Short story
Die Wand von Hassel
A local reporter in Gelsenkirchen describes, in epic style, the last match of an amateur football season, in which a 58-year-old kiosk owner has to go in goal.
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Words to know (12)
- die Kreisliga · district league (low amateur football league)
- vorwegnehmen · to reveal in advance
- der Abstieg · relegation
- das Revier · the Ruhr area
- die Bude · (Ruhr) kiosk
- die gemischte Tüte · pick-and-mix bag of sweets
- watt / datt (Ruhr) · what / that (= was / das)
- krich (Ruhr) · get (= kriege)
- unerschütterlich · unshakeable
- abprallen · to bounce off
- der Strafraum · penalty area
- bezeugen · to testify, to bear witness
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Es gibt Spiele, über die man noch in hundert Jahren spricht, und es gibt Spiele der B in Gelsenkirchen. Die Partie zwischen dem SC Glückauf Hassel und der DJK Eintracht Buer am vergangenen Sonntag gehört, so viel darf der Berichterstatter zur ersten Kategorie, auch wenn sie nur 143 Zuschauer sahen, einschließlich zweier Hunde und eines Mannes, der eigentlich nur seinen Schlüssel suchte.
Die Ausgangslage war von antiker Tragik. Glückauf brauchte am letzten Spieltag einen Punkt gegen den Buer brauchte drei für den Aufstieg, und es regnete, wie es im nur im Mai regnet: waagerecht und mit persönlicher Absicht. Nach zwölf Minuten verletzte sich Glückaufs Torwart Kevin Brzezinski bei dem Versuch, einen Rückpass mit der Brust anzunehmen, an einer Stelle, die hier nicht näher beschrieben werden soll. Einen Ersatztorwart hatte der Verein nicht. Er hatte seit 2019 überhaupt keinen.
Trainer Ralf Szymanski tat, was Trainer in der in solchen Augenblicken tun: Er sah sich um. Sein Blick fiel auf die am Spielfeldrand, in der Heinz Grabowski seit 1991 Bier, Zeitungen und gemischte verkauft. Grabowski ist achtundfünfzig Jahre alt, hat einen Bauch, der zu Recht stolz auf sich ist, und stand zuletzt 1989 im Tor, in einer Saison, die im Verein nur „die Saison der Wand“ heißt, weil er in ihr angeblich keinen einzigen Elfmeter durchließ. Ob das stimmt, kann heute niemand mehr überprüfen. Grabowski selbst hat es nie bestritten.
„Heinz“, rief Szymanski, „du musst!“ Grabowski sah in den Regen, dann auf seine Kasse, dann wieder in den Regen. ich dafür?“, fragte er. „Ewigen Ruhm“, sagte der Trainer. hab ich schon“, sagte Grabowski. Dann zog er die Schürze aus, schloss die ab, lieh sich von Brzezinski die Handschuhe, die ihm zu klein waren, und von einem Zuschauer eine Mütze, die ihm zu groß war, und betrat das Feld unter einem Jubel, wie ihn der Platz an der Kanalstraße seit Jahrzehnten nicht erlebt hatte.
Was dann geschah, lässt sich nur mit den Mitteln des Epos angemessen schildern. Grabowski hielt. Er hielt mit dem Bauch, mit dem Knie und einmal mit dem Hinterkopf, und einen Schuss aus kurzer Distanz hielt er, indem er einfach stehen blieb, so breit und so dass der Stürmer offenbar beschloss, lieber an ihm vorbeizuschießen, als ihn zu treffen. Glückauf ging durch ein Eigentor der Gäste in Führung, Buer glich nach der Pause aus, und als die Uhr am Vereinsheim die neunundachtzigste Minute anzeigte, stand es 1:1. Ein Punkt. Genug.
Dann, in der neunzigsten Minute, fiel im ein Spieler aus Buer, und der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Ob es ein Foul war, wird man in Hassel noch diskutieren, wenn es diese Zeitung längst nicht mehr gibt. Zum Elfmeter trat Dennis Kaya an, neunzehn Jahre alt, Buers bester Torschütze, aufgewachsen drei Straßen von der Kanalstraße entfernt. Grabowski sah ihn an, lange und, wie Zeugen berichten, mit einer gewissen Zärtlichkeit. Dann stellte er sich nicht in die Mitte des Tores, sondern einen halben Meter nach links.
Kaya schoss nach links. Grabowski musste sich kaum bewegen. Der Ball von seinem Bauch ins Seitenaus, der Schiedsrichter pfiff ab, und 143 Zuschauer, zwei Hunde und der Mann mit dem Schlüssel stürmten den Platz. Glückauf war gerettet. Gefragt, woher er gewusst habe, wohin Kaya schießen würde, sagte Grabowski dem Berichterstatter, während er schon wieder die aufschloss: „Der Junge hat sich bei mir zwölf Jahre lang jede gemischte selbst zusammengestellt. Fängt immer links an. Erst die Colafläschchen, dann die sauren Schlangen. der Mensch als Kind macht, macht er auch im
Der Vollständigkeit halber sei noch berichtet, dass die an diesem Abend restlos ausverkauft war. Gegen acht, als der Regen endlich nachließ, kam auch Dennis Kaya vorbei, im Trainingsanzug von Buer, mit nassen Haaren. Er kaufte eine gemischte für einen Euro. Der Berichterstatter, der zufällig danebenstand, kann dass er sie zum ersten Mal in seinem Leben von rechts zusammenstellte.
Comprehension check
0/4 answered
1. Why did Glückauf need a new goalkeeper during the match?
2. What is Heinz Grabowski's reputation at the club?
3. How did Grabowski know where Kaya would shoot the penalty?
4. What does Kaya do at the end of the story?