Short story
Antrag auf Muße
In 2041 Germany passes a law that gives every citizen four hours of official idleness a week, and a logistics planner from Bonn tries to apply for his.
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Words to know (12)
- die Muße · leisure, idleness
- in Kraft treten · to come into force
- die Entschleunigung · deceleration, slowing down
- die Untätigkeit · inactivity
- der Bescheid · official notice, decision
- unzulässig · not permitted, inadmissible
- gedenken (zu tun) · to intend (to do), formal
- die Datenerhebung · data collection
- die Linde · lime tree, linden
- vollumfänglich · fully, in full (bureaucratic)
- rückwirkend · retroactively
- anrechnen · to credit, to count towards
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Das Gesetz zur Förderung der trat am 1. Januar 2041 in nachdem eine vom Bundestag eingesetzte Kommission festgestellt hatte, dass der durchschnittliche Deutsche seit fünfzehn Jahren keine einzige Minute ohne erkennbaren Zweck mehr verbracht habe. Selbst der Spaziergang, so das Gutachten, diene inzwischen der Schrittzahl, das Lesen der Selbstoptimierung und das Nichtstun der Regeneration, also letztlich der Arbeit. Ein Volk, das sich nicht mehr langweilen könne, hieß es auf Seite 412, werde früher oder später auch nicht mehr denken.
Seither steht jedem Bürger ein Anspruch auf vier Stunden staatlich anerkannter pro Woche zu. Der Anspruch muss allerdings beantragt werden, und zwar beim neu gegründeten Bundesamt für und in Bonn, von dem man in Berlin spöttisch sagte, es sei die erste Behörde der Republik, die ihren Auftrag schon vor ihrer Gründung erfüllt habe.
Olaf Wendt, 51, Logistikplaner aus Bad Godesberg, stellte seinen Antrag im Februar. Das Formular M-7 umfasste neun Seiten. Unter Punkt 4 („Art und Umfang der beabsichtigten schrieb er: „Auf einer Bank am Rhein sitzen und auf das Wasser schauen.“ Drei Wochen später erhielt er einen in dem man ihn um Präzisierung bat: ob er beim Schauen auf das Wasser Musik oder Podcasts zu hören beabsichtige da Informationsaufnahme), ob er die Schiffe zu zählen da und ob das Sitzen der Entlastung des Rückens diene da Gesundheitsvorsorge).
Wendt präzisierte. Er werde nichts hören außer dem Wasser, nichts zählen und den Rücken krumm halten. Der zweite kam im April. Man wies ihn darauf hin, dass der Rhein bei Bonn eine Bundeswasserstraße sei und daher die Zustimmung des zuständigen Schifffahrtsamtes eingeholt werden müsse; ferner sei zu klären, ob es sich bei der Bank, auf der er zu sitzen um städtisches Eigentum handle. Wendt fuhr an einem Sonntagnachmittag ans Rheinufer, um die Bank zu fotografieren, und stellte fest, dass er dabei, streng genommen, schon wieder etwas tat.
Im Juni wurde er zu einem persönlichen Gespräch geladen. Er wartete im Erdgeschoss des Bundesamtes, in einem Flur mit hellgrünen Wänden und einem Fenster zum Innenhof, in dem eine stand. Die Wartenummer auf dem Bildschirm sprang erst nach vierzig Minuten um, dann gar nicht mehr. Wendt hatte sein Telefon zu Hause vergessen. Er hatte nichts zu lesen. Er sah zuerst auf die Uhr, dann auf die dann nur noch auf die Eine Amsel landete darin und flog wieder weg. Später kam eine zweite, oder dieselbe. Das Licht wanderte langsam über die Wand. Irgendwann fiel ihm auf, dass er seit einer Ewigkeit nicht mehr auf die Uhr gesehen hatte, und er sah absichtlich nicht hin, um es nicht zu verderben.
Gegen halb fünf rief ihn eine Sachbearbeiterin auf, Frau Ostermann, eine Frau mit Lesebrille und müden, freundlichen Augen. Sie blätterte in seiner Akte, seufzte und fragte, wie lange er gewartet habe. Wendt sagte, er wisse es nicht genau. Frau Ostermann sah ihn über die Brille hinweg an, lange, und tippte dann etwas in ihren Rechner.
Der kam eine Woche später, per Post, auf Recyclingpapier. Sein Antrag auf am Rheinufer werde abgelehnt, da die Abstimmung mit den beteiligten Behörden voraussichtlich bis 2043 andauern werde. Die Prüfung habe jedoch ergeben, dass er am 14. Juni im Wartebereich des Amtes vier Stunden und zwölf Minuten in einem Zustand verbracht habe, der den Kriterien des Paragrafen 2 entspreche. Diese Zeit werde ihm Man wünsche ihm einen erholsamen Rest des Jahres.
Wendt hat seinen Antrag nicht erneuert. Seit dem Sommer geht er aber jeden zweiten Donnerstag ins Bundesamt, zieht eine Wartenummer und setzt sich in den hellgrünen Flur. Er ist nicht der Einzige. Im September waren sie zu siebt, im November mussten Stühle aus dem ersten Stock geholt werden. Frau Ostermann ruft die Nummern inzwischen sehr langsam auf. Manchmal, so erzählt man sich, ruft sie sie gar nicht auf.
Comprehension check
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1. Why was the law passed, according to the commission's report?
2. Why would counting the ships be "unzulässig"?
3. What happens to Wendt in the waiting area?
4. What is ironic about the final decision?