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Short story

Die Schnecke von Frauenfeld

A giant bronze snail on the market square of a Swiss town sparks a battle of letters to the editor between a retired teacher and an anonymous reader.

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Words to know (12)
  • die Entschleunigung · slowing down (of the pace of life)
  • der Kunstbanause · philistine (someone with no feeling for art)
  • das Weichtier · mollusc
  • sich nicht lange bitten lassen · not to need asking twice
  • wenngleich · although, even though
  • bezweifeln · to doubt
  • der Kratzbaum · scratching post (for cats)
  • gelassen · calm, unruffled
  • der Gewerbetreibende · small business owner, tradesman
  • einer Sache gerecht werden · to do justice to something, to live up to something
  • die Niederlage · defeat
  • eingestehen · to admit, to concede

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Seit Anfang April steht auf dem Marktplatz von Frauenfeld eine zweieinhalb Meter hohe Schnecke aus Bronze. Die Stadt hat sie für achtzigtausend Franken bei einer jungen Künstlerin aus Winterthur in Auftrag gegeben; sie soll, so heißt es in der offiziellen Mitteilung, „zur im Alltag einladen“. Im „Thurgauer Boten“ löste die Skulptur eine Debatte aus, die die Redaktion nach sechs Wochen für beendet erklären musste. Wir dokumentieren hier die wichtigsten Leserbriefe, leicht gekürzt.

Hansruedi Graf, Lehrer im Ruhestand, schrieb am 8. April: „Ich bin gewiss kein Dass die Stadt jedoch achtzigtausend Franken Steuergeld für ein ausgibt, während sich im Schulhaus Ergaten die Fenster nicht mehr schließen lassen, halte ich für einen Skandal. Wer in dieser Stadt je auf einen Termin beim Bauamt gewartet hat, braucht keine Nachhilfe in Langsamkeit.“

Zwei Tage später antwortete eine Leserin, deren Name der Redaktion bekannt ist: „Was die Fenster angeht, hat Herr Graf zweifellos recht. Trotzdem möchte ich ihm einen Vorschlag machen: Setzen Sie sich doch einmal eine Viertelstunde neben die Schnecke, morgens um sieben, bevor die Geschäfte öffnen. Sollten Sie danach immer noch der Meinung sein, sie sei rausgeworfenes Geld, lade ich Sie zu einem Kaffee ein. Und ich zahle.“

Graf sich nicht lange Am 14. April schrieb er: „Ich nehme die Einladung der anonymen Dame an, ich dass sie mich überzeugen wird. Ich habe mich, wie verlangt, um sieben Uhr neben das Tier gesetzt. Gesehen habe ich einen Kater, der die Skulptur als benutzt, und zwei Tauben, die sie für eine öffentliche Toilette halten. Offenbar ist die Schnecke bei der heimischen Tierwelt deutlich beliebter als bei mir.“

Die Leserin blieb „Immerhin ist Herr Graf hingegangen, was mehr ist, als die meisten Kritiker tun. Er möge es bitte noch einmal versuchen, diesmal ohne Notizblock. Mir ist übrigens aufgefallen, dass er nach seinen fünfzehn Minuten noch weitere zwanzig sitzen geblieben ist. Falls es an der bequemen Bank lag: Auch die hat die Stadt bezahlt.“

In den folgenden Wochen meldeten sich zahlreiche weitere Leser zu Wort. Ein forderte, die Schnecke solle wenigstens Werbung tragen, um ihre Kosten wieder einzuspielen; ein Gymnasiast schlug vor, sie jedes Jahr ein paar Meter weiterzuschieben, damit sie ihrem Wesen werde. Die Debatte, in der es ursprünglich ums Geld gegangen war, drehte sich zunehmend um die Frage, ob sich eine Stadt etwas leisten dürfe, das keinen erkennbaren Nutzen hat.

Am 20. Mai erschien der letzte Brief von Hansruedi Graf, und er klang anders als die vorigen: „Ich muss eine und zwar eine doppelte. Erstens sitze ich seit drei Wochen jeden Morgen bei der Schnecke, angeblich nur, um meine Kritik zu überprüfen. Zweitens habe ich herausgefunden, wer die anonyme Leserin ist. Sie sitzt mir seit achtunddreißig Jahren beim Frühstück gegenüber und hat jeden meiner Briefe gelesen, bevor ich ihn abgeschickt habe. Den Kaffee, liebe Verena, schulde wohl ich dir.“

Unter dem Brief stand ein kurzer Hinweis der Redaktion: Man betrachte die Debatte hiermit als abgeschlossen. Wer das Ehepaar Graf persönlich kennenlernen wolle, finde es werktags gegen sieben Uhr auf der Bank am Marktplatz. Neben der Schnecke.

Comprehension check

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1. What was Hansruedi Graf's main complaint in his first letter?

2. What did the anonymous reader suggest?

3. What had the reader noticed about Graf's first visit?

4. Who turns out to be the anonymous reader?