Short story
Chiffre 4417
A widowed farmer in the Emmental is furious when his daughter-in-law puts a lonely-hearts ad in the local paper, until fourteen replies arrive.
Tap a dotted word for its meaning.
Words to know (12)
- die Käserei · cheese dairy
- rüstig · sprightly, fit (of an older person)
- die Chiffre · box number (for replies to an anonymous ad)
- die Schwiegertochter · daughter-in-law
- die Pöstlerin (schweiz.) · postwoman (Swiss)
- die Stube · living room (traditional)
- der Jassabend · evening of playing Jass, the Swiss card game
- das Unbehagen · unease
- der Melkstand · milking parlour
- kariert · squared, checked (paper)
- surren · to hum, whirr
- abbestellen · to cancel (an order or subscription)
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Ueli Gerber erfuhr es in der Er hatte wie jeden Morgen die Milch gebracht, und der Käser, ein Mann, der sonst höchstens über das Wetter und den Milchpreis sprach, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: „Gratuliere, Ueli. Mutig, mutig.“ Erst auf dem Heimweg, als er im Dorfladen den Anzeiger aufschlug, verstand er. Auf Seite elf, zwischen einem gebrauchten Traktor und einem Kurs für Bauchtanz, stand: „Witwer, 71, eigener Hof im Emmental, sucht Frau für Gespräche, Spaziergänge und vielleicht mehr. Zuschriften unter 4417.“
Es gab nur eine Person, die so etwas wagte. Corinne, seine die mit seinem Sohn den Hof übernommen hatte und seit drei Jahren, seit Vreni gestorben war, mit ansah, wie der alte Mann immer schweigsamer wurde. „Du redest mit den Kühen mehr als mit uns“, sagte sie, als er ihr die Zeitung auf den Küchentisch knallte. „Die Kühe reden wenigstens nicht zurück“, sagte Ueli. „Eben“, sagte Corinne. „Das ist ja das Problem.“
Zwei Wochen später brachte die einen dicken Umschlag vom Anzeiger. Margrit Zaugg fuhr seit vier Jahren jeden Morgen um halb acht mit ihrem gelben Elektroroller den Hügel herauf, hielt an der alten Linde bei der Hofeinfahrt und reichte ihm die Post über den Zaun, meist mit einer Bemerkung über das Wetter, die er mit einem Brummen beantwortete. An diesem Morgen sagte sie nur: „Viel Post heute, Herr Gerber“, und fuhr ohne ein weiteres Wort davon. Ihm fiel nicht auf, dass sie dabei rot geworden war.
Drei Tage lang lag der Umschlag ungeöffnet auf dem Buffet in der wie ein Tier, von dem man nicht weiß, ob es beißt. In der vierten Nacht, als alle schliefen, öffnete Ueli ihn doch. Vierzehn Briefe. Eine pensionierte Lehrerin aus Burgdorf hatte einen tabellarischen Lebenslauf beigelegt und eine Liste ihrer Erwartungen, darunter „Nichtraucher“ und „keine Eine Witwe aus Thun schickte ein Foto, aus dem sie ihren verstorbenen Mann herausgeschnitten hatte, bis auf seine Hand, die noch immer auf ihrer Schulter lag. Eine schrieb in Versen, eine andere wollte wissen, ob der Hof schuldenfrei sei. Ueli las alles mit wachsendem Was hatte er denn erwartet? Er war einundsiebzig und kein Filmstar, und eine Frau, die sich in einen verliebte, gab es vermutlich nicht.
Der letzte Brief bestand aus einem einzigen Satz, ohne Namen, ohne Foto, auf einem Blatt, das aus einem Notizblock gerissen war: „Sie haben die schönste Linde im ganzen Tal, und um halb acht steht die Sonne so darin, dass man jedes Mal anhalten muss.“ Ueli las den Satz einmal, zweimal, zehnmal. Dann saß er lange in der dunklen und dachte nach. Wer kam um halb acht an seiner Linde vorbei? Der Brotwagen kam um sechs, der Schulbus um zehn nach sieben, der Tierarzt nur, wenn man ihn rief. Und dann war da noch jemand, der jeden Morgen anhielt. Er hatte immer geglaubt, wegen der Post.
Am nächsten Morgen stand er um Viertel nach sieben unter der Linde, in seinem guten Hemd, zwei Tassen Kaffee in den Händen, und kam sich vor wie ein Idiot. Als der gelbe Roller den Hügel hätte er die Tassen beinahe hinter dem Zaun versteckt. Margrit hielt an, sah die zwei Tassen, sah sein Hemd und stellte den Motor ab. „Sie haben's also gemerkt“, sagte sie. „Ich habe den Umschlag selber zu Ihnen heraufgefahren“, fügte sie hinzu, „und den ganzen Weg gehofft, Sie würden meinen Brief nicht finden. Und dann gehofft, Sie würden ihn finden.“ Ueli reichte ihr eine Tasse über den Zaun. „Der Kaffee ist kalt geworden“, sagte er. „Ich habe zu früh angefangen zu warten.“ Es war der längste Satz, den sie in vier Jahren von ihm gehört hatte.
Corinne sah die beiden vom Küchenfenster aus. Sie sagte nichts, weder an diesem Morgen noch am Mittag. Erst beim Abendessen räusperte sich Ueli und sagte, ohne vom Teller aufzuschauen: „Das Inserat kannst du dann wieder Corinne lächelte in ihre Suppe. „Hab ich schon“, sagte sie. „Es ist nur ein einziges Mal erschienen.“
Comprehension check
0/4 answered
1. How did Ueli first find out about the advertisement?
2. Why did Corinne place the advertisement?
3. What helped Ueli guess who wrote the last letter?
4. What does Corinne reveal at the end?