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Short story

Taxi ohne Ziel

At two in the morning in Hamburg, an old lady gets into Emre's taxi and refuses to say where she wants to go.

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Words to know (12)
  • der Schoß · lap
  • verwirrt · confused
  • gelaufen sein (ugs.) · to be over, to be a write-off (colloquial)
  • das Taxameter · taxi meter
  • der Kehrwagen · street sweeper (vehicle)
  • der Reeder · shipowner
  • die Imbissbude · snack bar, food stall
  • jemanden beschleichen · to creep up on someone (of a feeling)
  • die Beerdigung · funeral
  • hupen · to honk, to hoot
  • jemanden absetzen · to drop someone off
  • das Rotklinkerhaus · red-brick house (typical of Hamburg)

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Kurz nach zwei stieg die alte Dame am Dammtor ein, und Emre Kaya wusste sofort, dass die Nacht noch lang werden würde. Sie trug einen Hut, wie ihn seit fünfzig Jahren niemand mehr trug, und hielt ihre Handtasche auf dem wie ein Kind, das man nicht wecken will. „Fahren Sie einfach“, sagte sie. Wohin denn? „Das sage ich Ihnen unterwegs.“

Na wunderbar. Zweiundzwanzig Jahre fuhr er nun Taxi in Hamburg, er hatte Betrunkene von der Reeperbahn nach Pinneberg gebracht, eine Geburt auf der Köhlbrandbrücke miterlebt und einmal einen Fußballprofi, der auf der Rückbank geweint hatte. Fahrgäste ohne Ziel aber waren die schlimmsten. Entweder hatten sie kein Geld, oder sie hatten etwas vor, das man lieber nicht wissen wollte. Oder sie waren und dann musste man irgendwann die Polizei rufen, und die Nacht war ohnehin Er schaltete das ein und fuhr Richtung Alster, weil ihm nichts Besseres einfiel.

„Zum Fischmarkt“, sagte sie an der Lombardsbrücke. Und am Fischmarkt, wo um diese Uhrzeit nur ein paar Möwen und ein unterwegs waren, sagte sie: „Jetzt die Elbchaussee hinaus. Langsam, bitte.“ Sie sah aus dem Fenster, als lese sie etwas ab. Bei einer Villa in Othmarschen ließ sie ihn halten. „Hier hat er einmal einen abgeholt, jeden Donnerstag, sieben Jahre lang. Der Mann hat nie Trinkgeld gegeben. Nicht ein einziges Mal.“ Wer denn, er? Im Rückspiegel sah Emre sie lächeln. „Das sage ich Ihnen unterwegs.“

Es ging weiter nach Övelgönne, wo sie ihn bat, mit laufendem Motor zu warten, während sie im Dunkeln am Elbstrand stand und den Containerschiffen zusah. Dann zu einer in Altona, die längst geschlossen hatte; hier habe es einmal die beste Currywurst nördlich des Mains gegeben. Dann zur Tankstelle am Ring 2, an der man, wie sie sagte, um vier Uhr morgens die ehrlichsten Gespräche der Stadt führen könne. Emre kannte die Tankstelle. Er kannte auch die Er hatte dort selbst gegessen, in seinen ersten Jahren, bevor sie zugemacht hatte. Allmählich ihn ein Verdacht.

„Mein Mann ist vierzig Jahre Nacht gefahren“, sagte sie schließlich, als sie auf der Willy-Brandt-Straße an einer roten Ampel standen, die um diese Uhrzeit vollkommen sinnlos war. „Taxi. Von neunzehn bis fünf. Ich habe ihn morgens kommen sehen und abends gehen, und dazwischen hatte er ein ganzes zweites Leben, von dem ich nur die Geschichten kannte. Ich bin nie mitgefahren. Er wollte das nicht. ‚Die Nacht ist nichts für dich, Inge‘, hat er gesagt.“ Sie machte eine Pause. „Morgen um elf ist die Ich dachte, ich sollte vorher wenigstens einmal sehen, wo er die ganze Zeit war.“

Emre sagte nichts. Was hätte er auch sagen sollen? Er dachte an seine eigene Frau, die jetzt in Wilhelmsburg schlief und von seinen Nächten auch nur die Geschichten kannte, und auch davon nur die lustigen. Er dachte daran, wie oft er gesagt hatte, sie solle sich keine Sorgen machen. Die Ampel wurde grün. Er fuhr nicht los. Hinter ihnen niemand, weil niemand hinter ihnen war.

Gegen halb fünf, als es über den Kränen im Hafen grau wurde, er sie vor einem in Barmbek ab. Das zeigte einhundertachtundzwanzig Euro und vierzig Cent. Sie öffnete die Handtasche, aber Emre hatte bereits die Taste gedrückt, und die Ziffern waren verschwunden. „Kollegentarif“, sagte er. Sie sah ihn lange an, als wolle sie widersprechen, und tat es dann doch nicht. „Er hätte Sie gemocht“, sagte sie stattdessen. „Sie fahren genauso langsam wie er.“

Auf dem Rückweg kam Emre noch einmal an der Tankstelle am Ring 2 vorbei. Er hielt nicht an. Er fuhr nach Hause, früher als sonst, und weckte seine Frau, um ihr zu erzählen, wie diese Nacht wirklich gewesen war.

Comprehension check

0/4 answered

1. Why did Emre dislike passengers without a destination?

2. What did the places on the route have in common?

3. Why had she never ridden along with her husband?

4. What did Emre do about the fare?