Short story
Die erste Landsgemeinde
Appenzell, April 1991: a woman remembers the day her 78-year-old grandmother voted for the first time, carrying her late husband's sword.
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Words to know (11)
- die Landsgemeinde · open-air assembly where citizens vote by show of hands
- die Tracht · traditional costume
- der Degen · sword
- der Stimmausweis · voting card
- verweigern · to refuse, to deny
- vereinbar mit · compatible with
- empört · outraged
- das Frauenstimmrecht · women's right to vote
- jemandem etwas übelnehmen · to hold something against someone
- wagen · to dare
- durchsetzen · to push through, to get one's way
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Am letzten Sonntag im April 1991 stand meine Großmutter um fünf Uhr morgens auf, obwohl die erst um die Mittagszeit begann. Ich war damals neunzehn und hatte bei ihr in Appenzell übernachtet, weil ich dabei sein wollte, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben abstimmte. Sie war achtundsiebzig Jahre alt. Als ich in die Küche kam, saß sie schon fertig angezogen am Tisch, in ihrer die Hände im Schoß, und vor ihr lag der meines Großvaters.
Man muss dazu wissen, dass die Männer im Kanton Appenzell Innerrhoden seit Jahrhunderten mit einem oder einem Seitengewehr zur gehen. Der ist ihr Wer ihn trägt, darf auf dem Platz mit erhobener Hand über die Angelegenheiten des Kantons entscheiden. Frauen durften das nicht. Noch im Jahr zuvor hatten die Männer ihnen das Stimmrecht zum dritten Mal Erst im November hatte das Bundesgericht in Lausanne entschieden, das sei mit der Verfassung nicht Viele Innerrhoder Männer, so schrieben die Zeitungen, seien dass „die in Lausanne“ ihnen das vorschrieben.
Mein Großvater war einer von ihnen gewesen. Er hatte bei allen drei Abstimmungen gegen das die Hand gehoben, und meine Großmutter hatte jedes Mal am Rand des Platzes gestanden, bei den Zuschauerinnen. Ich hatte sie einmal gefragt, ob sie ihm das nicht habe. Sie hatte nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, er sei ein guter Mann gewesen, nur eben ein Innerrhoder. Er war im Oktober 1990 gestorben, wenige Wochen vor dem Urteil.
„Wozu brauchst du den fragte ich. „Frauen brauchen doch nur den Sie nickte. Den Ausweis habe sie in der Tasche. Den nehme sie trotzdem mit. Mehr sagte sie nicht, und ich nicht weiterzufragen.
Der Landsgemeindeplatz war voller als je zuvor. Fernsehteams aus halb Europa standen auf den Dächern, und unter den Männern im Ring gab es manche, die die Frauen neben sich nicht ansahen. Meine Großmutter stellte sich in die Mitte, zwischen zwei Bauern, die sie seit fünfzig Jahren kannte. Sie trug den nicht am Gürtel wie die Männer, sondern unter dem Arm, so wie man einen Regenschirm trägt.
Abgestimmt wurde an diesem Tag über eher unspektakuläre Dinge: die Staatsrechnung, einen Kredit für eine Straße, die Wahl eines Richters. Doch bei jeder Frage hob meine Großmutter die Hand so hoch, als wolle sie etwas vom obersten Regal holen. Beim Straßenkredit stimmte sie dagegen. Hinterher erklärte sie mir, die Straße führe ohnehin nur zum Hof der Gähwilers, und die hätten sie 1959 nicht zur Hochzeit eingeladen.
Erst auf dem Heimweg sagte sie etwas über den Ihr Mann, erzählte sie, habe ihr im Krankenhaus, wenige Tage vor seinem Tod, gesagt, sie solle ihn mitnehmen, falls „die in Lausanne“ es doch Er habe sich geirrt, all die Jahre, das habe er ihr gesagt, aber vor den anderen Männern hätte er das niemals zugegeben. „Also habe ich ihn mitgenommen“, sagte sie. „Damit er wenigstens einmal richtig abstimmt.“
Heute hängt der in meinem Flur. Jedes Jahr im April trage ich ihn zur unter dem Arm, so wie man einen Regenschirm trägt.
Comprehension check
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1. Why was this Landsgemeinde special for the grandmother?
2. What role does the sword traditionally play at the Landsgemeinde?
3. Why did she vote against the road credit?
4. Why did she bring her husband's sword?