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Short story

Die Pilzstelle

A retired judge in the Bavarian Forest finds that someone has been raiding his secret mushroom spot, and he investigates the case as if it were in court.

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Words to know (12)
  • die Brotzeit (bayr.) · snack, packed lunch (Bavarian)
  • der Steinpilz · porcini, cep (mushroom)
  • verschweigen · to keep quiet about, to conceal
  • plündern · to plunder, to raid
  • der Kenner · expert, connoisseur
  • das Indiz · piece of (circumstantial) evidence
  • die Vernehmung · questioning, interrogation
  • die Wildkamera · wildlife (trail) camera
  • der Loden · loden (thick woollen cloth)
  • ohne Umschweife · without beating about the bush
  • der Freispruch · acquittal
  • die Auflage · condition (attached to a ruling)

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Gottfried Haslbeck, Vorsitzender Richter am Landgericht a. D., hatte in seinem Leben viele Geheimnisse gehört und die meisten davon für sich behalten. Das wichtigste aber war sein eigenes: eine Stelle am Hang unterhalb des Falkensteins, zwischen einer umgestürzten Fichte und einem moosbewachsenen Felsblock, an der im September die standen wie Zuschauer auf einer Tribüne. Sein Vater hatte sie ihm 1962 gezeigt, unter der Bedingung, dass er sie niemals verrate. Nicht einmal seine Frau Rosi wusste davon. Er hatte es ihr zweiundvierzig Jahre lang was er für eine beachtliche Leistung hielt.

An einem Dienstag im September fand er die Stelle Nicht verwüstet, das wäre beinahe tröstlicher gewesen, sondern sorgfältig abgeerntet: sauber abgeschnittene Stiele, kein zertretenes Moos, die ganz kleinen Pilze stehen gelassen, damit sie nachwachsen konnten. Hier war kein Ausflügler am Werk gewesen. Hier war ein gewesen. Haslbeck stand lange vor der umgestürzten Fichte und spürte etwas, das er seit seiner Pensionierung nicht mehr gespürt hatte: den Ehrgeiz, einen Fall aufzuklären.

Er ging vor, wie er es gewohnt war. Am Küchentisch legte er eine Akte an, nummerierte die und erstellte eine Liste der Verdächtigen. Da war der Nachbar, der Kronawitter Sepp, der jeden Herbst behauptete, er finde „nix, gar nix“, und trotzdem nach Pilzen roch. Da war der junge Förster, der zu viel im Wald herumlief, um unschuldig zu sein. Und da waren die Urlauber aus dem Norden, die in Funktionsjacken durch den Bayerischen Wald zogen und alles fotografierten, was nicht davonlief. Rosi sah ihm eine Weile über die Schulter, sagte, er solle die nicht vergessen, und ging in den Garten.

Die des Kronawitter Sepp am Gartenzaun verlief ergebnislos; der Mann log zwar, aber offenkundig über etwas anderes. Also griff Haslbeck zu modernen Ermittlungsmethoden. Im Baumarkt in Regen kaufte er eine wie sie Jäger an Bäume schnallen, um nachts Hirsche und Wildschweine zu fotografieren, und befestigte sie mit zitternden Fingern an der Fichte. Drei Tage später holte er die Speicherkarte und setzte sich mit dem Laptop seiner Enkelin an den Küchentisch.

Die Bilder zeigten einen Fuchs, zwei Rehe und, am Donnerstag um 5:43 Uhr, eine Gestalt in einer grünen die sich mit einem Korb über die beugte. Er kannte die Jacke. Es war seine eigene, die er seit Jahren nicht mehr trug und die im Flur am dritten Haken hing. Er kannte auch den Korb. Und er kannte die Art, wie die Gestalt sich mit einer Hand am Felsblock abstützte, wegen des Knies, das sie sich vor zwanzig Jahren beim Skifahren verdreht hatte.

Rosi gestand ohne noch bevor er die Beweise vorlegen konnte. Sie kenne die Stelle seit 1983. Sie sei ihm damals nachgegangen, weil sie geglaubt habe, er treffe sich mit einer anderen, und dann sei sie sehr erleichtert und ein bisschen enttäuscht gewesen, dass es nur Pilze waren. Seither gehe sie jedes Jahr ein paar Tage vor ihm hin und lasse ihm immer genug übrig, damit er sich freue. Nur heuer habe der Wirt vom „Hirschen“ in Zwiesel mehr gebraucht als sonst. Der zahle nämlich gut. Und von irgendetwas müsse die Kreuzfahrt ja bezahlt werden, die er seit vierzig Jahren für Unsinn halte.

Haslbeck schwieg lange. Dann dachte er an die in Rahm mit Semmelknödel“ im „Hirschen“, die er jedem Besuch aus der Stadt empfahl, mit dem Hinweis, so gute Pilze finde man nur, wenn man wisse, wo. Er verkündete sein Urteil beim Abendessen: unter einer Nächstes Jahr gingen sie zusammen. Rosi nickte. Um halb sechs, sagte sie. Und die solle er selber anziehen, die stehe ihm ohnehin besser.

Comprehension check

0/4 answered

1. What made Haslbeck sure that an expert had been at his spot?

2. How did Haslbeck finally find the culprit?

3. How had Rosi discovered the spot in 1983?

4. What is ironic about the mushroom dish at the "Hirschen"?