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Short story

Die Laufmaschine

Mannheim, June 1817: a sceptical landlady writes to her sister about the strange wooden machine her lodger, Baron von Drais, has been building in the courtyard.

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Words to know (12)
  • nicht geheuer · not quite right, eerie
  • der Hafer · oats
  • das Fuhrwerk · cart, vehicle
  • die Genugtuung · satisfaction
  • hobeln · to plane (wood)
  • das Gleichgewicht · balance
  • johlen · to hoot, to yell
  • der Gulden · guilder (old coin)
  • dagegenhalten · to take the other side (of a bet)
  • Zeugnis ablegen · to bear witness
  • der Saum · hem
  • dereinst · one day, in the future (old-fashioned)

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Mannheim, den 13. Juni 1817. Liebste Schwester, Du fragst in Deinem letzten Brief, ob es wahr sei, was man sich in Heidelberg erzählt, dass nämlich unser Mieter im zweiten Stock, der Herr Baron von Drais, gestern auf einem hölzernen Pferd ohne Kopf und ohne Beine nach Schwetzingen hinausgeritten sei. Ich will Dir antworten, so gut ich es vermag, und Dich bitten, es nicht weiterzuerzählen, denn man hält uns in der Stadt ohnehin schon für ein Haus, in dem es nicht ganz zugeht.

Du weißt, wie das vergangene Jahr gewesen ist. Es hat vom Mai bis in den Oktober geregnet, im Juli fiel im Odenwald Schnee, das Korn ist auf den Feldern verfault, und der kostet heute, was früher ein Kalb kostete. Die Leute haben ihre Pferde geschlachtet, weil sie sie nicht mehr füttern konnten, und wer kein Pferd hat, geht zu Fuß. Der Herr Baron sagt, eben darum habe er seine Maschine gebaut: ein das keinen frisst. Ich habe ihm gesagt, es fresse auch keinen, weil es nicht fahre. Ich muss Dir gestehen, dass ich das mit einiger gesagt habe.

Seit dem Winter hat er im Hof gesägt, und geflucht. Das Ding, das dabei herausgekommen ist, besteht aus zwei hölzernen Rädern, eines hinter dem anderen, und einem Balken dazwischen, auf den man sich setzt wie auf einen Sattel. Vorn ist eine Stange, mit der man das vordere Rad drehen kann. Man stößt sich mit den Füßen vom Boden ab, abwechselnd, wie beim Gehen, nur dass man dabei sitzt. Ich habe ihn gefragt, warum ein vernünftiger Mensch im Sitzen gehen solle, wenn er es im Stehen doch schon könne. Er hat geantwortet, ich verstünde nichts vom Das mag sein. Ich habe in meinem Leben aber auch noch nie gesehen, dass etwas auf zwei Rädern stehen bleibt, ohne umzufallen, und er bis vor Kurzem auch nicht.

Den ganzen Mai über hat er im Hof geübt, und die Kinder aus der Nachbarschaft haben auf der Mauer gesessen und Er ist mehr als zwanzigmal umgefallen; ich habe mitgezählt. Der Bäcker Weidner von gegenüber hat mit mir um einen gewettet, dass der Herr Baron, ehe der Sommer vorüber sei, mitsamt seiner Maschine im Rhein liegen werde. Ich habe nicht aus Vertrauen in die Maschine, sondern weil ich den Weidner nicht leiden kann.

Gestern also, am Vormittag, ist er aufgebrochen, die Landstraße hinaus nach Süden bis zum Relaishaus, wo die Postkutschen die Pferde wechseln, und wieder zurück. Ein Bote ist ihm zu Pferd gefolgt, um abzulegen. Für einen Fußgänger sind das, hin und zurück, gut drei Stunden Weges. Der Herr Baron war in weniger als einer Stunde wieder im Hof, mit Staub bis an die Knie und einem Gesicht wie ein Schuljunge. Der Bote, Liebste, war außer Atem. Das Pferd auch.

Ich habe meinen vom Weidner bekommen, und er hat dabei ausgesehen, als hätte er in einen sauren Apfel gebissen. Abends hat der Herr Baron mir angeboten, ich solle es selbst einmal versuchen. Ich habe abgelehnt, mit dem Hinweis auf meine Röcke und mein Alter. In Wahrheit, und das sage ich nur Dir, habe ich heute in der Früh, als noch niemand auf war, die Maschine aus dem Schuppen geholt und mich daraufgesetzt. Ich bin bis zum Brunnen gekommen. Ich habe ein blaues Knie und einen zerrissenen aber ich bin bis zum Brunnen gekommen.

Der Herr Baron will nun in die Zeitung setzen lassen, dass seine Laufmaschine die Pferde ersetzen werde, und damit durch das ganze Großherzogtum reisen. Ich glaube nicht, dass daraus etwas wird. Wer setzt sich schon freiwillig auf ein Ding, das umfällt, sobald man aufhört, sich zu bewegen? Das ist kein das ist eine Lebensweisheit, und von denen haben die Menschen noch nie viel wissen wollen. In zehn Jahren, Schwester, spricht kein Mensch mehr davon.

Grüße mir Deinen Mann und die Kinder. Den habe ich in die Sparbüchse getan, denn falls doch etwas daraus wird, will ich die erste Frau in Mannheim sein, die sich so ein Ding kauft. Deine Dich liebende Schwester Margarethe.

Comprehension check

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1. According to the baron, why did he build his machine?

2. Why did Margarethe bet against the baker?

3. What does Margarethe secretly confess to her sister?

4. What is ironic about the end of the letter?