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Short story

Der Aushilfspfarrer

While the village priest is away for eight weeks, a stand-in fills a Bavarian church every Sunday, and the sacristan starts to suspect he is not what he seems.

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Words to know (10)
  • die Mesnerin · sacristan (woman who looks after the church)
  • das Messkännchen · cruet (small jug for Mass wine)
  • die Bandscheibe · spinal disc
  • Hochwürden · Reverend (form of address for a priest)
  • den Faden verlieren · to lose the thread
  • wandeln · to consecrate (bread and wine)
  • zur Neige gehen · to run low
  • jemanden zur Rede stellen · to confront someone
  • der Laie · lay person (not a priest)
  • unheimlich · eerie, uncanny

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Ich bin seit siebenundzwanzig Jahren in Oberhaslach im Chiemgau, und ich habe in dieser Zeit drei Pfarrer kommen und zwei gehen sehen, einen Bischof aus der Nähe und den Papst im Fernsehen. Ich weiß, wie viel Wein in ein gehört, welche Kerze am Altar zuerst angezündet wird und welcher Ministrant sich in der Sakristei heimlich den Rest aus dem Kännchen genehmigt. Mir macht man nichts vor. Das habe ich jedenfalls bis zu jenem Sommer geglaubt.

Unser Pfarrer Brandl, einundsiebzig, musste im Juni für acht Wochen zur Kur nach Bad Füssing, wegen der und das Ordinariat in München hatte, wie immer, niemanden. Stattdessen kam ein Herr Haas, ein Freund vom Pfarrer, wie es hieß, Anfang sechzig, mit grauem Haar, schwarzem Anzug und einer Stimme, bei der die alte Frau Obermaier schon beim „Grüß Gott“ feuchte Augen bekam. Er wurde vom ersten Tag an mit angesprochen. Er hat nicht widersprochen.

Und er predigte. Herrgott, wie der predigte! Nicht so wie der Pfarrer Brandl, der seit dreißig Jahren dieselben vier Predigten im Wechsel hält und bei der zweiten jedes Mal den verliert. Herr Haas sprach über den verlorenen Sohn, als wäre er der Vater, der Sohn und das gemästete Kalb in einer Person. Nach drei Wochen kamen Leute aus Traunstein. Nach fünf Wochen saß der Kirchenwirt in der dritten Reihe, der seit seiner Hochzeit keine Kirche mehr von innen gesehen hatte, und hinterher sagte er, er habe sich das ganz anders vorgestellt.

Mir aber fielen Dinge auf. Herr Haas sprach nie das Hochgebet. Er nicht. Die Hostien nahm er jeden Sonntag aus dem Tabernakel, wo sie der Pfarrer Brandl vor seiner Abreise noch geweiht hatte, und als sie zur gingen, ließ er sich vom Pfarrer in Traunstein neue bringen. Er trug keine Stola. Und als die Frau Obermaier ihn bat, ihr die Beichte abzunehmen, sagte er freundlich, dafür sei er nicht zuständig. Ich habe an dem Abend lange in der Sakristei gesessen und auf das unbenutzte Messgewand gestarrt. Ein falscher Pfarrer. In meiner Kirche.

Am Montag rief ich im Ordinariat an. Eine junge Frau sagte mir, einen Pfarrer oder Pater Haas gebe es in der ganzen Erzdiözese nicht. Ich bedankte mich, legte auf, und am Dienstag nach der Abendandacht stellte ich ihn in der Sakristei zur den Weihwasserkessel in der Hand, ich weiß selbst nicht, warum. Er hörte mir zu, und dann lachte er, so herzlich, dass ich den Kessel abstellen musste.

Er sei nie Priester gewesen, sagte er, und er habe es auch nie behauptet. Er sei Gymnasiallehrer für Deutsch und Latein im Ruhestand, ein Schulfreund vom Brandl und ausgebildeter Wortgottesdienstleiter. Was er jeden Sonntag gehalten habe, sei keine Messe gewesen, sondern eine Wortgottesfeier mit Kommunionausteilung, wie sie jeder mit dem nötigen Kurs halten dürfe; so stehe es übrigens auch im Pfarrbrief. „Haben Sie mich jemals die Wandlungsworte sprechen hören, Frau Huber?“ Ich musste zugeben, dass nicht. „Sehen Sie. Das war Ihre Idee. Die Frau Obermaier hat mir am ersten Sonntag die Hand geküsst, bevor ich den Mund aufmachen konnte. Und danach, ehrlich gesagt, hätte die Wahrheit nur gestört.“

Ich habe in der Nacht schlecht geschlafen. Ich habe den Pfarrbrief gesucht, und da stand es, auf der letzten Seite, klein gedruckt, unter den Beerdigungen: „Sonntags Wortgottesfeier mit Herrn B. Haas“. Gelesen hatte es keiner, ich auch nicht. Wir hatten acht Wochen lang einen Pfarrer gehabt, weil wir einen haben wollten, und der Herr Haas hatte uns bloß nicht daran gehindert. Das, fand ich, war eigentlich das an der ganzen Geschichte.

Im August kam der Pfarrer Brandl zurück, mit gestärktem Rücken und den alten vier Predigten. Nach zwei Sonntagen beschwerte sich der Kirchenwirt. Seitdem hält Herr Haas am ersten Sonntag im Monat die Wortgottesfeier, und es steht groß und fett im Pfarrbrief, auf der ersten Seite. Ich habe es selbst so gesetzt. Die Kirche ist an diesen Sonntagen voller als an Ostern. Die Frau Obermaier küsst ihm noch immer die Hand und sagt Ich habe beschlossen, dass das nicht meine Sache ist.

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1. How does the narrator describe Pfarrer Brandl's sermons?

2. What makes the sacristan suspicious of Herr Haas?

3. What is the truth about Herr Haas?

4. What does the narrator find "das Unheimlichste" about the story?