Short story
Das Fräulein vom Amt
In 1928, a young Berlin switchboard operator is asked every night by the same caller to connect him with impossible places.
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Words to know (12)
- das Fernsprechamt · telephone exchange
- der Klappenschrank · (manual) switchboard
- die Oberaufseherin · chief supervisor (female)
- mithören · to listen in
- stöpseln · to plug in (a line)
- abschaffen · to abolish
- der Selbstanschluss · automatic (telephone) exchange
- versetzen · to transfer (to another post)
- das Relais · relay (electrical)
- die Umstellung · switchover, changeover
- der Apparat; am Apparat · telephone; speaking (on the phone)
- die Verbindung herstellen · to make a connection
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Im Moabit saßen im Herbst 1928 einhundertzwanzig junge Frauen in langen Reihen vor den jede mit einem Kopfhörer, der nach drei Stunden drückte, und einem Sprechtrichter vor der Brust. Es gab genau zwei Regeln, und Frau Krüger, die wiederholte sie jeden Morgen, als stünden sie in der Bibel: Man nicht mit. Und man führt keine Privatgespräche. „Hier Amt“, sagte man, „bitte?“, und dann man und schwieg.
Grete Lindner, zweiundzwanzig, aus einem Dorf in der Uckermark, hielt sich an beide Regeln, bis zu jenem Abend im Oktober, an dem um zwanzig vor zehn eine Männerstimme sagte: „Verbinden Sie mich bitte mit dem Mond.“ Sie hätte auflegen sollen. Stattdessen hörte sie sich antworten: „Der Mond ist leider besetzt, mein Herr. Versuchen Sie es später.“ Am anderen Ende wurde gelacht, ein kurzes, überraschtes Lachen, und die Verbindung brach ab.
Am nächsten Abend wollte er den Nordpol. Am übernächsten den Kaiser von China. Grete meldete, der Nordpol sei eingefroren und der Kaiser leider Die Gespräche dauerten nie länger als eine halbe Minute, und Frau Krüger, die mit ihren Gummisohlen lautlos durch die Reihen ging, bemerkte nichts, oder sie tat zumindest so. Was war schon dabei? Eine halbe Minute. Ein bisschen Unsinn zwischen tausend Verbindungen nach Charlottenburg und Schöneberg. Es war, fand Grete, das Einzige an diesem Beruf, das ihr gehörte.
Unterdessen ging im Amt ein Wort um, das niemand gern aussprach: In anderen Stadtteilen, hieß es, würden die Teilnehmer bald selbst wählen, mit einer Scheibe am ohne Fräulein, ohne „Hier Amt“, ohne Kopfhörer. Man werde einige der Mädchen in die Fernvermittlung Die übrigen, nun ja. Grete wusste, was „die übrigen“ hieß. Ihre Mutter in der Uckermark wusste es auch und schrieb jede Woche, ob sie nicht doch lieber heiraten wolle.
An einem Freitag brach sie die erste Regel. Der Mann mit dem Mond hatte zuvor, ganz gewöhnlich, eine Nummer in Siemensstadt verlangt, und Grete ließ, mit klopfendem Herzen, den Schalter einen Augenblick zu lange offen. Sie hörte genug. Er sprach von Wählern und von einem Probelauf, von „Moabit im Frühjahr“. Er war Ingenieur. Er baute die Maschine, die sie ersetzen würde. Natürlich. Ausgerechnet der. Und sie hatte ihm den Mond angeboten.
Als er am Abend fragte, ob sie ihn mit der Sahara verbinden könne, sagte sie kühl: „Für Sie, mein Herr, gibt es keine Verbindung mehr“, und zog den Stöpsel. Er rief noch zweimal an. Sie ließ die Klappe fallen und reagierte nicht. Frau Krüger blieb hinter ihr stehen und sagte leise, ohne dass jemand anderes es hörte: „Die Maschinen kommen sowieso, Fräulein Lindner. Das habe ich schon einmal erlebt, in Hildesheim. Die Frage ist nur, wer dabei den Kopf verliert.“ Dann ging sie weiter, auf ihren lautlosen Sohlen, als wäre nichts gewesen.
Im April, am letzten Abend vor der war das Amt halb leer. Um zwanzig vor zehn fiel Gretes Klappe. „Hier Amt, bitte?“ Eine Pause, dann die Stimme: „Verbinden Sie mich bitte mit Fräulein Grete Lindner.“ Sie fragte nicht, woher er ihren Namen kannte; in Berlin ließ sich alles herausfinden, wenn man jemanden bei der Post kannte. „Am sagte sie. Ab morgen, sagte er, könne jeder in Moabit jeden erreichen, ohne sie. Mit einer Ausnahme. „Sonntag, vier Uhr, Café Kranzler. Das ist eine Nummer, die keine Maschine wählen kann. Dafür brauche ich Sie.“
Ob sie hinging, hat Grete ihren Enkelinnen später nie so direkt erzählt. Sie sagte nur, wenn die Rede auf früher kam, die beste Verbindung ihres Lebens habe sie ohne Kabel Und wenn das Telefon klingelte, nahm sie bis zuletzt mit denselben Worten ab: „Hier Amt, bitte?“ Ihr Mann, der Ingenieur, fand das jedes Mal komisch, und es war, so behauptete sie, der einzige Witz, über den er fünfzig Jahre lang lachte.
Comprehension check
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1. What were the two rules at the telephone exchange?
2. What did Grete find out when she listened in?
3. What does Frau Krüger's remark suggest?
4. What do we learn at the end?