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Short story

Ein Kreisel für Oberwinkel

A local newspaper reports on a Bavarian village council meeting where nobody can agree on what should stand in the middle of a new roundabout.

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Words to know (12)
  • der Kreisel / der Kreisverkehr · roundabout
  • der Gemeinderat · village/town council
  • die Rücklage · reserve (of money), savings
  • der Sprengstoff · explosive (here: an explosive issue)
  • der Unterhalt · upkeep, maintenance
  • plädieren für · to argue for, to plead for
  • das Wahrzeichen · emblem, landmark, symbol
  • die Fassung bewahren · to keep one's composure
  • entgegnen · to reply, to retort
  • sofern · provided that
  • die Gegenstimme · vote against
  • die Einweihung · unveiling, inauguration

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Oberwinkel (Landkreis Cham). Was als kurze Routinesitzung des geplant gewesen war, entwickelte sich am Dienstagabend zu einer fast vierstündigen Debatte, die manche Beobachter bereits als „historisch“ bezeichnen. Gegenstand der Auseinandersetzung: der seit Jahren geforderte an der Kreuzung vor dem Gasthof „Zur Linde“, an der es nach Angaben der Polizei allein im vergangenen Jahr elf kleinere Unfälle gegeben hatte.

Bürgermeister Alois Kammermeier eröffnete die Sitzung mit der Mitteilung, die Finanzierung sei inzwischen gesichert. Der Freistaat übernehme siebzig Prozent der Kosten, den Rest könne die Gemeinde aus ihren bezahlen. Mit dem Bau werde man voraussichtlich im Frühjahr beginnen. Über die Frage, ob man überhaupt einen brauche, müsse daher nicht mehr gesprochen werden. Offen sei lediglich, was in seiner Mitte stehen solle.

Genau diese Frage erwies sich als Gemeinderätin Waltraud Hiendl schlug einen Brunnen vor, der an die frühere Dorfquelle erinnern solle. Der Vertreter der Jugend, der 22-jährige Maximilian Brandl, hielt dagegen, ein Brunnen sei langweilig und teuer im er für eine Skulptur aus Schrott, die von Schülern der örtlichen Mittelschule gestaltet werden könne. Landwirt Georg Pfeffer wiederum erklärte, man solle die Fläche schlicht mit Wildblumen bepflanzen, das sei ökologisch sinnvoll und koste so gut wie nichts.

Gegen halb zehn meldete sich überraschend Theresia Kammermeier zu Wort, die Mutter des Bürgermeisters, die als Zuschauerin in der ersten Reihe saß. Sie habe, so die 81-Jährige, die Diskussion mit wachsendem Erstaunen verfolgt. Jeder rede von Brunnen, Kunst und Blumen, aber niemand erinnere sich an Resi. Im Saal wurde es still. Resi, eine Ziege, war in den Achtzigerjahren das inoffizielle von Oberwinkel gewesen. Sie hatte, wie ältere Bürger bestätigen, jahrelang frei im Dorf gelebt, regelmäßig den Verkehr an eben jener Kreuzung aufgehalten und angeblich sogar einmal einen Bankräuber an der Flucht gehindert, indem sie sich vor sein Auto stellte.

„Solange Resi da war, ist an dieser Kreuzung kein einziger Unfall passiert“, behauptete Theresia Kammermeier. „Die Leute sind langsam gefahren, weil sie Angst um die Ziege hatten.“ Wenn man die Kreuzung wieder sicher machen wolle, brauche man keinen Brunnen, sondern eine Ziege. Ihr Sohn, sichtlich bemüht, die zu wies darauf hin, dass eine lebende Ziege in einem aus Gründen des Tierschutzes nicht in Frage komme. Seine Mutter von einer lebenden Ziege sei nie die Rede gewesen.

Was folgte, war ein Kompromiss, den kaum jemand für möglich gehalten hätte. Maximilian Brandl griff den Vorschlag begeistert auf: Die Schüler könnten Resi aus Schrott nachbauen, in Lebensgröße. Waltraud Hiendl erklärte sich einverstanden, die Ziege aus einem kleinen Brunnen trinke. Und Georg Pfeffer bestand darauf, dass sie auf einer Wildblumenwiese stehen müsse, „denn wo sonst sollte eine Ziege stehen?“ Der Antrag wurde um 23.14 Uhr mit dreizehn zu einer Stimme angenommen.

Die einzige kam vom Bürgermeister selbst. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte er, er habe nichts gegen die Ziege, im Gegenteil. Er habe aber als Kind jeden Morgen versucht, Resi zu füttern, und sei jedes Mal gebissen worden. „Ich weiß halt, wie sie wirklich war“, sagte er und lächelte zum ersten Mal an diesem Abend. Die ist für Juni geplant. Ob die Unfallzahlen tatsächlich sinken werden, bleibt abzuwarten.

Comprehension check

0/4 answered

1. What did the mayor announce at the start of the meeting?

2. Who was Resi?

3. According to Theresia Kammermeier, why were there no accidents while Resi was alive?

4. Why did the mayor vote against the final proposal?