Short story
Linksherum
Three days before a Viennese ball, an IT technician from Linz who has never danced has to replace his sister's injured partner in the opening, and learn the left-turning waltz from a merciless eighty-two-year-old dance teacher.
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Words to know (12)
- ahnen · to sense, suspect
- der Knöchel · ankle
- der Frack · tailcoat
- mustern · to look someone up and down, scrutinise
- der Takt · bar (of music)
- zur Not · at a pinch, if need be
- schwindlig · dizzy
- die Wade · calf (of the leg)
- scheitern · to fail
- unaufhaltsam · unstoppably
- der Kronleuchter · chandelier
- vergeblich · in vain
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Martin Hörtnagl, einunddreißig, Netzwerktechniker aus Linz, hatte in seinem Leben genau einmal getanzt, auf der Hochzeit seines Cousins, und das auch nur, weil ihn eine Tante mit beiden Händen auf die Tanzfläche gezogen hatte. Als seine Schwester Kathi ihn an einem Mittwochabend im Jänner anrief, er deshalb nichts Gutes. Ihr Tanzpartner, erklärte sie unter Tränen, habe sich beim Skifahren den gebrochen. Am Samstag sei der Ball der Wiener Bibliothekare, sie tanze in der Eröffnung, das Komitee habe zwölf Paare eingeplant und nicht elf. „Du hast genau seine Größe“, sagte sie. „Und der passt dir sicher auch.“
Am Donnerstag um neun Uhr früh stand Martin in einem Tanzsaal im dritten Bezirk vor Frau Kommerzialrat Swoboda, zweiundachtzig, seit sechzig Jahren Tanzlehrerin und, wie Kathi warnte, gefürchteter als jede Finanzprüfung. Frau Swoboda ihn von oben bis unten, so wie man einen Gebrauchtwagen an dem man schon von Weitem einen Unfallschaden vermutet. „Walzer?“, fragte sie. „Ein bisschen“, log Martin. „Aha“, sagte sie. „Dann schauen wir uns das Bisschen einmal an.“
Das Bisschen dauerte acht Der Wiener Walzer, erklärte Frau Swoboda, nachdem sie die Musik abgestellt hatte, sei kein Tanz, sondern eine Haltung. Man drehe sich ununterbrochen, sehr schnell, im Kreis und gleichzeitig im Kreis durch den Saal, wie die Erde um die Sonne. Und das Schwierigste daran sei nicht die Rechtsdrehung, die könne zur jeder Bauer. Das Schwierigste sei der Linkswalzer. „Linksherum“, sagte sie, „trennt sich die Gesellschaft von den Leuten, die nur hingehen.“ Bei der Eröffnung gebe es eine ganze Runde linksherum, vor zweitausend Gästen und dem Fernsehen.
Zwei Tage lang übte Martin, morgens mit Frau Swoboda, abends allein in seinem Hotelzimmer mit einem Bügelbrett als Partnerin. Ihm war seine brannten, und sein Gehirn, das gewohnt war, Probleme in Schritte zu zerlegen, an einem Tanz, der sich weigerte, in Schritte zerlegt zu werden. Irgendwann in der Nacht auf Freitag versuchte er es trotzdem. Er schrieb die Bewegung auf wie ein Programm: drei Zustände, eine Schleife, eine Bedingung für den Richtungswechsel. Dann zählte er nicht mehr „eins, zwei, drei“, sondern dachte in Paketen, die er seinen Füßen schickte.
Am Freitag tanzte er die Linksdrehung zum ersten Mal ohne Fehler. Frau Swoboda sagte nichts, was bei ihr, wie Kathi später behauptete, ungefähr einem Orden entsprach. Dann aber nahm sie ihm seinen Zettel ab, warf einen Blick darauf und zerriss ihn langsam in kleine Stücke. „Morgen“, sagte sie, „denken Sie nicht. Morgen hören Sie zu. Die Musik weiß, wo es hingeht. Sie müssen ihr nur folgen, wie einem guten Navi.“ Martin fand, dass ausgerechnet dieser Vergleich nicht zu ihr passte, und schwieg.
Der Samstag kam, wie Samstage eben kommen, Im Festsaal der Hofburg glänzten die das Orchester stimmte, und Martin stand im geliehenen in der Reihe der Herren und spürte jeden einzelnen seiner Herzschläge. Die Polonaise ging gut, die Rechtsdrehung auch. Dann gab der Tanzmeister das Zeichen für den Linkswalzer, und in Martins Kopf wurde es vollkommen leer. Kein Programm, keine Schleife, keine Bedingung. Nur die Geigen. Und weil ihm sonst nichts einfiel, tat er, was Frau Swoboda gesagt hatte: Er hörte zu.
Hinterher konnte er sich an die Runde kaum erinnern. Kathi behauptete, sie seien das beste Paar gewesen, was Schwestern eben so behaupten. Um Mitternacht, bei der Quadrille, stand plötzlich Frau Swoboda vor ihm, in schwarzem Samt, und fragte, ob der Herr Netzwerktechniker noch einen Walzer frei habe. Sie tanzten linksherum. Am Ende ließ sie ihn los, sah ihn streng an und sprach das Urteil, auf das, wie Martin erst später erfuhr, ganze Generationen von Wiener Schülern gewartet hatten: „Passabel.“
Comprehension check
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1. Why does Kathi need Martin to dance with her?
2. According to Frau Swoboda, what is the hardest part of the Viennese waltz?
3. What does Frau Swoboda do with Martin's notes?
4. What does "Passabel" mean coming from Frau Swoboda?