Short story
Ein Stein vom Himmel
After a fireball lights up the sky over the Allgäu, a retired surveyor and his twelve-year-old granddaughter join hundreds of treasure hunters looking for meteorite fragments, using his old maps instead of their metal detectors.
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Words to know (12)
- taghell · as bright as day
- das Grollen · rumble
- das Bruchstück · fragment
- die Weide · pasture
- der Vermessungsingenieur · surveying engineer
- der Augenzeugenbericht · eyewitness report
- durchkämmen · to comb, search thoroughly
- allmählich · gradually
- die Schmelzkruste · fusion crust (on a meteorite)
- wortkarg · taciturn, of few words
- befürchten · to fear (that something is the case)
- der/die Gelehrte · scholar, scientist
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Es war kurz nach zehn an einem klaren Abend im April, als über dem Allgäu der Himmel wurde. Lea, zwölf, stand mit ihrem Großvater Toni auf dem Balkon seines Hauses in Füssen und sah, wie eine grünlich leuchtende Kugel lautlos nach Südosten zog, in mehrere Stücke zerbrach und hinter dem Säuling verschwand. Erst etwa zwei Minuten später kam ein dumpfes als hätte jemand im Keller einen Schrank umgeworfen.
Am nächsten Morgen war der Feuerball in allen Nachrichten. Ein Astronom erklärte im Radio, es habe sich vermutlich um einen Meteoriten gehandelt, dessen irgendwo in den Wäldern zwischen Füssen und der österreichischen Grenze liegen dürften. Solche Funde seien für die Wissenschaft von großem Wert und für Sammler oft mehr wert als Gold. Bis zum Wochenende waren Hunderte von Schatzsuchern im Ostallgäu unterwegs, mit Metalldetektoren, Drohnen und erstaunlich wenig Respekt vor fremden
Toni hielt nichts von Metalldetektoren. Er war vierzig Jahre lang beim Landratsamt gewesen und vertraute vor allem zwei Dingen: Karten und Geduld. Er sammelte aus der Zeitung und aus dem Internet, trug jeden Beobachtungsort mit Bleistift auf eine Wanderkarte ein und zog Linien, bis sich die meisten in einem kleinen Gebiet trafen, gut drei Kilometer westlich von der Stelle, die die Fachleute angegeben hatten. „Die rechnen mit dem Computer“, sagte er zu Lea. „Ich rechne mit dem Lineal. Mal sehen, wer gewinnt.“
Drei Wochenenden lang suchten sie ohne Ergebnis. Sie Waldränder, Bachbetten und Kuhweiden, sie fanden einen alten Schuh, zwei Hufeisen und eine Menge Steine, die zwar dunkel, aber leider von dieser Welt waren. Lea verlor die Geduld, Toni nicht. Ein echter Meteorit, erklärte er ihr immer wieder, sei schwerer als ein gewöhnlicher Stein und habe eine dünne, schwarze wie ein angebranntes Brötchen.
Am vierten Sonntag, auf einer abgelegenen oberhalb eines Bauernhofs, blieb Lea plötzlich stehen. Im Gras, halb in der Erde, lag ein faustgroßer Stein, schwarz und matt, mit einer Kruste, die tatsächlich aussah wie ein angebranntes Brötchen. Toni kniete sich hin, hob ihn vorsichtig mit einem Taschentuch auf und sagte lange nichts. Dann wog er ihn in der Hand und begann zu lachen. Lea hatte ihn noch nie so lachen hören.
Die Freude dauerte genau bis zum Hof. Der Bauer, ein Mann namens Alois Wechs, stand mit verschränkten Armen vor seinem Stall. Ein Anwalt bestätigte ihnen später am Telefon, was Toni schon hatte: Ein Meteorit, der auf einem Grundstück lande, gehöre nach überwiegender Meinung dem Eigentümer des Grundstücks. Kurz darauf meldete sich auch ein Sammler aus Zürich, der vierzigtausend Euro bot, ohne den Stein überhaupt gesehen zu haben.
Wechs hörte sich alles an, zuckte mit den Schultern und sagte dann den längsten Satz, den die Familie je von ihm hören sollte: „Das Geld brauch ich nicht, ich hab Kühe. Aber das Mädel hat ihn gefunden, und der Alte hat gerechnet. Ich will nur eins: Wenn die dem Stein einen Namen geben, dann nach meinem Hof.“ Meteoriten werden tatsächlich nach dem Ort benannt, an dem sie gefunden werden. Und so liegt der Stein heute als „Wechsenhof“ in einem Forschungsinstitut, und ein kleines Stück davon, kaum größer als ein Fingernagel, liegt auf Leas Schreibtisch.
Später erfuhren sie, dass ihr Fund etwa viereinhalb Milliarden Jahre alt war, älter als jeder Stein auf der Erde. Lea fand das schwer vorstellbar. Toni nicht. „Dann war er also vor allen anderen da“, sagte er. „Wie der Wechs auf seinem Hof.“
Comprehension check
0/4 answered
1. How does Toni try to find the meteorite?
2. According to Toni, how can you recognise a real meteorite?
3. Why does the farmer have a say in what happens to the stone?
4. What is the only thing Alois Wechs wants?