Short story
Der Ghostwriter
Jonas earns his living in Leipzig writing dating-app messages for other people, until he realises that two of his clients are writing to each other.
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Words to know (12)
- verschweigen · to keep quiet about
- die Diskretion · discretion, confidentiality
- zustande bringen · to manage to produce
- der Impfpass · vaccination record
- stutzen · to stop short, to be puzzled
- einen Ton anschlagen · to strike a tone
- der Spickzettel · cheat sheet, crib
- holprig · clumsy, bumpy
- die Qual · agony, torment
- eingreifen · to step in, to intervene
- gestehen · to confess
- die Schublade · drawer
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Jonas Petzold hatte Germanistik studiert, zwei Romane angefangen und keinen davon beendet. Sein Geld verdiente er seit einem Jahr mit einer Tätigkeit, die er auf Partys lieber Er schrieb Liebesnachrichten für andere. Wer auf einer Dating-App nicht wusste, was er schreiben sollte, konnte ihn über eine schlichte Webseite buchen, dreißig Euro pro Nachricht, garantiert. Seine Kunden waren erstaunlich normal: Zahnärzte, Lehrerinnen, ein Polizist aus Halle, der angeblich nur „ein bisschen Hilfe beim Anfang“ brauchte.
Im März meldeten sich innerhalb einer Woche zwei neue Kunden. Kai, ein Straßenbahnfahrer aus Connewitz, schrieb, er sei bei Frauen „eher der stille Typ“ und bringe am Bildschirm keinen vernünftigen Satz Kurz darauf buchte ihn Sabine, eine Tierärztin aus Gohlis, die offen zugab, ihre bisherigen Nachrichten seien „so romantisch wie ein Jonas nahm beide Aufträge an, ohne sich viel dabei zu denken.
Dass etwas nicht stimmte, merkte er erst nach zehn Tagen. Kai schickte ihm die neueste Nachricht seiner Bekanntschaft, damit Jonas eine passende Antwort formuliere. Jonas las sie und Den Satz über den Nebel am Cospudener See, der aussehe, als hätte jemand vergessen, den Himmel fertig zu malen, kannte er. Er hatte ihn selbst geschrieben, am Abend zuvor, für Sabine.
Er saß lange vor seinem Laptop. Er führte also seit anderthalb Wochen einen Briefwechsel mit sich selbst, und zwar einen ziemlich guten. Die beiden Menschen, die dafür bezahlten, hatten sich in einen Ton verliebt, den keiner von ihnen je selbst hatte. Schlimmer noch: Beide wollten sich inzwischen treffen. „Was sag ich denn bloß, wenn wir uns gegenübersitzen?“, hatte Kai gefragt. Sabine wollte wissen, ob Jonas ihr nicht einfach einen kleinen schreiben könne.
Ehrlich wäre es gewesen, beiden alles zu erzählen. Bequem wäre es gewesen, einfach weiterzuschreiben. Jonas entschied sich für einen dritten Weg, von dem er selbst nicht wusste, ob er klug war. Er schickte beiden dieselbe Nachricht: Er werde ab sofort nichts mehr für sie formulieren. Wenn sie sich treffen wollten, sollten sie es tun, aber mit ihren eigenen Worten, so diese auch sein mochten. Das Geld für die letzte Woche überwies er zurück.
Am Samstag darauf saß er, eine Zeitung vor dem Gesicht wie ein schlechter Detektiv, in einem Café am Markt, zwei Tische von dem Platz entfernt, den die beiden vereinbart hatten. Kai kam zu früh, Sabine zu spät. Die ersten Minuten waren eine Kai erzählte von Fahrplänen, Sabine von einem Meerschweinchen mit Zahnproblemen. Von Nebel und unfertigem Himmel war keine Rede. Jonas hätte am liebsten
Dann sagte Sabine plötzlich: „Darf ich was Die Nachrichten hab ich gar nicht selbst geschrieben.“ Kai wurde rot, starrte in seinen Kaffee und lachte dann so laut, dass sich die Leute umdrehten. „Ich auch nicht“, sagte er. „Ich hab jemanden dafür bezahlt.“ – „Ich doch auch!“ Sie sahen sich an, und zum ersten Mal an diesem Nachmittag schienen sie sich tatsächlich zu sehen. Jonas faltete leise seine Zeitung zusammen und ging, bevor einer von ihnen auf die Idee kam, sich umzuschauen.
Drei Monate später bekam er eine kurze Nachricht von Kai: „Wir sind jetzt zusammen. Sabine sagt du warst gut aber wir sind besser. Ab jetzt schreiben wir selber auch wenn es nicht so schön klingt.“ Jonas las die Zeilen zweimal. Es fehlten drei Kommas, und es gab keine einzige Metapher, und trotzdem war es, fand er, das Beste, was er seit Langem gelesen hatte. Am selben Abend holte er einen seiner unvollendeten Romane aus der
Comprehension check
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1. How does Jonas earn his money?
2. How does Jonas realise that Kai and Sabine are writing to each other?
3. What does Jonas decide to do?
4. Why does Kai's last message mean so much to Jonas?