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Short story

Das Alibi von Bayreuth

A Nuremberg detective who can't stand opera has to check a burglary suspect's alibi: he says he spent the evening at a six-hour Wagner performance in Bayreuth.

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Words to know (12)
  • die Körperverletzung · assault, bodily harm (legal term)
  • mit Ansage · announced in advance, with warning
  • fristlos entlassen · dismissed without notice
  • der Vernehmungsraum · interview room (police)
  • der Aufzug · act (of an opera or play)
  • die Besetzung · cast (of a performance)
  • die Inszenierung · production, staging
  • der Laie / die Laiin · layperson, non-expert
  • der Wimpernschlag · blink of an eye
  • sich etwas einprägen · to memorise something
  • sich wappnen · to arm or prepare oneself
  • der Beamte / die Beamtin · civil servant (with a job for life)

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Kriminalhauptkommissarin Dilek Aydın hielt die Oper für eine Form der mit Menschen, die stundenlang singend starben, und ein Publikum, das dafür auch noch bezahlte. Umso ärgerlicher war, dass ihr aktueller Fall ausgerechnet an Richard Wagner hing. Am Donnerstagabend war in der Nürnberger Altstadt ein Juweliergeschäft ausgeräumt worden, zwischen neun und zwanzig vor zehn, und der Täter hatte die Alarmanlage mit dem richtigen Code ausgeschaltet. Den Code kannten vier Menschen. Einer davon war Gregor Wendt, bis zum Frühjahr Verkaufsleiter des Geschäfts, dann entlassen.

Wendt saß ihr im gegenüber, frisch rasiert, im hellen Leinensakko, und wirkte so entspannt wie jemand, der sich auf ein Gespräch über das Wetter eingestellt hat. Er habe den ganzen Abend im Bayreuther Festspielhaus verbracht, sagte er, bei der „Götterdämmerung“, von vier Uhr nachmittags bis kurz vor halb elf. Er legte seine Eintrittskarte auf den Tisch: Parkett, Reihe neunzehn, am Einlass gescannt um 15.41 Uhr. „Zehn Jahre habe ich mich um diese Karte beworben“, sagte er. „Glauben Sie im Ernst, ich gehe vor dem Schluss?“

Dann erzählte er. Er beschrieb das Bühnenbild, die Kostüme, den Dirigenten, die Fanfaren, die vor jedem vom Balkon des Festspielhauses geblasen werden, die Hitze im Saal, der keine Klimaanlage hat, einen Herrn in Reihe zwölf, der ausgerechnet im leisesten Moment husten musste. Er sprach mit einer Wärme, die sich nicht spielen ließ, oder die sich, dachte Dilek, sehr gut spielen ließ. Entweder war der Mann unschuldig, oder er war der beste Lügner, der ihr je gegenübergesessen hatte. Und Lügner, die so gründlich vorbereitet waren, hatten meist einen Grund dafür.

Ihr Kollege, Oberkommissar Leitner, war seit seiner Hochzeit unfreiwilliger Wagnerianer und bestätigte jedes Detail. Die stimmte, die auch, und Bayreuth lag schließlich eine gute Stunde von Nürnberg entfernt. „Der war da“, sagte Leitner. „So redet keiner, der es aus dem Programmheft hat.“ Dilek aber tat, was sie immer tat, wenn ihr eine Geschichte zu gut gefiel: Sie überprüfte die langweiligen Dinge. Sie rief bei der Pressestelle der Festspiele an und fragte, ob an jenem Abend irgendetwas Besonderes vorgefallen sei.

Die Frau am Telefon lachte auf. Ob etwas Besonderes vorgefallen sei? Um fünf nach neun, kurz nach Beginn des dritten Aufzugs, sei bei einem Gewitter der Strom ausgefallen. Achtunddreißig Minuten lang habe das Publikum im Dunkeln gesessen, knapp zweitausend Menschen, und irgendwann habe jemand im Parkett leise das Rheinmotiv zu summen begonnen, und schließlich habe der halbe Saal mitgesummt. Es sei, sagte die Frau, der seltsamste und schönste Abend gewesen, an den sie sich erinnern könne. In Bayreuth rede man seitdem von nichts anderem.

Bei der zweiten Vernehmung bat Dilek Herrn Wendt, ihr den dritten noch einmal zu beschreiben, ganz genau, sie sei eben eine Er tat es mit Vergnügen: Siegfrieds Tod, der Trauermarsch, der ihn, wie er sagte, zu Tränen gerührt habe, und der Schlussgesang, ohne eine einzige Unterbrechung. „Und das Gewitter?“, fragte sie. Er zögerte nur einen „Draußen? Davon hört man drinnen nichts.“ „Um 21.05 Uhr ist im Festspielhaus das Licht ausgegangen“, sagte Dilek. „Achtunddreißig Minuten lang. Fast zweitausend Leute haben im Dunkeln gesessen und gesummt. Nur Sie haben es nicht bemerkt.“

Es wurde sehr still im Dann gab Wendt auf, beinahe erleichtert. Er hatte das Festspielhaus in der zweiten Pause verlassen, sein Auto stand in einer Seitenstraße bereit. Die hatte er im Jahr zuvor schon einmal gesehen und sich jede Einzelheit für alle Fälle. Gegen alles hatte er sich nur nicht gegen das Wetter. Leitner schüttelte den Kopf, als Wendt abgeführt wurde. „Wegen ein paar Ketten aus der Götterdämmerung gehen“, murmelte er. „Das ist das eigentliche Verbrechen.“

Am selben Abend saß Dilek Aydın zu Hause vor ihrem Laptop und füllte, ohne recht zu wissen warum, einen Antrag auf Karten für die Bayreuther Festspiele aus. Sie wollte verstehen, was einen Mann dazu bringen konnte, zehn Jahre auf eine Karte zu warten, und zweitausend Fremde dazu, im Dunkeln gemeinsam zu summen. Die Wartezeit beträgt angeblich mehrere Jahre. Sie hat Zeit. Sie ist

Comprehension check

0/4 answered

1. Why was Gregor Wendt a suspect?

2. What did Dilek do when Wendt's story seemed too good?

3. What happened in the Festspielhaus at five past nine?

4. How had Wendt been able to describe the performance so well?