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Short story

Das Konto 4471-B

A Zurich bank clerk who searches for the heirs of forgotten accounts follows the trail of a young waitress from 1966, and it leads somewhere he never expected.

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Words to know (12)
  • das Untergeschoss · basement floor
  • nachrichtenlos · dormant (with no contact from the owner)
  • der Erbe, die Erbin · heir
  • der Bund · the federal government
  • die Serviertochter · waitress (Swiss)
  • vergilbt · yellowed
  • die Karteikarte · index card
  • drängen · to push, to pressure
  • zuständig · responsible, relevant
  • eingeschrieben · registered (letter)
  • es gut treffen · to be lucky (with)
  • das Kuvert · envelope

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In einem fensterlosen Büro im dritten einer Zürcher Privatbank arbeitete Reto Brunner an Fällen, über die außerhalb des Hauses selten gesprochen wurde. Seine Abteilung kümmerte sich um sogenannte Vermögen: Konten, deren Inhaber sich seit Jahrzehnten nicht mehr gemeldet hatten, weder persönlich noch per Post. Nach sechzig Jahren ohne Lebenszeichen, so schrieb es das Gesetz vor, musste die Bank die suchen. Fand sie keine, fiel das Geld an den

Das Konto 4471-B war im Mai 1966 eröffnet worden, von einer Rosa Gerber, damals zweiundzwanzig, Beruf: Sie hatte viertausendachthundert Franken eingezahlt, für eine junge Kellnerin aus dem Emmental ein kleines Vermögen. Danach war nie wieder etwas eingegangen oder abgehoben worden. Mit Zinsen lagen auf dem Konto inzwischen knapp einunddreißigtausend Franken. In der Akte steckte außerdem eine auf der in runder Schrift stand: „Für mein Kind, wenn es fragt.“

Reto hatte schon viele Akten gesehen, doch diese ließ ihn nicht los. Er durchsuchte Register, schrieb an Gemeinden im Emmental und telefonierte mit einem pensionierten Pfarrer in Langnau, der sich tatsächlich an Rosa erinnerte. Sie sei, erzählte der alte Mann, 1965 schwanger geworden, ohne verheiratet zu sein, was damals im Dorf ein Skandal gewesen sei. Man habe sie das Kind zur Adoption freizugeben. Kurz darauf sei sie nach Kanada ausgewandert. Rosa selbst, das fand Reto später heraus, war 2011 in Winnipeg gestorben, ohne weitere Kinder.

Das Adoptionsdossier zu finden, kostete ihn weitere vier Monate und eine erhebliche Menge an Formularen. Als die Antwort der Behörde endlich kam, las er den Namen dreimal, bevor er ihn glaubte. Das Mädchen, im Februar 1966 in Bern geboren, war von einem Ehepaar aus Oerlikon adoptiert worden und hieß heute Ines Keller.

Ines Keller kannte Reto. Jeder in der Bank kannte sie, wenn auch kaum jemand ihren Nachnamen wusste. Sie putzte seit vierzehn Jahren abends die Büros im dritten auch seines. Sie leerte seinen Papierkorb, goss die Pflanze, die er ständig vergaß, und sagte jedes Mal „Schönen Feierabend, Herr Brunner“, wenn er um halb sieben endlich seinen Mantel nahm. Er hatte nie mehr als ein paar Sätze über das Wetter mit ihr gewechselt.

Er hätte ihr einen Brief schicken können, wie es die Vorschriften empfahlen. Stattdessen wartete er an einem Dienstag bis nach sieben. Als sie mit ihrem Putzwagen hereinkam, bat er sie, sich einen Moment zu setzen. Sie sah ihn misstrauisch an, als rechne sie mit einer Beschwerde wegen der Pflanze. Dann erzählte er ihr, so ruhig er konnte, von dem Konto, von Rosa Gerber, vom Emmental und von Winnipeg.

Ines hörte schweigend zu. Sie habe immer gewusst, dass sie adoptiert sei, sagte sie schließlich. Ihre Eltern hätten es ihr nie verschwiegen, und sie hätte es mit ihnen nicht besser können. Aber über die Frau, die sie geboren habe, habe sie sich ihr Leben lang nur eines gefragt: ob diese sie überhaupt gewollt habe. Reto sagte nichts. Er schob ihr die Kopie der über den Tisch.

Sie las den kurzen Satz lange. Nach dem Geld fragte sie an diesem Abend kein einziges Mal. Sie wollte nur wissen, ob sie das Original der Karte haben dürfe, mit der Handschrift ihrer Mutter. Eigentlich, sagte Reto, sei das Eigentum der Bank, und interne Dokumente dürften das Haus grundsätzlich nicht verlassen. Dann nahm er die Karte aus der Akte, steckte sie in ein und reichte es ihr. „Ich glaube“, sagte er, „die war von Anfang an an Sie adressiert.“

Comprehension check

0/4 answered

1. What is Reto's job at the bank?

2. What did the old pastor tell Reto about Rosa?

3. Who turns out to be Rosa's daughter?

4. What does Ines ask for?