Reportage
Ein Dorf kauft seine Kneipe
A report from a tiny village in the Altmark, where the residents tried to raise the money to buy back their only pub before an investor turned it into holiday flats.
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Words to know (12)
- selbstverständlich · taken for granted, a matter of course
- der Nachfolger · successor
- sich vertragen · to get along, to make up
- der Mitstreiter · fellow campaigner
- die Genossenschaft · cooperative
- der Anteil · share
- die Frist · deadline
- das Hausverbot · ban from a place
- begleichen · to settle (a bill or debt)
- der Deckel · beer mat; here: the tab ("auf dem Deckel" = on the tab)
- ehrenamtlich · on a voluntary basis, unpaid
- der Tresen · bar, counter
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Wer an einem Freitagabend durch Wollenthin fährt, ein Dorf mit 312 Einwohnern im Norden der Altmark, sieht zuerst nur Felder, eine Feldsteinkirche und eine Bushaltestelle, an der zweimal am Tag ein Bus hält. Und dann, an der Ecke zur Dorfstraße, ein Fenster, hinter dem Licht brennt. „Zum Krug“ steht in alten Buchstaben über der Tür. Dass hier wieder Licht brennt, ist alles andere als
Drei Jahre lang war der Krug geschlossen. Renate Behrens, die ihn 41 Jahre lang geführt hatte, ging mit 71 in Rente, einen fand sie nicht. Das Gebäude sollte verkauft werden, ein Investor aus Berlin wollte Ferienwohnungen daraus machen. „Da habe ich gemerkt, dass einem Dorf ohne Kneipe nicht nur ein Ort zum Trinken fehlt“, sagt Mareike Lorenz, 34, die nach zehn Jahren in Hamburg zurückgekommen ist. „Es fehlt der Ort, an dem man sich streitet und wieder
Lorenz, von Beruf Steuerfachangestellte, rechnete nach. Für 85.000 Euro hätte das Dorf das Haus selbst kaufen können. Sie gründete mit zwölf eine ein kostete 250 Euro. Die Skepsis war groß. Bei der ersten Versammlung im Gemeindehaus habe ein Landwirt gefragt, ob man in Hamburg verlernt habe, wie viel Geld die Leute hier verdienten, erzählt sie und lacht. Trotzdem kamen nach drei Monaten 61.000 Euro zusammen: von Rentnern, von jungen Familien, von Leuten, die längst weggezogen waren.
Es fehlten aber noch 24.000 Euro, und der Investor wurde ungeduldig. Mitte Dezember, zwei Tage vor Ablauf der kam ein Umschlag ohne Absender. Darin lagen ein Verrechnungsscheck über genau diesen Betrag und ein handgeschriebener Zettel. Der Verfasser schrieb, er habe im Sommer 1987 im Krug bekommen, nachdem er nach einer Hochzeit eine Fensterscheibe eingeschlagen habe. Er habe damals außerdem eine offene Rechnung hinterlassen. Beides wolle er nun Zinsen inklusive.
Renate Behrens, die heute im Vorstand der sitzt, musste nicht lange überlegen, wer das gewesen sein könnte. „Das war der Hartmut“, sagt sie. „Der hatte damals achtzehn Bier auf dem Die Scheibe hat sein Vater bezahlt, aber reinkommen durfte er nicht mehr. Ich war streng.“ Hartmut, so viel ist inzwischen bekannt, lebt seit Jahrzehnten in Süddeutschland und hat dort eine Firma für Landmaschinen aufgebaut. Ein Gespräch mit der Presse lehnte er ab.
Seit dem Frühjahr ist der Krug nun wieder geöffnet, dreimal in der Woche, betrieben. Es gibt Bier vom Fass, Soljanka und, freitags, Bratkartoffeln. Mittwochs treffen sich hier die Strickgruppe und der Skatverein, manchmal am selben Tisch. Der Umsatz reiche gerade, um die laufenden Kosten zu decken, sagt Lorenz, Gewinn mache man keinen. Aber darum sei es ja auch nie gegangen.
An der Wand hinter dem hängt seit der Eröffnung ein gerahmter von 1987 mit achtzehn Strichen, den Renate Behrens all die Jahre in einer Schublade aufbewahrt hatte. Darunter steht in ihrer Handschrift: „Bezahlt. aufgehoben.“ Ob Hartmut die Einladung annimmt, weiß niemand. Sein alter Platz am Fenster jedenfalls wird freigehalten.
Comprehension check
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1. What did the investor from Berlin want to do with the pub?
2. How did the villagers raise most of the money?
3. Why had the anonymous donor been banned from the pub?
4. What hangs behind the bar today?