Deep End
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Short story

Die letzte Telefonkabine

A local columnist in a Swiss village mocks the removal of its last phone box, until the technician mentions who still uses it.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • kränken · to hurt, to offend
  • abbauen · to dismantle, to remove
  • sich lustig machen über · to make fun of
  • verblasst · faded
  • der Monteur · technician, fitter
  • die Liebschaft · (love) affair
  • der Eifer · zeal, eagerness
  • der Pöstler (schweiz.) · postman (Swiss)
  • der Kittel (schweiz.) · jacket (Swiss)
  • der Beantworter (schweiz.) · answering machine (Swiss)
  • das Natel (schweiz.) · mobile phone (Swiss)
  • unwiderruflich · irrevocable, final

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Es gibt Nachrichten, die einen Ort erschüttern, und es gibt Nachrichten, die ihn bloß ein wenig Zu Letzteren gehörte der Brief, den die Gemeinde Hinterrüti im Toggenburg vergangenen März erhielt: Die Telefongesellschaft werde die öffentliche Telefonkabine beim Dorfplatz „im Zuge der Modernisierung des Netzes“ Man danke für das langjährige Vertrauen. Der Gemeindepräsident las das Schreiben an der Versammlung vor, und es wurde kurz still, so wie es still wird, wenn jemand verkündet, ein entfernter Onkel sei gestorben, den man zuletzt an einer Taufe gesehen hat.

Auch ich, das gebe ich zu, habe mich zunächst über die Aufregung gemacht. In dieser Zeitung schrieb ich, die Kabine sei das einzige Gebäude im Dorf, das niemand je betreten habe, nicht einmal der Pfarrer. Ich schrieb von Aufklebern, von einem Telefonbuch aus dem Jahr 2004, in dem die Hälfte der Verzeichneten längst auf dem Friedhof wohne, und von Spinnen, die sich dort in einer Ruhe eingerichtet hätten, um die sie jeder Kurdirektor beneiden müsse. Ich bekam dafür zwei zustimmende Leserbriefe und eine Torte von der Bäckerei Looser, was in Hinterrüti als Literaturpreis gilt.

Dann kam der Er war ein freundlicher Mann aus Wil, der diese Arbeit offenbar schon in zwanzig Dörfern verrichtet hatte und dabei nicht mehr Gefühl zeigte als ein Zahnarzt beim Ziehen eines Weisheitszahns. Während er die Schrauben löste, fragte ich ihn, halb im Scherz, wann hier zuletzt jemand telefoniert habe. Er tippte auf seinem Tablet herum und runzelte die Stirn. „Letzten Sonntag“, sagte er. „Um sieben Uhr abends. Und den Sonntag davor auch. Eigentlich jeden Sonntag, seit Jahren. Immer dieselbe Nummer, immer knapp eine Minute.“

Ein Dorf von neunhundert Einwohnern verträgt vieles, aber kein Geheimnis. Innerhalb von zwei Tagen kursierten drei Theorien: eine heimliche ein Wettbüro im Ausland und, vertreten vom Wirt des „Rössli“, ein ausländischer Agent, wobei unklar blieb, was ein solcher im Toggenburg ausspionieren sollte, außer vielleicht den Käsepreisen. Ich gestehe, dass ich mich an diesen Spekulationen beteiligte, und zwar mit einem der eines Lokaljournalisten würdig, eines erwachsenen Menschen aber eher unwürdig war.

Am folgenden Sonntag stand ich also um zehn vor sieben hinter der Linde am Dorfplatz, wo nur noch ein rechteckiger Fleck helleren Asphalts an die Kabine erinnerte. Um Punkt sieben kam Ruedi Brändle, unser pensionierter vierundachtzig Jahre alt, im mit einem Zweifränkler in der Hand. Er blieb vor dem leeren Fleck stehen und sah lange darauf hinunter, so wie man auf ein Grab hinuntersieht, auf dem jemand die Blumen vergessen hat. Dann steckte er die Münze wieder ein.

Ich hätte mich zurückziehen sollen. Stattdessen trat ich hinter dem Baum hervor, was ihn nicht im Geringsten überraschte; wissen immer, wer wo steht. „Ich rufe daheim an“, sagte er, bevor ich fragen konnte. „Auf dem ist noch die Elsbeth. ‚Grüezi, Sie sind bei Brändles, wir sind grad im Garten.‘ Von zu Hause aus kann man sich ja nicht selber anrufen. Und so ein habe ich nie gewollt.“ Er zuckte mit den Schultern, als handle es sich um ein technisches Detail. „Am Sonntag um sieben haben wir früher immer zusammen zu Abend gegessen.“

Seither habe ich aufgehört, mich über Telefonkabinen zu machen. Sie sind, wie sich herausstellt, nicht für die Leute gebaut, die viel telefonieren, sondern für die wenigen, die genau einen Anruf brauchen. Die Telefongesellschaft hat auf meine Anfrage höflich geantwortet, der Entscheid sei Das glaube ich ihr. Jeden Sonntag um sieben sitzen Ruedi Brändle und ich deshalb auf der Bank unter der Linde, und ich leihe ihm mein Ich schaue dabei auf den hellen Fleck im Asphalt. Es dauert knapp eine Minute, und ich habe noch nie zugehört.

Comprehension check

0/4 answered

1. How did the narrator first respond to the news about the phone box?

2. What did the technician find out?

3. Why does Ruedi Brändle make the call?

4. How does the story end?