Short story
Die Nacht der Kröten
A reporter spends a rainy March night in the Sauerland with volunteers who carry migrating toads across a road, among them a teenager doing community service.
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Words to know (12)
- die Kröte · toad
- die Stirnlampe · head torch
- schlüpfen · to hatch
- laichen · to spawn
- Mist bauen · to mess up (colloquial)
- die Sozialstunde · hour of community service
- durchhängen · to sag
- der Kabelbinder · cable tie
- ableisten · to complete (service, hours)
- der Molch · newt
- empört · indignant
- der Haken · catch, snag
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Es ist kurz nach neun an einem nassen Märzabend, und an einer Kreisstraße zwischen zwei Dörfern im Sauerland stehen acht Menschen mit und Plastikeimern im Regen. Vor ihnen zieht sich ein knapp kniehoher grüner Zaun aus Kunststoff am Straßenrand entlang, fast einen Kilometer lang. Dahinter sind in regelmäßigen Abständen Eimer in den Boden eingelassen. „Jetzt geht's los“, sagt Hildegard Wiese und zieht die Kapuze fester. „Bei acht Grad und Regen wandern sie. Darauf kann man sich verlassen. Mehr als auf die Bahn.“
Wiese, 72, pensionierte Biologielehrerin, leitet die Krötenschutzgruppe seit neunzehn Jahren. Das Prinzip erklärt sie in wenigen Sätzen: Jedes Frühjahr wandern Tausende Erdkröten aus dem Wald zu dem Teich, in dem sie selbst sind, um dort zu Zwischen Wald und Teich liegt die Straße. Der Zaun hält die Tiere auf, sie fallen in die Eimer, und die Freiwilligen tragen sie zweimal täglich auf die andere Seite. Ohne die Gruppe, so Wiese, würde mehr als die Hälfte der Tiere überfahren. Allein im vergangenen Jahr habe man über sechstausend gezählt.
Die Gruppe ist bunt gemischt. Ein Ehepaar aus dem Dorf macht seit Jahren mit, eine Studentin aus Siegen schreibt eine Abschlussarbeit über Amphibienwanderungen, ein Zahnarzt kommt nach Feierabend noch in Praxiskleidung. Und dann ist da Kevin, siebzehn, Kapuzenpulli, Kopfhörer um den Hals, der in diesem Frühjahr nicht ganz freiwillig hier ist. Er habe gebaut, sagt er knapp, genauer: ein Bushäuschen mit Farbe besprüht. Das Jugendgericht hat ihn zu vierzig verurteilt. Die Krötengruppe war die einzige Stelle, die abends Leute brauchte.
In den ersten Nächten, erzählt Wiese, habe Kevin kaum ein Wort gesprochen und die nur mit spitzen Fingern angefasst, wenn überhaupt. Er habe ständig auf die Uhr geschaut und gezählt, wie viele Stunden ihm noch fehlten. Dann kam eine Nacht Mitte März, in der ein Lastwagen viel zu schnell durch die Kurve fuhr. Am nächsten Morgen lagen auf dem Asphalt zwei Dutzend überfahrene Tiere, die durch eine Lücke im Zaun auf die Fahrbahn gelangt waren. Kevin, sagt Wiese, habe sehr lange davor gestanden.
Was danach geschah, kann man an diesem Abend selbst beobachten. Kevin hat inzwischen eigene Gummistiefel. Er kennt die Stellen, an denen der Zaun und flickt sie mit bevor jemand ihn darum bittet. Er unterscheidet Männchen und Weibchen auf einen Blick. Er weiß, dass sich die kleineren Männchen oft schon im Wald auf die Weibchen setzen und sich zum Teich tragen lassen, und findet das, wie er sagt, eigentlich ziemlich clever. Seine vierzig Stunden hat er seit zwei Wochen
Gegen elf hat die Gruppe 412 über die Straße getragen, außerdem neun und einen sichtlich Frosch. Kevin trägt die Zahlen in eine Tabelle ein, die er auf seinem Handy angelegt hat und die mittlerweile ausführlicher ist als die der Biologielehrerin. Wiese sieht ihm über die Schulter und sagt nichts, aber man merkt ihr an, dass sie stolz ist.
Das eigentliche Problem, darüber sind sich alle einig, ist mit Eimern nicht zu lösen. Die Gruppe fordert seit Jahren einen dauerhaften Krötentunnel unter der Straße, wie es ihn in anderen Gemeinden längst gibt. Der Kreis verweist auf Kosten von rund zweihunderttausend Euro und darauf, dass die Freiwilligen bisher doch hervorragende Arbeit leisteten. „Genau das ist der sagt Wiese. „Weil wir funktionieren, passiert nichts.“
Kevin hat dazu inzwischen eine eigene Meinung, und er hat sie aufgeschrieben. Sein Brief an den Kreistag, zwei Seiten, sachlich, mit Zahlen aus seiner Tabelle, liegt seit letzter Woche bei der Verwaltung. Ob ihn dort jemand liest, weiß niemand. Auf die Frage, ob er nächstes Jahr wiederkomme, zuckt Kevin mit den Schultern, als sei die Frage überflüssig. Dann rückt er seine zurecht und geht zum nächsten Eimer. „Die warten ja nicht“, sagt er.
Comprehension check
0/4 answered
1. What do the volunteers do?
2. Why is Kevin with the group?
3. What changed Kevin's attitude?
4. What does Wiese mean by "Weil wir funktionieren, passiert nichts"?