Short story
Die letzte Runde
At her uncle's funeral in a Carinthian valley, a Vienna consultant has to read out the speech he wrote for the occasion, and it is not the speech anyone expected.
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Words to know (12)
- die Leich · funeral (Austrian, colloquial)
- der Kirchtag · church fair, village festival (Austrian)
- die Lade · drawer (Austrian)
- die Schank · bar counter (Austrian)
- krakelig · scrawly
- unrentabel · unprofitable
- der Makler · estate agent
- abrechnen · to settle scores
- der Heustadel · hay barn
- säuerlich · sourly, a little annoyed
- der Gauner · crook, rogue
- zapfen · to pull, to draw (beer)
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Der Onkel Sepp hatte sein Begräbnis so geplant, wie er dreiundvierzig Jahre lang den im Gasthof Wieser geplant hatte: bis ins Letzte, mit Ablaufplan, Sitzordnung und einer Liste, wer was mitzubringen hatte. Theresa fand den Umschlag zwei Tage nach seinem Tod in der unter der zwischen Bierdeckeln und einer Rolle Klopapier. Darauf stand in seiner Schrift: „Für die Resi. Bei der vorlesen. Laut.“
Theresa hieß seit fünfzehn Jahren nicht mehr Resi. Sie war mit neunzehn nach Wien gegangen, hatte Betriebswirtschaft studiert und arbeitete inzwischen bei einer Unternehmensberatung, wo man ihr beigebracht hatte, Gasthöfe wie den Wieser für zu erklären. Ins Gailtal kam sie zu Weihnachten und zu Begräbnissen, und jedes Mal war sie ein wenig erleichtert, wenn der Zug in Villach wieder anfuhr. Der Onkel hatte ihr das Wirtshaus vererbt. Den in Klagenfurt hatte sie schon angerufen, noch bevor sie den Umschlag fand.
Am Tag des Begräbnisses regnete es, wie es sich gehört. Das halbe Tal stand auf dem Friedhof: der Bürgermeister, die Feuerwehr in Uniform, die Kartenrunde vom Donnerstag, die Frau Pirker von der Bäckerei, mit der der Onkel angeblich nie etwas gehabt hatte. Nach dem Segen trat Theresa ans Grab, faltete das Blatt auseinander und las mit der Stimme, die sie in Wien für Präsentationen benutzte: „Liebe Trauergemeinde. Wenn ihr das hört, bin ich tot, und ihr seid nass. Das eine kann ich nicht ändern, das andere hättet ihr ändern können, denn ich hab's euch hundertmal gesagt: Im Gailtal regnet's bei jeder
Ein paar lachten. Der Pfarrer sah zu Boden. Theresa las weiter, und bald begriff sie, dass der Onkel nicht vorhatte, irgendjemanden zu trösten. Er ab. Der Herr Bürgermeister, stand da, schulde dem Gasthof Wieser seit der Wahlfeier 2009 noch elf Achterl und ein Gulasch, und er möge das bitte mit der Resi klären. Der Kommandant der Feuerwehr solle endlich zugeben, dass der Brand im 1998 von seiner eigenen Zigarette gekommen sei, man habe es ohnehin immer gewusst. Und der Frau Pirker danke er für dreißig Jahre Kipferl, und nur für die Kipferl, damit das auch einmal gesagt sei.
Jetzt lachte der ganze Friedhof, sogar der Bürgermeister, wenn auch etwas Die Frau Pirker weinte und lachte gleichzeitig. Theresa merkte, dass ihre Präsentationsstimme verschwunden war; sie las jetzt so, wie man im Tal redet, langsam und mit allen Vokalen, und sie hatte keine Ahnung, wann das passiert war. Dann kam der letzte Absatz, und der Friedhof wurde still.
„Und jetzt zur Resi“, las sie. „Die Resi wird das Wirtshaus verkaufen wollen. Sie hat recht, es rentiert sich nicht, das hat es nie getan. Aber ein Wirtshaus muss sich nicht rentieren, Resi, ein Wirtshaus ist der Ort, wo die Leut' hingehen, wenn sie sonst nirgends hinkönnen. Verkauf es ruhig. Aber vorher stellst du dich einen Sommer lang hinter die Einen einzigen. Wenn du dann noch willst, ruf den an, den Herrn Doktor Rainer in Klagenfurt, der hat eh schon dreimal bei mir angefragt. Grüß ihn schön von mir. Er ist ein
Danach, so stand es im Ablaufplan, ging man ins Wirtshaus. Die erste Runde zahlte laut Testament der Verstorbene, die zweite der Bürgermeister, „er weiß, warum“. Theresa hatte nicht vorgehabt, sich hinter die zu stellen. Aber die Kellnerin war über achtzig und weinte, die Feuerwehr hatte Durst, und irgendwer musste das Bier Sie schlecht, mit viel zu viel Schaum, und der Kommandant sagte, das sei genau wie beim Sepp am Anfang, 1981, und das sei als Kompliment gemeint.
Gegen Mitternacht, als die Letzten gegangen waren, saß Theresa allein in der Gaststube, zwischen leeren Gläsern, mit feuchten Haaren und einem Geschirrtuch über der Schulter. Auf ihrem Telefon war eine Nachricht des ob sie morgen Zeit für eine Besichtigung habe. Sie las sie zweimal. Dann schrieb sie zurück, morgen gehe es leider nicht, und im Sommer auch nicht, sie müsse arbeiten. Erst als sie das Telefon weglegte, fiel ihr auf, dass sie mit „Resi“ unterschrieben hatte.
Comprehension check
0/4 answered
1. What had Theresa already done before she found the envelope?
2. What is the main tone of Uncle Sepp's speech?
3. What change does Theresa notice in herself while reading?
4. What does the ending suggest?