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Short story

Warum ich nicht mehr mähe

A Bielefeld columnist explains why she stopped mowing her front lawn and what happened when the neighbours called the authorities.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • mähen · to mow
  • die Überzeugung · conviction
  • die Reihenhaussiedlung · estate of terraced houses
  • der Löwenzahn · dandelion
  • die Hummel · bumblebee
  • das Unkraut · weeds
  • das Ordnungsamt · public order office (local authority)
  • die Zecke · tick
  • verpflichten zu · to oblige (to do)
  • das Klemmbrett · clipboard
  • belehren · to lecture, to teach a lesson
  • der Vorzug · advantage, merit

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Ich muss Ihnen etwas gestehen, liebe Leserinnen und Leser: Ich habe seit vierzehn Monaten meinen Rasen nicht Nicht aus Faulheit, wie mein Nachbar Herr Dreier vermutet, und auch nicht, weil der Rasenmäher kaputt wäre. Sondern aus Zugegeben, die kam erst, nachdem der Rasenmäher kaputtgegangen war. Aber das ist bei ja häufig so.

Wer in einer im Bielefelder Westen wohnt, weiß, was ein ungemähter Rasen bedeutet. Er ist ein politisches Statement, ob man will oder nicht. In unserer Straße stehen vierzehn Häuser mit vierzehn Vorgärten, und dreizehn davon sehen aus wie Golfplätze. Herr Dreier samstags um neun, Frau Kowalski um zehn, das Ehepaar Hoffmann mit einem kleinen Roboter, der Tag und Nacht leise summend seine Kreise zieht und von den Kindern der Straße Rüdiger genannt wird.

Im ersten Sommer wuchs mein Gras kniehoch. Es kamen Margeriten, Klee, und Pflanzen, deren Namen ich nicht kannte. Es kamen Schmetterlinge, und, wenn man den Kindern glauben darf, ein Igel namens Kevin. Es kamen aber auch Zettel. Der erste, ohne Unterschrift, im Briefkasten: Ob ich krank sei und Hilfe brauche. Der zweite, schon deutlicher: Das verbreite sich in die Nachbargärten. Der dritte war ein Brief vom

Man habe, schrieb das Amt, einen Hinweis erhalten, wonach von meinem Grundstück eine Gefahr ausgehe, etwa durch oder Ratten. Man werde den Zustand prüfen. Ich gebe zu, dass ich nervös war. Zwar gibt es kein Gesetz, das einen zum so viel hatte ich inzwischen recherchiert, doch wer will schon Ärger mit dem Amt? Der Mitarbeiter, der an einem Dienstag im Juni kam, war ein junger Mann mit und Sonnenhut. Er ging einmal durch meinen Garten, blieb plötzlich stehen, kniete sich hin und sagte eine ganze Weile gar nichts.

Dann rief er jemanden an. Was da zwischen meinen Margeriten wachse, erklärte er mir anschließend aufgeregt, sei eine Bienen-Ragwurz, eine wilde Orchidee, die wie alle heimischen Orchideen unter Naturschutz stehe. Er habe sie im Stadtgebiet noch nie gesehen. Eine Gefahr für die Nachbarschaft könne er beim besten Willen nicht feststellen, im Gegenteil. Ob er Fotos machen dürfe? Am nächsten Tag kamen zwei Damen vom Naturschutzbund, am übernächsten ein Fotograf der Lokalzeitung.

Sie ahnen, wie es weiterging. Herr Dreier, der sich nie als Absender der Zettel zu erkennen gegeben hat, seit diesem Frühjahr nur noch die Hälfte seines Rasens. Die andere Hälfte, so erzählt er jedem, der es hören will, sei eine Blühfläche, das sei schließlich gut für die Insekten. Frau Kowalski lässt immerhin einen Streifen stehen. Nur Rüdiger zieht weiter seine Kreise, doch die Hoffmanns überlegen bereits, ihn umzuprogrammieren.

Ich will hier niemanden Ein gepflegter Rasen hat zweifellos seine Man kann darauf Federball spielen, und man verliert keine kleinen Kinder darin. Aber vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, lohnt es sich, einmal ein Jahr lang nichts zu tun und abzuwarten, was von selbst kommt. Bei mir kam eine Orchidee. Und, was ich ehrlich gesagt für unwahrscheinlicher gehalten hätte, eine Einladung von Herrn Dreier zum Grillen.

Comprehension check

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1. What does the columnist admit about her "conviction"?

2. Who or what is Rüdiger?

3. What did the young official find in her garden?

4. How has Herr Dreier changed?