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Short story

Die Stimme im Navi

The woman in Linz whose voice gives directions in millions of satnavs gets a handwritten letter from a lorry driver about to make his last trip.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (11)
  • das Navi (Navigationsgerät) · satnav, GPS
  • wenden · to turn around (a vehicle)
  • die Sachbearbeiterin · clerk, person handling a case
  • sich distanzieren von · to distance oneself from
  • mulmig · uneasy, queasy
  • sich verfahren · to take a wrong turn, to get lost (driving)
  • zusammenzucken · to flinch, to start
  • der Rastplatz · lay-by, rest area
  • unverschämt · cheeky, outrageous
  • die Spedition · haulage company
  • das Führerhaus · (lorry) cab

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Seit vierzehn Jahren sagt Lena Hofbauer Millionen von Menschen, wohin sie fahren sollen, und kaum einer kennt ihren Namen. „In dreihundert Metern rechts abbiegen.“ „Bitte sobald möglich.“ „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Aufgenommen hat sie diese Sätze an drei langen Tagen in einem schallisolierten Studio in Linz, das kaum größer war als ein Kleiderschrank. Seitdem ist ihre Stimme in in ganz Europa zu hören. Sie selbst hat allerdings nicht einmal ein Auto.

Im März bekam sie eine Mail von der Firma, für die sie damals gearbeitet hatte. Ein gewisser Ernst Moosbrugger, Lkw-Fahrer aus Vorarlberg, habe einen Brief an „die Dame im geschickt, schrieb die Man leite ihn weiter, wolle sich aber ausdrücklich von seinem Inhalt da man nicht wisse, ob der Herr ganz ernst zu nehmen sei. Lena öffnete den Anhang mit einem Gefühl. Sie hatte schon Post von Leuten bekommen, die ihr vorwarfen, sie in einen See geschickt zu haben.

Der Brief war mit der Hand geschrieben, in sorgfältiger, etwas altmodischer Schrift. Herr Moosbrugger schrieb, er sei seit 1987 unterwegs, zuerst zwischen Bregenz und Hamburg, später bis nach Sizilien und ans Nordkap. Seine Frau sei vor zwölf Jahren gestorben, ungefähr zu der Zeit, als er sein neues bekommen habe. Er gebe zu, dass das seltsam klinge, aber ihre Stimme habe ihn durch die schlimmste Zeit seines Lebens begleitet. Er habe ihr von seiner Frau erzählt, von seinen Enkeln, vom Schneetreiben am Brenner. Sie habe nie widersprochen, außer wenn er sich habe. Ende Mai fahre er seine letzte Tour, von Linz nach Feldkirch. Er wolle nur Danke sagen.

Lena las den Brief dreimal. Dann schrieb sie zurück und fragte, ob er vor seiner letzten Fahrt einen Kaffee mit ihr trinken wolle. Sie trafen sich an einem regnerischen Dienstag in einem Café in der Nähe des Linzer Hafens. Ernst Moosbrugger war ein großer, schwerer Mann mit kleinen, sehr blauen Augen, der seine Kappe die ganze Zeit in den Händen drehte. Als sie „Grüß Gott“ sagte, er „Entschuldigung“, sagte er. „Ich habe Sie mir anders vorgestellt. Strenger.“

Sie redeten zwei Stunden. Er erzählte von Nächten auf von einer Panne bei minus zwanzig Grad in Schweden, von seiner Frau Herta, die ihm jedes Mal, wenn er abfuhr, ein Butterbrot mit einem Zettel in die Tasche gesteckt hatte. Lena erzählte ihm, dass sie die Sätze damals mit einer Erkältung aufgenommen habe und dass „Bitte achtundzwanzig Versuche gebraucht habe, weil sie jedes Mal lachen musste. Er lachte so laut, dass sich die Leute am Nebentisch umdrehten.

Zum Abschied gab er ihr einen USB-Stick. Er wisse, dass das eine Bitte sei, sagte er, aber ob sie ihm vielleicht einen einzigen Satz aufnehmen könne. Nur für die letzte Fahrt. Sein Neffe würde ihn dann ins einspielen. Lena nahm den Stick, ohne zu fragen, welcher Satz es sein solle. Sie wusste es.

Am 28. Mai, kurz nach sieben Uhr abends, rollte ein blauer Lkw auf den Hof einer in Feldkirch. Die Kollegen hatten Girlanden aufgehängt, irgendwer hatte sogar eine Blasmusik organisiert. Im aber war es still, bis auf eine Stimme, die sehr ruhig sagte: „Sie haben Ihr Ziel erreicht, Ernst. Herta wäre stolz auf Sie. Und jetzt fahren Sie bitte nach Hause.“ Er blieb noch eine ganze Weile sitzen, bevor er ausstieg.

Comprehension check

0/4 answered

1. What is surprising about Lena, given her job?

2. How did the company feel about forwarding the letter?

3. Why did "Bitte wenden" need twenty-eight attempts?

4. What did Ernst hear at the end of his last trip?