen zur Schule, und er lief so stolz, als wären sie aus Gold. Wenige Tage später war die Inflation plötzlich vorbei. Es gab eine neue die Rentenmark, und ein Brot kostete wieder ein paar Pfennige. Aber Emma arbeitete weiter bei Herrn Lewin. Zwei Jahre später sie die Werkstatt zusammen mit ihm.

Die Schuhe gibt es heute noch. Sie stehen in einer Glasvitrine bei Pauls in Berlin, und daneben liegt ein Geldschein über zwei Milliarden Mark. „Das war damals der Preis für ein Brot“, erklärt sie jedem Besucher. „Und die Schuhe haben gar kein Geld gekostet. Nur Zeit.“

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1. Why was Emma paid twice a day?

2. What did Emma promise Paul?

3. Why couldn't Emma buy the shoes with her savings?

4. How did Emma pay for the shoes in the end?