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Short story

Der Fuchs, der Bürgermeister werden wollte

A fable from the Lüneburg Heath: a smooth-talking fox runs for mayor of a farmyard and promises the hens he will guard them day and night.

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Words to know (12)
  • die Obrigkeit · authority, those in power
  • schlichten · to settle (a dispute)
  • der Marder · marten
  • unhaltbar · intolerable, untenable
  • dreist · bold, cheeky
  • hingerissen · enchanted, carried away
  • Wache halten · to keep watch
  • die Satzung · statutes, set of rules
  • überfliegen · to skim (a text)
  • die Amtskette · chain of office (worn by a mayor)
  • sich berufen auf · to appeal to, to invoke
  • sich winden · to wriggle

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Auf einem Hof am Rand der Lüneburger Heide lebten die Tiere seit jeher ohne und es ging ihnen nicht schlecht damit. Die Kühe kümmerten sich um die Kühe, die Schafe um die Schafe, und wenn es Streit gab, ihn die alte Graugans Adelheid, die schon so lange auf dem Hof lebte, dass sich niemand an die Zeit vor ihr erinnerte. Nur der der nachts gelegentlich ein Ei stahl, sorgte für Unruhe, vor allem im Hühnerstall.

Eines Morgens im Frühling erschien ein Fuchs am Zaun, in einem Fell, das so glänzte, als hätte er es für den Anlass bürsten lassen. Er stellte sich als Reinhold vor und hielt eine Rede. Der Hof, sagte er, brauche endlich einen Bürgermeister, jemanden mit Erfahrung und Tatkraft. Die Zustände im Hühnerstall seien der werde immer und die Gans sei zwar verdient, aber leider nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Er selbst kenne sich mit bestens aus. Er sei, wenn man so wolle, vom Fach.

Die Hühner waren Noch nie hatte jemand so lange und so schön über ihre Sorgen gesprochen. Reinhold versprach jeder Henne einen eigenen Nistplatz, mehr Körner und vor allem Sicherheit. Er werde, so kündigte er an, persönlich jede Nacht im Stall halten. Als ein junger Hahn schüchtern fragte, ob Füchse nicht eigentlich Hühner fräßen, lachte Reinhold herzlich. Das seien Vorurteile aus einer längst vergangenen Zeit, erklärte er, und er sei enttäuscht, sie ausgerechnet hier zu hören.

Die Schafe fanden ihn sympathisch, die Kühe fanden ihn unwichtig, und die Hühner wollten ihn um jeden Preis. Nur Adelheid schwieg tagelang, was alle beunruhigte, weil Adelheid sonst nie schwieg. Dann, kurz vor der Wahl, bat sie um das Wort. „Ich werde nicht gegen Reinhold antreten“, sagte sie. „Ich bin alt, und vielleicht hat er ja recht. Aber ein so wichtiges Amt braucht eine Ich schlage vor, dass wir uns eine geben.“

Die war kurz, und niemand las sie genau, auch nicht der Fuchs, der sie nur weil er sich längst als Sieger sah. Darin stand, dass der Bürgermeister dem Hof Tag und Nacht zur Verfügung stehen müsse, dass er seinen Amtssitz in der Mitte des Hofes zu nehmen habe und dass er, wie es sich gehöre, bei der Ausübung seines Amtes stets die trage. Reinhold unterschrieb mit einem schwungvollen Pfotenabdruck. Eine dachte er, würde ihm gut stehen.

Er gewann die Wahl mit großer Mehrheit. Am Abend führten ihn Adelheid und die Kühe feierlich zu seinem Amtssitz. Es war die alte Hundehütte neben dem Bauernhaus, frisch gestrichen, mit einem Schild über dem Eingang: „Rathaus“. Daran befestigt war eine lange, schwere, glänzend polierte Kette mit einem Halsband. Der Hofhund, der im Winter gestorben war, brauchte sie nicht mehr.

Reinhold protestierte, er sich auf die Würde des Amtes und auf die Menschenrechte, die für Füchse allerdings nur bedingt gelten. Die Kühe hielten ihn sanft fest, während Adelheid mit dem Schnabel das Halsband schloss. Ein Bürgermeister, der sich nicht an seine eigenen Regeln halte, sei kein Bürgermeister, sagte sie freundlich, sondern nur ein Fuchs. Er habe doch Tag und Nacht für den Hof da sein wollen. Nun könne er es. Die Hühner gackerten so laut, dass der Bauer im Haus das Licht anmachte.

Man erzählt, Reinhold habe sich noch in derselben Nacht aus dem Halsband und sei nie wieder in der Heide gesehen worden. Der übrigens auch nicht. Wahrscheinlich, meinte Adelheid, hätten die beiden sich ohnehin gekannt. Und die Moral, falls eine nötig ist: Wer verspricht, dich Tag und Nacht zu beschützen, den nimm beim Wort.

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1. What was the fox's main argument for becoming mayor?

2. What did Adelheid do before the election?

3. What turned out to be the mayor's "Amtssitz" and "Amtskette"?

4. What is the moral of the fable?