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Short story

Der Fuchs und die Kamera

A modern fable from the Harz mountains: a young fox discovers a wildlife camera and decides that being seen is more important than anything else.

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Words to know (12)
  • die Fichte · spruce (tree)
  • meiden · to avoid
  • der Baumstumpf · tree stump
  • der Bau · burrow, sett (of an animal)
  • der Habicht · goshawk
  • schmeichelhaft · flattering
  • die Schnauze · snout
  • misslingen · to fail, go wrong
  • der Neid · envy
  • die Füchsin · vixen, female fox
  • traben · to trot
  • der Welpe · cub, pup

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Im Harz, unterhalb des Brockens, wo die in langen grauen Reihen abgestorben sind und der junge Wald sich zwischen den toten Stämmen seinen Weg sucht, lebte ein junger Fuchs, der bis zu jenem Herbst nichts Außergewöhnliches an sich hatte. Er jagte Mäuse, er die Wanderwege, er schlief, wenn die Menschen wach waren. Bis er eines Morgens an einem vorbeikam und ein kleines rotes Licht aufblinkte, ganz kurz, wie ein Augenzwinkern.

Er erschrak, wich zurück und beobachtete das Ding aus sicherer Entfernung: ein grüner Kasten, mit einem Gurt an den Stumpf geschnallt, mit einem einzigen gläsernen Auge. Der alte Dachs, der seit Menschengedenken im selben wohnte und alles zu wissen glaubte, klärte ihn auf. „Eine Wildkamera“, brummte er. „Die Menschen zählen uns damit. Alle paar Wochen kommt einer mit grüner Jacke und holt sich die Bilder.“ Der Fuchs dachte lange darüber nach. Man wurde also gesehen. Nicht von einem der einen fressen wollte, sondern von jemandem, der einen einfach nur ansah. Es war ein vollkommen neues Gefühl, und es gefiel ihm außerordentlich.

Von da an kam er jeden Tag. Er lernte, dass das Licht am frühen Morgen am war und dass er von schräg links am besten aussah, mit leicht erhobener Er trug Mäuse vor die Linse, die er ganz ohne Hunger gefangen hatte, nur um sie vorzuzeigen. Er übte einen Sprung über den Bach, der ihm zweimal und ihm beim dritten Mal ein nasses Fell und, wie er hoffte, ein dramatisches Bild einbrachte. Was er nicht wusste: Der Mann mit der grünen Jacke hieß Jens, arbeitete für den Nationalpark und stellte die schönsten Aufnahmen ins Internet. Dort hatte der Fuchs inzwischen einen Namen, Fridolin, und mehr Bewunderer, als es im ganzen Harz Mäuse gab.

Der Herbst wurde kalt, und Fridolin wurde dünn. Wer den halben Tag vor einer Kamera posiert, hat für die Jagd nur noch die andere Hälfte übrig, und die reicht im November nicht weit. Der Dachs sah es mit Sorge. „Wer für das Auge lebt“, sagte er, „verhungert vor ihm.“ Der Fuchs hielt das für Was verstand ein Dachs, der sein Leben unter der Erde verbrachte, schon davon, gesehen zu werden?

Dann, an einem frostigen Morgen im Dezember, blinkte das rote Licht nicht mehr. Fridolin lief vor der Kamera auf und ab, sprang, setzte sich, hob die drehte die linke Seite zur Linse. Nichts. Die Batterie war leer, aber das konnte er nicht wissen. Er wusste nur, dass ihn niemand mehr ansah, und es fühlte sich an, als wäre er plötzlich durchsichtig geworden. Er blieb sitzen, bis es dunkel wurde, und am nächsten Tag kam er wieder.

Am dritten Tag bemerkte er, dass er nicht allein war. Auf der anderen Seite des Baches saß eine ebenfalls dünn, ebenfalls mit erhobener und starrte auf einen zweiten grünen Kasten, der an einer Birke hing und ebenso wenig blinkte. Sie sahen sich an, zum ersten Mal, und es war ein langer, etwas verlegener Blick zwischen zwei Wesen, die gerade begriffen, dass sie wochenlang am selben Ort für niemanden posiert hatten. Dann stand die auf, schüttelte sich und in den Wald. Nach einem Augenblick des Zögerns folgte er ihr. Sie jagten zusammen bis zum Morgen, und es war die beste Jagd seines Lebens.

Im März kam Jens mit neuen Batterien. Als er die Bilder durchsah, stellte er fest, dass Fridolin nicht mehr posierte. Er sah ihn nur noch von hinten, im Vorbeilaufen, an der Seite einer und im Mai auf einem unscharfen Bild mit vier von denen keiner auch nur einen Blick in die Kamera warf. Es waren, fand Jens, die schönsten Aufnahmen, die er je gemacht hatte. Er stellte sie nicht ins Internet. Manche Bilder, dachte er, gehören denen, die nicht wissen, dass sie gesehen werden.

Comprehension check

0/4 answered

1. What did the old badger explain to the fox?

2. Why did the fox become thin in the autumn?

3. What did the fox discover when the camera stopped blinking?

4. Why didn't Jens put the spring pictures on the internet?