Deep End
← Advanced stories

Short story

Das Ungeheuer vom Weissensee

The mayor of a quiet village on a lake in Carinthia invents a lake monster to bring the tourists back, and the plan works better than he expected.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • das Ungeheuer · monster
  • heuer · (Austrian) this year
  • die Nächtigung · (Austrian) overnight stay
  • einbrechen · to slump, to collapse
  • das Viertel · (Austrian) quarter litre of wine
  • schnitzen · to carve (wood)
  • die Trafik · (Austrian) tobacconist's
  • die Jause · (Austrian) snack, cold platter
  • das Echolot · sonar, echo sounder
  • der Reif · hoarfrost
  • keuchen · to gasp, to pant
  • der Steg · jetty

Select any text to highlight it, or a word to translate it or save it to your flashcards.

In Unterlaggen am Weissensee, einer Gemeinde mit 340 Einwohnern, zwei Gasthöfen und einem Bürgermeister, der seit vierzehn Jahren immer wieder gewählt wurde, weil sich niemand anderer fand, war etwas geschehen, das ebendieser Bürgermeister, Hannes Moser, für eine Katastrophe hielt: Es war nichts geschehen. Die waren um ein Drittel Die Touristen fuhren an den Wörthersee, wo es Jachten gab, oder nach Hallstatt, wo es Instagram gab. Der Weissensee hatte nur türkisfarbenes Wasser, sehr viel Ruhe und eine Kläranlage, auf die man im Ort ausgesprochen stolz war.

Die Idee kam Moser an einem Abend im Gasthof Seewirt, beim dritten Wein, und als er sie aussprach, lachte zunächst niemand, was er als gutes Zeichen deutete. Ein Wie in Schottland. Nur kleiner, gemütlicher, kärntnerischer. Die Gemeindesekretärin, Frau Wutte, eine praktisch denkende Frau, die in ihrer Freizeit Krippenfiguren sagte nach kurzem Nachdenken, sie könne bis Ostern einen Kopf liefern. Aus Zirbenholz. Mit Augen aus Glas.

Am Ostermontag, kurz nach Sonnenaufgang, ruderte Moser mit einem Fischerkahn in den Nebel hinaus und zog an einer langen Schnur den Kopf hinter sich her, knapp unter der Wasseroberfläche. Am Ufer stand, wie zufällig, der Neffe von Frau Wutte mit seinem Handy. Das Video dauerte elf Sekunden, war unscharf, wackelig und vollkommen überzeugend. Bis zum Abend hatte es zwei Millionen Aufrufe. Am Mittwoch hatte das einen Namen, „die Weissi“, am Freitag einen eigenen Hashtag, und am Wochenende waren beide Gasthöfe bis in den September ausgebucht.

Es wurde ein Sommer, wie ihn Unterlaggen noch nie erlebt hatte. Die Bäckerei verkaufte Weissi-Krapfen, die Weissi-Postkarten, und der Seewirt bot eine an, die sich von der gewöhnlichen nur durch den Preis unterschied. Moser gab Interviews in einer Tracht, die er sich eigens dafür gekauft hatte, und sprach mit ernster Miene von „unerklärlichen Phänomenen“. Er habe, gestand er seiner Frau, noch nie im Leben so gern gelogen.

Im August reiste ein Mann aus Graz an. Er hieß Dr. Pirker, war Limnologe, also Seenforscher, und brachte ein Boot voller Messgeräte mit, darunter ein mit dem man, wie er freundlich erklärte, jeden Fisch über zwanzig Zentimeter erkennen könne. Moser schlief drei Nächte lang schlecht. Frau Wutte versteckte den Kopf in ihrer Garage unter einem Haufen Christbaumständer. Der Neffe löschte vorsorglich alle Videos von seinem Handy.

Nach einer Woche legte Dr. Pirker seinen Bericht vor. Er hatte im See Saiblinge gefunden, Hechte, einen versunkenen Traktor aus den Fünfzigerjahren und eine bemerkenswerte Wasserqualität. Ein hatte er nicht gefunden. „Das heißt aber nicht, dass es keines gibt“, sagte er bei der Pressekonferenz, und Moser hätte ihn beinahe umarmt. „Es heißt nur, dass ich keines gefunden habe. Der See ist an manchen Stellen fast hundert Meter tief. Da unten ist Platz für vieles.“ Die Gasthöfe waren daraufhin bis Weihnachten ausgebucht.

An einem Morgen Ende Oktober, als die Touristen fort waren und der erste auf den Wiesen lag, ruderte Moser noch einmal allein hinaus. Er wollte nichts filmen. Er wollte nur sehen, wie der See ohne Zuschauer aussah. Der Nebel lag dicht auf dem Wasser, es war vollkommen still, und Moser dachte gerade, dass er im nächsten Jahr vielleicht doch die Wahrheit sagen sollte, als sich das Boot hob. Nur ein wenig, nur ein paar Zentimeter, als hätte etwas sehr Großes sehr langsam darunter ausgeatmet. Dann glitt ein Schatten unter dem Kahn hindurch, länger als der Kahn selbst, und verschwand in der Tiefe.

Moser ruderte so schnell zurück, wie er seit seiner Jugend nicht mehr gerudert war. Er rief Frau Wutte an, noch bevor er aus dem Boot gestiegen war. „Der Kopf“, er. „Wo ist der Kopf?“ „In meiner Garage“, sagte Frau Wutte. „Unter den Christbaumständern. Wo soll er denn sonst sein?“ Moser setzte sich auf den Er beschloss, im nächsten Jahr doch nicht die Wahrheit zu sagen. Es war ihm nämlich nicht mehr ganz klar, welche das war.

Comprehension check

0/4 answered

1. What was the village's problem at the start of the story?

2. How was the monster video made?

3. What did the scientist from Graz conclude?

4. Why does Moser decide not to tell the truth after all?