Deep End
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Short story

Der Kollege, den es nicht gab

For four years the complaints department of a haulage firm has blamed every mistake on a colleague who doesn't exist, and now the new head of HR wants to promote him.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • die Reklamationsabteilung · complaints department
  • die Spedition · haulage firm, shipping company
  • unentbehrlich · indispensable
  • die Frist · deadline
  • bewältigen · to cope with, to handle
  • erwägen · to consider
  • geschmacklos · tasteless
  • aufwendig · complicated, elaborate
  • die Abmahnung · formal warning (at work)
  • jemandem etwas zuschieben · to pin something on someone
  • der Sündenbock · scapegoat
  • schiefgehen · to go wrong

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Niemand wusste mehr genau, wer Herrn Krause erfunden hatte. In der einer in Mülheim an der Ruhr behauptete jeder, es sei ein anderer gewesen. Sicher war nur, dass es vor ungefähr vier Jahren angefangen hatte, an einem Freitagnachmittag, als ein wütender Kunde anrief, weil seine Lieferung verschwunden war, und Sabine Özdemir ins Telefon sagte: „Das hat der Kollege Krause bearbeitet, der ist leider gerade nicht am Platz.“

Von da an war Krause Er war schuld an verlorenen Unterlagen, verpassten und dem kaputten Kaffeeautomaten im vierten Stock. Er war immer gerade in einer Besprechung, beim Zahnarzt oder im Urlaub. Mit der Zeit bekam er eine Persönlichkeit: Er fuhr Rennrad, war allergisch gegen Nüsse und hatte ein schwieriges Verhältnis zu seiner Schwiegermutter in Oberhausen. Kollegen aus anderen Abteilungen schickten ihm Geburtstagsgrüße. Martin Weber aus der IT, der das Spiel mit Begeisterung mitspielte, hatte ihm sogar ein E-Mail-Konto eingerichtet, von dem aus abwechselnd alle antworteten.

Außer Kontrolle geriet die Sache erst, als die Firma im Frühjahr eine neue Personalchefin bekam. Dr. Annette Wirtz kam aus München, galt als gründlich und hatte sich vorgenommen, jeden Mitarbeiter persönlich kennenzulernen. Bei der Durchsicht der internen Kommunikation stieß sie auf einen Namen, der in den vergangenen zwölf Monaten in über dreihundert E-Mails vorkam, meistens im Zusammenhang mit Problemen, die anschließend auf wundersame Weise gelöst worden waren. Sie war beeindruckt. Ein Mann, der so viele Krisen verdiene eine Beförderung.

Die Einladung kam per E-Mail an das Konto, das Martin eingerichtet hatte: Herr Krause möge sich am Montag um zehn Uhr bei ihr melden, es gehe um eine Stelle als Teamleiter. In der herrschte am Freitag die Stimmung eines Krisenstabs. Man alles. Man könne Krause krankmelden. Man könne ihn kündigen lassen. Man könne ihn, schlug jemand vor, auch sterben lassen, was Sabine und Martin technisch zu fand.

Am Ende war es Sabine, die beschloss, die Sache selbst zu klären. Am Montag um zehn klopfte sie an die Tür der Personalchefin, setzte sich, holte tief Luft und erklärte alles: das Telefonat vor vier Jahren, das Rennrad, die Schwiegermutter, die dreihundert E-Mails. Sie rechnete mit einer wenn nicht mit Schlimmerem. Es sei ihr allerdings wichtig zu betonen, fügte sie hinzu, dass es nie darum gegangen sei, Kunden zu betrügen. Die Probleme seien ja tatsächlich gelöst worden, nur eben nicht von Herrn Krause.

Dr. Wirtz hörte schweigend zu. Dann wollte sie wissen, wer die Probleme denn gelöst habe. Sabine zögerte. Meistens sie selbst, gab sie schließlich zu, manchmal Martin, gelegentlich alle zusammen. Es sei einfach angenehmer gewesen, einen Fehler einem Mann den es nicht gab, als lange zu fragen, wer ihn wirklich gemacht habe. So habe niemand Angst haben müssen, und alle hätten mitgeholfen.

Die Personalchefin lehnte sich zurück und schwieg so lange, dass Sabine schon fürchtete, gleich ihre Sachen packen zu müssen. „Wissen Sie, was ich in meiner letzten Firma hatte?“, sagte Dr. Wirtz schließlich. „Dreißig echte Mitarbeiter, die sich alle gegenseitig die Schuld gaben. Sie dagegen haben eine Abteilung, die einen erfundenen braucht, um offen über Fehler reden zu können. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was davon schlimmer ist.“

Die Stelle als Teamleiterin bekam Sabine Özdemir. Herr Krause wurde nicht entlassen. Sein E-Mail-Konto existiert bis heute, und wenn in der etwas ist nach wie vor er schuld. Im Juni bekam er zum Geburtstag sogar eine Karte von der Personalchefin.

Comprehension check

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1. How did "Herr Krause" come into existence?

2. Why did the new head of HR want to promote Krause?

3. Who had really been solving the problems?

4. What happened in the end?