Opinion column
Unser Auto wohnt jetzt nebenan
A father in Essen takes stock of his family's first year without a car and finally admits why they really sold it.
Tap a dotted word for its meaning.
Words to know (12)
- die Delle · dent
- umstritten · disputed, controversial
- die Bilanz · assessment, taking stock
- verschweigen · to keep quiet about
- der Mangel · defect, fault
- überbrücken · to bridge (a period of time)
- auf der Hand liegen · to be obvious
- beträchtlich · considerable
- unterstellen · to attribute to, to insinuate
- gestehen · to confess
- das Geschick · skill
- inkonsequent · inconsistent
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Vor genau einem Jahr haben wir unser Auto verkauft, einen silbernen Kombi, Baujahr 2011, mit einer in der Beifahrertür, deren Herkunft in unserer Familie bis heute ist. Seitdem werde ich auf Geburtstagen behandelt wie jemand, der einer Sekte beigetreten ist. Freunde fragen besorgt, ob es uns finanziell gut gehe. Mein Schwiegervater behauptet, ohne Auto sei man im Ruhrgebiet kein vollständiger Mensch. Zeit für eine
Zunächst die Wahrheit, die ich bisher habe: Es war kein ökologisches Erwachen. Der TÜV hatte uns eine Liste von überreicht, deren Reparatur mehr gekostet hätte, als der Wagen noch wert war. Wir wollten eigentlich nur ein paar Monate bis wir einen anderen Gebrauchtwagen gefunden hätten. Aus den paar Monaten ist ein Jahr geworden.
Die Vorteile liegen auf der auch wenn man sie erst bemerkt, wenn man sie erlebt. Wir sparen nach meiner Rechnung rund 280 Euro im Monat, Versicherung, Steuer, Benzin und Werkstatt eingerechnet. Ich suche in Rüttenscheid keinen Parkplatz mehr, was mir pro Woche geschätzt drei Stunden und einen Teil meines unanständigen Wortschatzes erspart. Unsere Kinder, acht und elf, fahren inzwischen allein mit der Straßenbahn zum Schwimmen, und meine Tochter erklärt Touristen am Hauptbahnhof mit großer Autorität, welche Linie wohin fährt.
Ich will allerdings nicht so tun, als wäre alles einfacher geworden. Der Wocheneinkauf ist zu einer logistischen Operation geworden, für die wir ein geliehenes Lastenrad, zwei Rucksäcke und einen Plan brauchen. Der Besuch bei der Oma im Sauerland dauert mit Bus und Bahn dreieinhalb Stunden statt einer, sofern der Regionalexpress fährt, was nicht immer der Fall ist. Und wer einmal mit einem Kinderbett aus dem Möbelhaus in der Straßenbahn gesessen hat, weiß, wie viel die Blicke anderer Fahrgäste aussagen können.
Trotzdem würde ich die Entscheidung heute wieder treffen, wenngleich aus anderen Gründen als denen, die man mir Mir geht es weniger um das Klima, so wichtig es ist, als um etwas, das ich unterschätzt hatte: Wir sind als Familie langsamer geworden, und das tut uns gut. Auf dem Weg zur Oma spielen wir Karten. Im Auto haben wir uns früher hauptsächlich darüber gestritten, wer vorne sitzen darf.
Ich muss allerdings noch etwas das meinem Schwiegervater Freude bereiten wird. Unseren alten Kombi hat damals unser Nachbar gekauft, Herr Yilmaz, der ihn mit großem selbst repariert hat. Er steht jetzt vor unserem Haus, mit derselben Und ein- oder zweimal im Monat, wenn es um Getränkekisten geht oder um einen Ausflug an den Baldeneysee mit viel Gepäck, klingele ich bei Herrn Yilmaz und leihe mir unser Auto aus.
Man könnte das nennen. Ich nenne es die vernünftigste Form des Carsharings, die mir je begegnet ist: Herr Yilmaz zahlt die Steuer, ich bringe ihm jedes Mal einen Kuchen meiner Frau mit, und unsere Kinder haben in seinen Enkeln neue Freunde gefunden. Fragt man meine Tochter, ob sie das Auto vermisse, sagt sie übrigens, wir hätten doch eins. Es wohne nur nebenan.
Comprehension check
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1. What was the real reason the family sold the car?
2. Which disadvantage of life without a car does the author mention?
3. What does the author see as the main benefit?
4. What does the author confess at the end?