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Short story

Ostern eine Woche zu früh

In Mainz in 1473, a young printer's apprentice sets his first wall calendar, and a tiny mistake puts Easter on the wrong Sunday in four hundred households.

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Words to know (11)
  • der Lehrling · apprentice
  • der Bogen · sheet (of paper)
  • zur Ader lassen · to bleed (as medical treatment)
  • der Domherr · canon (of a cathedral)
  • spiegelverkehrt · back to front, mirror-inverted
  • die Kanzel · pulpit
  • toben · to rage
  • die Abschrift · (handwritten) copy
  • beschönigen · to gloss over
  • der Fuhrmann · carter, wagon driver
  • der Küster · sexton, verger

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Im Winter des Jahres 1473 war Jakob Ruland sechzehn Jahre alt und seit zwei Jahren in der Druckerei von Meister Ulrich Kessler in Mainz. Die Kunst, Bücher mit beweglichen Buchstaben aus Metall zu drucken, war in dieser Stadt erfunden worden, gut zwanzig Jahre zuvor, und noch immer kamen Händler von weit her, um zu sehen, wie in wenigen Tagen entstand, wofür ein Schreiber Monate gebraucht hätte. Jakob war der Sohn eines Fischers aus Nierstein. Er konnte lesen, was selbst in Mainz nicht jeder konnte, aber er las langsam, und er hasste es, wenn man ihm dabei zusah.

Im November übertrug ihm der Meister zum ersten Mal eine eigene Aufgabe: den Kalender für das kommende Jahr. Es war ein einziger großer den man an die Wand nageln konnte, mit allen Sonn- und Feiertagen, den Markttagen und den Tagen, an denen man nach Ansicht der Gelehrten am besten zur ließ. Den wichtigsten Termin, das Osterfest, nach dem sich fast alle anderen Feste richteten, hatte ein eigens auf einem Zettel berechnet. Jakob setzte Buchstabe für Buchstabe, wie man es ihm beigebracht hatte, und war so stolz wie nie zuvor.

Vierhundert wurden gedruckt und noch vor Weihnachten verkauft, an Wirte, Bäcker, Klöster und Kaufleute. Erst im Februar fiel einer Magd auf, dass der Pfarrer von der einen anderen Ostertermin verkündet hatte, als an der Wand ihres Herrn hing. Sie erzählte es dem Bäcker, der Bäcker dem Wirt, und am Abend stand der Wirt mit dem Kalender in der Hand in der Werkstatt. Jakob holte den Zettel des Die Schrift war klein und eilig. Ein einziger Strich, den er falsch gelesen hatte, hatte Ostern um eine ganze Woche verschoben.

Meister Kessler nicht, und das war schlimmer, als wenn er hätte. Er setzte sich an den Tisch und rechnete. Neu zu drucken hätte bedeutet, Papier zu kaufen, das teurer war als alles andere in der Werkstatt, und vierhundert Käufern zu gestehen, dass sie für einen falschen Kalender bezahlt hatten. Für einen Drucker, dessen Ware man gerade deshalb kaufte, weil sie zuverlässiger sein sollte als jede kam das einem Todesurteil gleich. „Wenn das bekannt wird“, sagte er leise, „lässt in dieser Stadt niemand mehr bei uns drucken.“

Es war Jakob, der den Vorschlag machte, und er wunderte sich selbst über seinen Mut. Er werde jeden einzelnen wiederfinden, sagte er. Er habe beim Verkauf geholfen und wisse noch von den meisten, wohin sie gegangen seien. Man könne einen kleinen Stempel schneiden, mit dem richtigen Datum, und ihn mit roter Farbe über den falschen Sonntag drücken. Der Meister sah ihn lange an. Dann sagte er nur: „Du hast drei Wochen.“

In diesen drei Wochen klopfte Jakob an Türen, von denen er nicht gewusst hatte, dass es sie gab. Er stieg in Weinkeller hinunter und in Dachkammern hinauf, er ließ sich von Nonnen ausfragen und von Hunden verfolgen, und er erklärte hundertmal denselben Fehler, ohne ihn ein einziges Mal zu Viele lachten ihn aus, einige gaben ihm Brot. Ein alter Schmied ließ ihn erst herein, nachdem er den Fehler laut und deutlich zugegeben hatte. Am Ende hatte er dreihundertachtzig gestempelt. Zwanzig blieben verschwunden.

Am falschen Ostersonntag ging Jakob in aller Frühe zum Dom. Vor dem Portal standen tatsächlich ein paar Leute in ihren besten Kleidern: ein mit seiner Familie, zwei Studenten, eine Witwe mit einem Korb voller gefärbter Eier. Die Kirche war noch leer, abgesehen von einem verschlafenen der die Zweige für den Palmsonntag bereitlegte. Jakob trat zu ihnen, nahm die Mütze ab und erklärte es ein letztes Mal. Die Witwe hörte ihm zu und drückte ihm dann ein Ei in die Hand. „Dann feiern wir halt zweimal“, sagte sie. „Schaden kann's nicht.“

Als Jakob in die Werkstatt zurückkam, hatte Meister Kessler einen der falschen Kalender an die Wand über der Presse genagelt, ungestempelt und gut sichtbar für jeden, der dort arbeitete. „Weißt du, warum ich dich nicht hinausgeworfen habe?“, fragte er. Jakob schüttelte den Kopf. „Weil du deinen Fehler gesucht hast, statt ihn zu verstecken. Fehler macht jeder Drucker. Die guten laufen ihnen hinterher.“ Der Kalender hing noch dort, als Jakob die Werkstatt viele Jahre später selbst übernahm. Seine so heißt es, mussten jedes Datum zweimal lesen, bevor sie es setzten, und einmal laut.

Comprehension check

0/4 answered

1. What was Jakob's first independent task?

2. How was the mistake discovered?

3. How did Jakob correct the mistake?

4. Why didn't Master Kessler throw Jakob out?