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Short story

Krampusnacht in Gastein

A young bank clerk in the Gastein valley thinks her colleague is the most boring man in Austria, until the Krampus comes to visit her frightened little daughter.

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Words to know (12)
  • der Pullunder · sleeveless sweater, tank top
  • die Ablage · filing
  • referieren (über) · to give a talk, to lecture (on)
  • das Lineal · ruler (for drawing lines)
  • abheften · to file (papers in a folder)
  • unfolgsam · disobedient, naughty
  • der Brauch · custom, tradition
  • der Bischofsstab · bishop's crook
  • rasseln · to rattle
  • zottelig · shaggy
  • erstarren · to freeze (with shock)
  • der Schalter · counter (in a bank or post office)

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Melanie Gruber arbeitete seit dem Sommer in der kleinen Bankfiliale in Bad Hofgastein, und nach drei Monaten hatte sie ihren Kollegen Bernhard Steiner in eine Schublade gesteckt, aus der er nicht mehr herauskam. Bernhard war einundvierzig, trug jeden Tag einen grauen aß um Punkt zwölf ein Käsebrot und schrieb sämtliche Notizen in einer winzigen, ordentlichen Schrift, die aussah wie gedruckt. Er sprach wenig, lachte selten und hatte einmal zehn Minuten lang über die korrekte von Überweisungsbelegen Bei ihrer Schwester nannte Melanie ihn nur „das

Anfang Dezember fragte sie ihn aus reiner Höflichkeit, ob er zum Krampuslauf gehe. In Gastein ist das keine Kleinigkeit: In den Tagen um den fünften Dezember ziehen Gruppen von Krampussen mit geschnitzten Holzmasken, Fellen und schweren Glocken durchs Tal, begleitet vom Nikolaus, und besuchen die Häuser, in denen Kinder wohnen. Bernhard sah nicht von seinem Bildschirm auf. „Ich schau's mir vielleicht an“, sagte er. Melanie war sicher, dass er an diesem Abend zu Hause sitzen und seine Kontoauszüge würde.

Ihre Tochter Lena war fünf und hatte schon seit Tagen Angst. Im Kindergarten erzählte man sich, der Krampus stecke Kinder in seinen Korb und nehme sie mit. Melanie, die in Linz aufgewachsen war und den nur aus dem Fernsehen kannte, hatte ihr dreimal erklärt, dass das nicht stimme, doch ihre Erklärungen klangen selbst in ihren eigenen Ohren nicht besonders überzeugend. Am Abend des fünften Dezember hörten sie die Glocken schon von Weitem.

Der Nikolaus kam als Erster herein, mit und weißem Bart, gefolgt von zwei Krampussen, die so groß waren, dass sie sich unter dem Türrahmen bücken mussten. Ihre Masken hatten Hörner, gelbe Glasaugen und lange, rote Zungen. Lena verschwand hinter dem Sofa. Der größere der beiden Krampusse kurz mit seiner Kette, dann ging er langsam in die Knie, bis sein schreckliches Gesicht auf der Höhe der Sofalehne war, und wartete. Einfach nur das. Er wartete.

Nach einer langen Minute schaute Lena hervor. Der Krampus streckte ihr eine Hand in einem Fellhandschuh hin, darin lag eine Mandarine. Lena nahm sie, ohne den Blick von den gelben Augen zu lassen. Dann schlug der Nikolaus sein goldenes Buch auf und las vor, was Lena im vergangenen Jahr gut und was sie weniger gut gemacht habe: dass sie ihr Zimmer nie aufräume, aber jeden Tag die Katze der Nachbarin füttere. Melanie hatte die Notizen ein paar Tage vorher, wie es üblich ist, an den Brauchtumsverein geschickt.

Als der Nikolaus das Buch zum Abschied kurz auf den Tisch legte, warf Melanie einen Blick hinein und Die Einträge waren in einer winzigen, ordentlichen Schrift geschrieben, die aussah wie gedruckt. Sie sah zu dem großen Krampus hinüber. Unter dem Fell, das bemerkte sie erst jetzt, schaute am Hals ein Stück grauer hervor.

Am nächsten Morgen saß Bernhard Steiner am als wäre nichts gewesen. Melanie legte ihm wortlos eine Mandarine auf die Tastatur. Er sah sie an, und zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, wurde er rot. „Die Maske hat schon meinem Urgroßvater gehört“, sagte er schließlich leise. „Wir laufen seit hundertvierzig Jahren mit. Und ich bin halt der, der die Bücher schreibt. Irgendwer muss ja eine ordentliche Schrift haben.“ Nach einer Pause fügte er hinzu: „Die Kinder, die Angst haben, sind mir eigentlich die liebsten. Bei denen muss man sich nur Zeit lassen.“

Seitdem nennt Melanie ihn nicht mehr das Lena hat zu Weihnachten einen kleinen Krampus aus Holz bekommen, den sie überallhin mitnimmt, und sie fragt jede Woche, wann der Krampus wieder komme. Und in der Filiale liegt seit dem sechsten Dezember jeden Morgen eine Mandarine auf Bernhards Tastatur. Er hat nie gefragt, von wem.

Comprehension check

0/4 answered

1. What did Melanie think of Bernhard at first?

2. Why was Lena afraid of the Krampus?

3. What did the bigger Krampus do when Lena hid behind the sofa?

4. How did Melanie realise who the Krampus was?