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Short story

Der Mann, der Sonnabend sagte

When a bakery chain in Hesse is blackmailed by an anonymous caller, the police turn to a Marburg dialect expert who listens not to what he says, but how.

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Words to know (12)
  • erpressen · to blackmail
  • der Erpresser · blackmailer
  • der Glassplitter · splinter of glass
  • der letzte Strohhalm · the last hope (literally "the last straw" one clutches at)
  • bemüht · carefully, with effort
  • verraten · to give away, to betray
  • die Vermutung · guess, assumption
  • der Übergabeort · drop-off point (for a handover)
  • ausscheiden · to be ruled out
  • die Vernehmung · police questioning, interview
  • sich wehren · to resist, to fight back
  • der Weck · bread roll (in parts of Hesse and the south-west)

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Dr. Ilse Brückner hatte dreißig Jahre ihres Lebens damit verbracht, Menschen beim Sprechen zuzuhören, und zwar nicht darauf, was sie sagten, sondern wie. Am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg galt sie als die Frau, die einem nach drei Sätzen sagen konnte, in welchem Tal man aufgewachsen war. Auf Partys erzählte sie das nicht mehr, weil die Leute dann nur noch flüsterten.

An einem Donnerstag im November saß Kriminalhauptkommissar Benedikt Oswald aus Gießen in ihrem Büro, einen Laptop auf den Knien. Die Bäckereikette Sander, mit über vierzig Filialen in Mittelhessen, werde erklärte er. Ein Anrufer fordere 200.000 Euro und drohe, andernfalls in Brötchen zu verstecken. Es gebe drei Anrufe, alle von Prepaid-Handys, und keine brauchbaren Spuren. „Wir hoffen, dass Sie uns irgendwas sagen können“, sagte Oswald. „Ehrlich gesagt sind Sie unser letzter

Die Stimme auf der Aufnahme war tief und neutral. Der Mann sprach langsam, wie jemand, der sich fest vorgenommen hat, keinen Dialekt zu Ilse Brückner hörte sich die Anrufe neunmal an, mit geschlossenen Augen. Dann nahm sie einen Bleistift. „Erstens“, sagte sie, „er sagt Sonnabend. Das sagt man im Norden und Osten, hier bei uns kaum. Zweitens: Hören Sie mal, was passiert, als er wütend wird.“ Sie spielte die Stelle ab. „Das ist kein Spaß, gell?“, sagte die Stimme. Brückner lächelte. „Gell. Das sagt in Rostock niemand.“

Oswald runzelte die Stirn. „Also was denn nun? Norden oder Hessen?“ „Beides“, sagte Brückner. „Jemand, der hier aufgewachsen ist und dann lange im Norden oder Osten gelebt hat. Die Kindheit man mit der Aussprache, das spätere Leben mit den Wörtern.“ Sie habe außerdem den Eindruck, fügte sie hinzu, dass er nicht viel älter als fünfzig sei, aber das sei eine keine Wissenschaft.

Im dritten Anruf nannte der den Das Geld solle am Sonnabend um sechs Uhr „hinter der Kirsche in Atzbach“ liegen. Die Polizei hatte bereits zwei Tage damit verbracht, in dem kleinen Ort einen geeigneten Kirschbaum zu finden. Ilse Brückner lachte zum ersten Mal an diesem Nachmittag. „Er meint die Kirche“, sagte sie. „Im Mittelhessischen klingt das ch nach einem i oft wie sch. Wenn er nervös ist, kommt das durch. Ihr Mann ist garantiert hier in der Gegend groß geworden.“

Mit diesem Profil ging die Polizei die Liste der ehemaligen Mitarbeiter der Bäckerei durch. Ein Verdächtiger, den man zunächst für sehr wahrscheinlich gehalten hatte, schnell aus: Er stammte aus Bayern und sagte in der dreimal Samstag. Dann stieß man auf einen Fahrer, 51 Jahre alt, geboren in Wetzlar, der zwanzig Jahre in Rostock gelebt hatte und vor einem halben Jahr bei Sander entlassen worden war, nach eigener Aussage ohne jeden Grund.

Am Sonnabend wartete ein Einsatzkommando hinter der Kirche von Atzbach. Der Mann kam pünktlich und sich nicht. Bei der wollte er vor allem eines wissen: wie man ihn gefunden habe. Er habe doch extra Hochdeutsch gesprochen. Oswald legte ihm einen Zettel hin, auf den Ilse Brückner ein einziges Wort geschrieben hatte: „Kirsche“.

Ein paar Wochen später kam im Sprachatlas ein Paket an, ohne Absender, nur mit einem Gießener Poststempel. Darin lag eine große Tüte Brötchen. Auf der beigelegten Karte stand: „Mit herzlichem Dank von der Familie Sander. Bei uns heißen die übrigens

Comprehension check

0/4 answered

1. What did the caller threaten to do?

2. What did Dr. Brückner conclude about the caller?

3. Why had the police been looking for a cherry tree?

4. Why was one suspect quickly ruled out?