Short story
Sieben senkrecht
The man who writes the crossword for a Regensburg newspaper starts receiving postcards that point out his mistakes, and then the postcards stop.
Tap a dotted word for its meaning.
Words to know (12)
- senkrecht / waagerecht · down / across (in a crossword)
- die Redaktion · newspaper office, editorial team
- gestochen scharf · razor-sharp, crystal-clear
- münden in · to flow into (a river)
- nachschlagen · to look up
- sich ertappen bei · to catch oneself (doing something)
- der Köder · bait
- der Poststempel · postmark
- die Pforte · reception desk, gatehouse
- etwas zustande bringen · to achieve, produce something
- etwas im Griff haben · to have something under control
- krakelig · shaky, scrawly (handwriting)
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Seit einundzwanzig Jahren erstellt Konrad Ebner das Kreuzworträtsel für die Wochenendausgabe der „Regensburger Post“, und seit einundzwanzig Jahren bekommt er so gut wie keine Post dazu. Kreuzworträtsel seien wie Wasserleitungen, sagt er gern: Man bemerke sie erst, wenn sie kaputt seien. Umso überraschter war er, als im vergangenen Januar eine Postkarte in der ankam, adressiert an „den Rätselmacher, persönlich“.
Auf der Vorderseite war der Dom zu sehen, auf der Rückseite stand in winziger, scharfer Schrift: „17 ist falsch. Die Donau ins Schwarze Meer, nicht ins Asowsche. Ansonsten ordentlich. E. Haslbeck.“ Konrad schaute nach. Sie hatte recht. Er ärgerte sich einen ganzen Abend lang, vor allem über das Wort „ordentlich“.
Eine Woche später kam die nächste Karte. Diesmal ging es um einen Komponisten, dessen Vornamen er falsch geschrieben hatte. Die Woche darauf um ein Wort, das es seit der Rechtschreibreform in dieser Schreibweise nicht mehr gebe. Konrad begann, seine Rätsel dreimal zu prüfen, dann viermal. Er Dinge nach, die er seit zwanzig Jahren für sicher gehalten hatte. Und wenn trotzdem eine Karte kam, hatte Frau Haslbeck jedes Mal recht. Seine Frau meinte, er habe zum ersten Mal seit Jahren richtig Freude an der Arbeit. Er bestritt das energisch.
Im Mai kam keine Karte. Konrad redete sich ein, das Rätsel sei eben fehlerfrei gewesen, was ihn kurz mit Stolz erfüllte. Doch auch in der folgenden Woche blieb das Fach in der leer, und in der Woche danach. Er sich dabei, dass er absichtlich einen kleinen Fehler einbaute, einen Fluss im falschen Bundesland, wie einen Nichts. Schließlich suchte er die alten Karten heraus und sah sich die an. Alle stammten aus demselben Briefkasten in Stadtamhof, direkt vor einem Seniorenheim.
Die Frau an der kannte Frau Haslbeck sofort. Sie sei gestürzt, erzählte sie, nichts Schlimmes, aber das rechte Handgelenk sei gebrochen, und schreiben könne sie vorerst nicht. Sie führte ihn in ein helles Zimmer im zweiten Stock. Am Fenster saß eine sehr kleine, sehr aufrechte Frau mit einem Gips am Arm und der „Regensburger Post“ auf dem Schoß. Als sie ihn sah, nahm sie die Brille ab und betrachtete ihn eine Weile. „Ebner, Konrad“, sagte sie dann. „Klasse 9b, 1987. Aufsatz über die Donau. Note fünf.“
Ihm wurde heiß. Elfriede Haslbeck, Deutschlehrerin am Goethe-Gymnasium, die Strengste von allen. Sie hatte ihm damals unter den Aufsatz geschrieben, er werde in seinem Leben nichts bringen, was jemand freiwillig lese. Er hatte das vergessen, oder geglaubt, es vergessen zu haben. „Ich lese Sie jetzt seit zwanzig Jahren“, sagte sie. „Freiwillig. Ich wollte nur sichergehen, dass ich mich damals geirrt habe.“ Und nach einer Pause: „Die Donau haben Sie allerdings immer noch nicht im
Am folgenden Samstag lautete die Frage zu 7 „Strengste Leserin dieser Zeitung“, acht Buchstaben. Am Dienstag lag eine Karte in der in einer mühsamen Schrift, offensichtlich mit der linken Hand geschrieben: „HASLBECK. Zu leicht. Aber ordentlich.“
Comprehension check
0/4 answered
1. What was wrong with 17 across in the first postcard?
2. How did the postcards change Konrad's work?
3. Why had the postcards stopped?
4. Why had Frau Haslbeck been reading Konrad's crosswords?