Short story
Die letzte Lotsenfahrt
On his very last night guiding ships through the Kiel Canal, an old pilot sails with the young woman he doubts can replace him.
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Words to know (11)
- lotsen · to pilot, to guide (a ship)
- die Lotsin / der Lotse · (ship's) pilot
- die Beurteilung · assessment, evaluation
- die Widerrede · contradiction, answering back
- wortkarg · taciturn, of few words
- die Ruderanlage · steering gear
- die Böschung · bank, embankment
- auf Grund laufen · to run aground
- die Fahrrinne · shipping channel
- die Schleuse · lock (on a canal)
- sich etwas abschauen · to learn something by watching someone
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Siebenunddreißig Jahre lang hatte Hinrich Jessen Schiffe durch den Nord-Ostsee-Kanal Containerfrachter, Tanker, Kreuzfahrtschiffe mit hell erleuchteten Decks, von denen ihm Passagiere zuwinkten, als wäre er ein Teil der Landschaft. Heute Nacht sollte seine letzte Fahrt sein, ein mit Holz beladener Frachter aus Finnland, die „Saimaa Star“, von Brunsbüttel nach Kiel-Holtenau, knapp hundert Kilometer, acht Stunden. Begleiten würde ihn Aylin Kaya, die junge die seine Stelle übernehmen sollte.
Jessen hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, was er von ihr hielt. Sie sei zweifellos klug, hatte er im Frühjahr in seiner geschrieben, aber zu theoretisch. Sie verlasse sich zu sehr auf Bildschirme und zu wenig auf ihr Gefühl für das Wasser. Ob sie in einer echten Notlage die Nerven behalte, könne er nicht beurteilen. Kaya hatte die gelesen, wie alle im Lotsenhaus, aber sie hatte nie ein Wort darüber verloren. Das hatte ihn, offen gestanden, mehr irritiert als jede
Kurz nach Mitternacht zog Nebel auf. Zuerst nur ein paar Fetzen über den Wiesen, dann eine dichte, graue Wand, in der die Lichter am Ufer verschwanden. Der finnische Kapitän, ein Mann namens Lindqvist, trank schweigend seinen Kaffee. Kaya stand am Radar, Jessen am Fenster, obwohl es draußen nichts mehr zu sehen gab. Alte Gewohnheit.
Bei Kilometer 60, kurz vor der Rendsburger Hochbrücke, fiel die aus. Ein kurzes Rucken, ein Alarmton, und das Schiff begann, langsam nach Steuerbord zu drehen, direkt auf die zu. Jessen spürte, wie ihm kalt wurde. 1998 hatte er an fast derselben Stelle einen Frachter auf laufen sehen, mit einem an Bord, der sein Freund gewesen war. Für ein paar Sekunden, die ihm später wie Minuten vorkamen, stand er nur da und konnte sich nicht bewegen.
Kaya dagegen reagierte sofort. Mit ruhiger, beinahe gelangweilter Stimme ließ sie die Maschine stoppen und dann mit voller Kraft rückwärts laufen, wies den Kapitän an, die Notsteuerung zu aktivieren, und funkte gleichzeitig die Verkehrszentrale an, damit der Gegenverkehr angehalten werde. „Wir haben ungefähr vier Minuten“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Herr Jessen, könnten Sie mal schauen, ob die Leute vorne den Anker klar haben? Nur für den Fall.“ Er ging. Er war froh, etwas zu tun zu haben.
Der Anker wurde nicht gebraucht. Die „Saimaa Star“ kam knapp zwanzig Meter vor der zum Stehen, drehte mit der Notsteuerung langsam zurück in die und setzte ihre Fahrt fort, als wäre nichts geschehen. Lindqvist stellte den Kaffeebecher ab, den er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte, und sagte auf Englisch, das sei die ruhigste die er je erlebt habe.
Um sechs Uhr morgens erreichten sie die in Holtenau. Der Nebel löste sich auf, und am Kai standen, wie es Tradition war, die Kollegen mit einer Flasche Sekt, um Jessens letzte Fahrt zu feiern. Bevor er von Bord ging, nahm er Kaya kurz zur Seite. Er habe da im Frühjahr etwas geschrieben, sagte er, das er gern zurücknehmen würde. Sie lächelte. „Ich weiß. Sie hatten übrigens recht, ich verlasse mich auf Bildschirme.“ Sie zögerte. „Aber das Gefühl fürs Wasser, das habe ich mir bei Ihnen Ich bin zwei Jahre lang mit Ihnen gefahren, falls Sie sich erinnern.“
Auf dem Kai hoben die Kollegen die Gläser auf ihn. Jessen hob seins auf sie.
Comprehension check
0/4 answered
1. What had Jessen written about Kaya in the spring?
2. Why did Jessen freeze when the steering failed?
3. What did Kaya ask Jessen to do during the emergency?
4. What does Kaya reveal at the end?