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Short story

Das Wasser von Altona

Hamburg, 1892: in letters to her sister, a young hospital nurse describes the cholera epidemic and a strange pattern she notices among her patients.

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Words to know (12)
  • das Fleet · canal (in Hamburg)
  • der Brechdurchfall · vomiting and diarrhoea
  • einliefern · to admit (to hospital)
  • amtlich · official
  • der Erreger · pathogen, germ
  • verschweigen · to keep quiet about, to conceal
  • der/die Gelehrte · scholar, learned person
  • abkochen · to boil (to make safe)
  • toben · to rage, to rant
  • der/die Angehörige · relative, family member
  • sich anstecken · to become infected
  • die Seuche · epidemic

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Hamburg, den 20. August 1892. Liebe Anna, verzeih, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Seit zwei Wochen ist es in Hamburg unerträglich heiß, die stinken, und im Krankenhaus in Eppendorf kommen wir kaum noch zum Schlafen. Jeden Tag bringen sie neue Kranke mit vor allem aus dem Hafen und aus den Gängevierteln. Die Ärzte sagen, das sei die übliche Sommerkrankheit, und der Senat lässt in den Zeitungen verkünden, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Ich wünschte, ich könnte das glauben. Wer bei uns wird, ist oft am nächsten Morgen tot.

Hamburg, den 25. August. Liebe Anna, jetzt ist es Es ist die Cholera. Gestern ist Professor Koch aus Berlin gekommen, ein kleiner, ernster Mann mit Brille, und hat unter dem Mikroskop sofort die erkannt. Man erzählt sich, der Senat habe die Krankheit tagelang damit die Schiffe weiter im Hafen anlegen und die Kaufleute keine Verluste machen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass inzwischen Kranke auf unseren Fluren liegen, weil die Betten längst nicht mehr reichen.

Hamburg, den 30. August. Liebe Anna, mir ist etwas aufgefallen, und ich muss es jemandem erzählen. Fast alle unsere Kranken kommen aus Hamburg, kaum einer aus Altona, obwohl Altona gleich nebenan liegt und die Menschen dort genauso arm sind. Ein Polizist, den wir mit Fieber aufgenommen haben, erzählte mir, in einer Straße, durch die die Grenze verläuft, seien auf der Hamburger Seite ganze Familien erkrankt, auf der Altonaer Seite dagegen niemand. Der einzige Unterschied, der mir einfällt, ist das Wasser. Altona filtert sein Elbwasser durch Sand, bevor es in die Leitungen kommt; Hamburg pumpt es ungefiltert aus dem Fluss. Ich habe das unserem Stationsarzt gesagt. Er meinte, solche Fragen solle ich den überlassen.

Hamburg, den 3. September. Liebe Anna, ich habe es den nicht überlassen. Seit Montag koche ich nachts auf dem Ofen im Schwesternzimmer jeden Tropfen Trinkwasser für unsere Station ab; die Kohlen bezahle ich selbst. Oberschwester Hedwig hat Das sei nicht angeordnet, das sei Verschwendung, und eine Schwester habe zu pflegen und nicht zu forschen. Den die unsere Kranken besuchen, gebe ich trotzdem Zettel mit, auf denen steht, dass sie zu Hause nur gekochtes Wasser trinken sollen. Die meisten können nicht lesen. Also sage ich es ihnen, immer wieder, bis sie es wiederholen können.

Hamburg, den 12. September. Liebe Anna, nun hängen an jeder Straßenecke Plakate des Senats: Leitungswasser dürfe nur getrunken werden. Die Stadt lässt sogar Wagen mit gekochtem Wasser durch die Viertel fahren. Auf unserer Station hat sich seit zwei Wochen keine Schwester und kein Pfleger mehr Oberschwester Hedwig überwacht das inzwischen persönlich, mit einer Strenge, als sei es ihre eigene Idee gewesen. Ich lasse ihr die Freude. Auch der kleine Paul aus dem Haus meiner Wirtin, der vor zwei Wochen mit schweren Krämpfen zu uns kam, ist über den Berg. Gestern hat er zum ersten Mal wieder gelacht.

Hamburg, den 2. November. Liebe Anna, die ist vorbei. Über achttausend Menschen sind gestorben, in nur zehn Wochen. Die Zeitungen schreiben jetzt, man hätte die Katastrophe verhindern können, wenn die Stadt rechtzeitig eine Filteranlage gebaut hätte; die Pläne dafür hätten seit Jahren in irgendeiner Schublade gelegen. Nun wird gebaut, endlich. Ich bin müde, Anna, aber nicht unglücklich. Neulich hat mich der Stationsarzt gefragt, wie ich damals auf das Wasser gekommen sei. Ich habe ihm geantwortet, ich hätte nur zugehört, als ein Polizist mit Fieber von seiner Straße erzählte. Er hat lange nichts gesagt. Dann hat er mich gebeten, im Winter den jungen Schwestern die Regeln der Hygiene beizubringen. Deine Schwester Marie

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1. What did the Senate say at first, according to Marie's first letter?

2. What difference between Hamburg and Altona did Marie notice?

3. How did Head Nurse Hedwig react at first to Marie boiling the water?

4. What does the ward doctor ask Marie to do in the end?