Deep End
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Short story

Zehn Euro für Dr. Bergmann

At an insurance company in Hanover, Leonie draws the name of her stern, humourless boss for the office Secret Santa and has three weeks to find out what he might like.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • wichteln · to do Secret Santa
  • die Schadensregulierung · claims settlement (department)
  • trostlos · dreary, bleak
  • unauffällig · inconspicuously
  • das Großraumbüro · open-plan office
  • summen · to hum
  • die Mundharmonika · harmonica
  • das Seemannslied · sea shanty
  • reglos · motionless
  • stockend · haltingly
  • unwillkürlich · involuntarily, without meaning to
  • anrühren · to touch

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Als Leonie Krause beim der Abteilung ihren Zettel auseinanderfaltete, hätte sie ihn am liebsten sofort zurück in die Schüssel geworfen. Darauf stand: Dr. Bergmann. Der Abteilungsleiter, seit elf Jahren im Haus, war in der ganzen Versicherung für drei Dinge bekannt: für seine fehlerlosen Berichte, für seine grauen Anzüge und dafür, dass ihn noch nie jemand hatte lachen sehen. Das Budget betrug zehn Euro. Die Weihnachtsfeier war in drei Wochen.

Die Kolleginnen hatten wenig hilfreiche Vorschläge. Eine Krawatte, meinte Frau Özdemir aus der Buchhaltung, „aber bitte in Grau, sonst kriegt er einen Schock“. Jemand schlug Kugelschreiber vor, ein anderer Pralinen. Leonie fand das alles ziemlich Wenn sie schon jemanden beschenken musste, wollte sie wenigstens etwas finden, das zu ihm passte. Das Problem war nur, dass niemand wusste, was zu ihm passte.

Also begann sie, ihn zu beobachten, möglichst was in einem schwieriger ist, als man denkt. Sie stellte fest, dass er jeden Morgen um Viertel nach zehn einen Apfel aß, immer einen grünen. Dass auf seinem Schreibtisch kein einziges Foto stand. Und dass er, wenn er sich allein im Kopierraum glaubte, leise vor sich hin immer dieselbe Melodie, ein bisschen melancholisch, ein bisschen nach Hafenkneipe.

Die Melodie ging Leonie nicht mehr aus dem Kopf. Eine Woche lang sie sie selbst, bis ihr Mitbewohner, der in einer Band Bass spielte, die Augen verdrehte und sagte, das sei doch ein uraltes so etwas spiele man auf der Am nächsten Tag ging Leonie in ein Musikgeschäft in der List und kaufte die billigste die sie finden konnte. Sie kostete neun Euro neunzig. Den Zettel, den sie dazulegte, schrieb sie fünfmal neu, bevor sie sich traute: „Für das Lied aus dem Kopierraum.“

Die Weihnachtsfeier fand im Konferenzraum statt, zwischen Lebkuchen und lauwarmem Glühwein. Die Geschenke wurden der Reihe nach ausgepackt, unter höflichem Gelächter über Socken mit Rentieren und Tassen mit lustigen Sprüchen. Als Dr. Bergmann an der Reihe war, wurde es merklich stiller. Er öffnete das Päckchen mit derselben Sorgfalt, mit der er Schadensberichte prüfte, las den Zettel und blieb eine Weile sitzen. Leonie wünschte sich, sie hätte doch die graue Krawatte gekauft.

Dann nahm er die wischte sie an seinem Ärmel ab und begann zu spielen. Zuerst als müsse er sich an etwas erinnern, dann immer sicherer. Es war das Lied aus dem Kopierraum, aber so, wie es klingen sollte: traurig und gleichzeitig so beschwingt, dass Frau Özdemir mit dem Fuß wippte. Niemand sagte etwas. Herr Lindner aus der IT vergaß sogar, sein Handy herauszuholen.

Als er fertig war, legte Dr. Bergmann die vor sich auf den Tisch. Er habe, erklärte er, zehn Jahre lang in einer Band gespielt, in Kneipen am Hafen von Bremerhaven, bevor er Jura studiert habe. Sein Vater habe gesagt, mit Musik könne man keine Familie ernähren, und er habe ihm geglaubt. Eine habe er seit dreißig Jahren nicht mehr „Ich wusste nicht, dass man mich hört“, sagte er. „Offenbar hört man es.“

Im Januar stand auf seinem Schreibtisch zum ersten Mal ein Foto: eine junge Band auf einer winzigen Bühne, der Mann mit der kaum wiederzuerkennen. Lachen hatte ihn zwar immer noch niemand gesehen, aber im Kopierraum er jetzt deutlich lauter. Und als im nächsten Dezember die Zettel für das geschrieben wurden, fragte er Leonie, ob man das Budget nicht auf fünfzehn Euro erhöhen könne. Für den Fall, dass jemand eine Gitarrensaite brauche.

Comprehension check

0/4 answered

1. Why is Leonie unhappy when she sees the name on her slip of paper?

2. What does Leonie notice when she observes him?

3. What does Dr. Bergmann do with the present?

4. Why had he stopped playing music?