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Short story

Die Stadt, die es nicht gibt

A woman at the Bielefeld tourist office invites a retired physics teacher who is convinced that her city doesn't exist to come and see for himself.

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Words to know (12)
  • das Dementi · official denial
  • aus der Welt schaffen · to put an end to, to get rid of
  • beteuern · to insist, to protest
  • der Nachweis · proof
  • aus einer Laune heraus · on a whim
  • sich etwas vorbehalten · to reserve the right to something
  • die Schlussfolgerung · conclusion
  • beweiskräftig · conclusive, having the force of proof
  • die Kulisse · stage set, backdrop
  • der Pickert · potato pancake from the Bielefeld region
  • unter Vorbehalt · with reservations, provisionally
  • abstempeln · to postmark

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Seit dreiundzwanzig Jahren arbeitete Anke Mewes bei der Bielefelder Stadtmarketing-Gesellschaft, und seit dreiundzwanzig Jahren beantwortete sie Briefe von Menschen, die ihr mitteilten, dass es sie nicht gebe. Genauer gesagt: dass es die Stadt nicht gebe, in der sie arbeitete. Die Behauptung stammte aus der Frühzeit des Internets, ein Studentenscherz, der sich wie ein Gerücht verbreitet hatte und den kein aus der Welt konnte, im Gegenteil. Jedes das wusste Anke inzwischen, galt den Anhängern der Theorie als weiterer Beweis. Wer, der nichts zu verbergen hatte, würde schon so hartnäckig dass es ihn gibt?

Die meisten Briefe waren witzig gemeint, und Anke beantwortete sie mit einem vorformulierten Schreiben und einem Kugelschreiber mit Stadtwappen. Der Brief von Eberhard Kolb aus Rosenheim war anders. Er umfasste elf Seiten, enthielt drei Tabellen und eine Landkarte, auf der Herr Kolb mit rotem Filzstift Fahrzeiten eingetragen hatte, und er war vollkommen ernst gemeint. Er sei, schrieb er, pensionierter Physiklehrer und habe sich sein Leben lang nur auf das verlassen, was er selbst gemessen habe. Er habe noch nie jemanden getroffen, der in Bielefeld gewesen sei. Er bitte daher höflich um einen empirischen

Anke hätte ihm einfach den Kugelschreiber schicken können. Stattdessen schrieb sie, aus einer heraus, die sie sich später selbst nicht erklären konnte, zurück: Der beste sei ein Besuch. Sie lade ihn ein. Zwei Wochen später kam die Antwort, diesmal auf einer Postkarte. Er nehme die Einladung an und treffe am 14. Juni um 11.52 Uhr mit dem ICE aus Hannover ein. Er bitte allerdings um Verständnis, dass er sich seine erst nach Abschluss der Untersuchung zu ziehen.

Herr Kolb war ein kleiner, akkurater Mann mit Sonnenhut und einem Notizbuch, in das er alles eintrug. Anke zeigte ihm die Sparrenburg, von der aus man die ganze Stadt überblickte. Er notierte: „Panorama. Plausibel, aber nicht Sie zeigte ihm die Universität, deren Hauptgebäude so groß war, dass sich selbst Studenten darin verirrten. Er notierte: „Beeindruckend. Könnte sein.“ Sie führte ihn in die Altstadt und kaufte ihm einen eine Art Kartoffelpfannkuchen mit Rosinen, den man nur in dieser Gegend aß, und er kaute lange und nachdenklich darauf herum. „Das“, sagte er schließlich, „erfindet niemand.“

Am Nachmittag, auf einer Bank am Siegfriedplatz, wurde er stiller. Er blätterte in seinem Notizbuch, ohne etwas einzutragen, und dann zog er ein Foto aus der Innentasche seiner Jacke. Es zeigte eine junge Frau mit kurzen Haaren vor einem Haus mit grüner Tür. „Meine Frau“, sagte er. „Sie ist hier geboren. Mit achtzehn ist sie weggegangen und nie zurückgekommen. Wenn jemand sie fragte, woher sie stamme, sagte sie: aus Bielefeld, aber das gibt es ja nicht. Sie fand das lustig. Ich glaube, sie meinte etwas anderes.“ Er schwieg eine Weile. „Sie ist im Winter gestorben. Ich wusste nicht, wie man hierherfährt, ohne einen Grund zu haben. Also habe ich mir einen gesucht.“

Anke sah das Foto lange an. Dann fragte sie, ob er die Adresse kenne. Er kannte sie. Das Haus stand noch, zwei Straßen weiter. Die Tür war inzwischen grau gestrichen, und im Fenster hing das Schild einer Physiotherapiepraxis. Herr Kolb stand eine Weile davor, die Hände auf dem Rücken, wie jemand, der ein Experiment beobachtet, dessen Ergebnis er längst kennt. Dann fotografierte er die Tür, einmal, sorgfältig, und steckte das Handy weg.

Am Bahnhof gab er ihr die Hand. „Ich muss Ihnen leider mitteilen“, sagte er, „dass meine Untersuchung zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen ist. Ich habe einen Ort gesehen, an dem ich mich befunden habe. Mehr kann die Wissenschaft nicht behaupten.“ Er machte eine Pause. „Aber meine Frau hat sich geirrt. Es gibt ihn. Es gibt ihn sogar sehr.“ Dann stieg er in den Zug nach Hannover, pünktlich um 17.04 Uhr.

Am Montag legte Anke ihr vorformuliertes Antwortschreiben zur Seite. In das Besucherbuch des Stadtmarketings, in das sonst Schulklassen ihre Namen schrieben, trug sie einen einzigen Satz ein: „Existenz bestätigt am 14. Juni durch einen Physiker aus Rosenheim, unter Eine Woche später kam eine Postkarte ohne Text. Auf der Vorderseite war die Sparrenburg abgebildet. Sie war in Bielefeld

Comprehension check

0/4 answered

1. According to Anke, what happens when the city officially denies the rumour?

2. How was Herr Kolb's letter different from the others?

3. What was the real reason for Herr Kolb's visit?

4. What does the postcard at the end suggest?