Short story
Wer liest meine Zeitung?
A retired postman in Kassel with very fixed habits notices that someone is secretly reading his newspaper every morning before he gets up.
Tap a dotted word for its meaning.
Words to know (12)
- die Gewohnheit · habit
- das Kreuzworträtsel · crossword
- falten · to fold
- sich etwas einbilden · to imagine something (that isn't real)
- ausradieren · to rub out, to erase
- empört · outraged
- die Frechheit · cheek, impudence
- austragen · to deliver (post, newspapers)
- der Morgenmantel · dressing gown
- der Zopf · plait, braid
- sich etwas leisten können · to be able to afford something
- die Erlaubnis · permission
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Gerhard Wolff war einundachtzig, ehemaliger Briefträger und ein Mann mit festen Jeden Morgen um sieben holte er die Zeitung aus dem Briefkasten im Hausflur, kochte Kaffee und löste das Er brauchte dafür genau eine Tasse und dreiundzwanzig Minuten. Seit fünfzig Jahren wohnte er im selben Haus in Kassel, und seit fünfzig Jahren hatte sich daran nichts geändert.
Doch im März bemerkte er etwas Seltsames. Die Zeitung lag zwar jeden Morgen im Briefkasten, aber sie war anders als der Zeitungsbote sie Und sie roch ein bisschen nach Lavendel. Gerhard sagte sich, dass er sich das nur Bis er an einem Donnerstag im Rätsel bei „Fluss in Hessen, vier Buchstaben“ ganz schwach die Spuren eines Bleistifts sah. Jemand hatte „EDER“ geschrieben und es wieder
Gerhard war Dass jemand heimlich seine Zeitung las, war schlimm genug. Aber dass jemand sein Rätsel löste, bevor er es selbst lösen konnte, war eine Er hatte sein ganzes Leben lang Post und nie einen Brief geöffnet, der nicht für ihn bestimmt war.
Am Freitag stellte er den Wecker auf halb fünf. Er setzte sich im dunklen Hausflur auf die Treppe, mit einer Thermoskanne und einer Taschenlampe, und wartete. Um fünf Uhr zehn kam der Zeitungsbote. Um fünf Uhr fünfundzwanzig hörte er leise Schritte von oben. Jemand in einem öffnete seinen Briefkasten mit einer Haarnadel.
Gerhard schaltete die Taschenlampe ein. Vor ihm stand Frau Albrecht aus dem zweiten Stock, die erst im Winter eingezogen war, eine kleine Frau mit einem grauen Vor Schreck ließ sie die Zeitung fallen. „Herr Wolff“, sagte sie, „ich kann das erklären.“
Sie setzten sich zusammen auf die Treppe. Frau Albrecht erzählte, dass sie seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr richtig schlafen konnte. Früher hatten die beiden jeden Morgen zusammen das gelöst. Eine eigene Zeitung konnte sie sich von ihrer kleinen Rente nicht „Ich habe immer alles wieder sagte sie leise. „Nur am Donnerstag habe ich die Eder vergessen.“
Gerhard schwieg. Er dachte an seine eigene Frau und an die vielen Morgen, die er seit ihrem Tod allein mit dem Rätsel verbracht hatte. Dann stand er auf. „Haben Sie Kaffee da oben?“, fragte er. Frau Albrecht nickte überrascht.
Seitdem kommt die Zeitung jeden Morgen um halb sechs in den zweiten Stock, und zwar mit Das Rätsel lösen die beiden zusammen, mit Kugelschreiber. Sie brauchen dafür jetzt drei Tassen und manchmal eine ganze Stunde, weil sie sich bei schweren Wörtern streiten. Gerhard findet, dass es die beste Stunde des Tages ist. Und dass seine Zeitung nach Lavendel riecht, stört ihn auch nicht mehr.
Comprehension check
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1. What first made Gerhard suspicious?
2. What upset Gerhard most?
3. Why didn't Frau Albrecht buy her own newspaper?
4. How do Gerhard's mornings look now?