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Short story

Zwei Tassen auf einmal

In Berlin during the hyperinflation of 1923, a waitress notices a piano teacher who always orders two cups of coffee at the same time.

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Words to know (12)
  • die Kreide · chalk
  • die Lohntüte · pay packet
  • kippen · to tip, to dump
  • abgetragen · threadbare, worn
  • der Betrug · fraud, cheating
  • beleidigen · to insult
  • das stimmt so · keep the change, that's fine
  • verstimmt · out of tune
  • der Flügel · grand piano
  • die Rentenmark · new currency introduced in November 1923 to end hyperinflation
  • sich lohnen · to be worth it
  • überschlagen · to work out roughly (a sum)

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Im Herbst 1923 kostete in Berlin eine Tasse Kaffee am Morgen etwas anderes als am Nachmittag, und Grete Wolff, Kellnerin im Café Brandes in Schöneberg, hatte gelernt, die Preise mit auf eine Tafel zu schreiben, weil man sie zweimal täglich wegwischen musste. Im Sommer hatte eine Tasse noch einige Tausend Mark gekostet, im Oktober waren es Millionen, und an einem Montag Ende Oktober schrieb Grete zum ersten Mal ein Wort an die Tafel, das sie bis dahin nur aus dem Rechenunterricht kannte: Milliarden.

Die Gäste kamen trotzdem, oder gerade deshalb. Wer Geld hatte, gab es aus, bevor es nichts mehr wert war, und wer keins hatte, saß wenigstens im Warmen. Die Arbeiter wurden inzwischen zweimal am Tag bezahlt, und mittags standen Frauen vor den Fabriktoren, die ihren Männern die aus der Hand nahmen und sofort zum Bäcker rannten. Herr Brandes, ein dicker Mann mit nervösen Händen, verbrachte seine Tage damit, Geldscheine zu zählen, die er abends in Waschkörben in den Keller trug. Man erzählte sich von einem Mann, dem man einen solchen Korb gestohlen hatte: Die Diebe hatten das Geld auf die Straße und nur den Korb mitgenommen.

Ein Gast fiel Grete besonders auf. Herr Morgenroth, ein Klavierlehrer mit Mantel und erstaunlich sauberen Schuhen, kam jeden Nachmittag um drei und bestellte immer zwei Tassen Kaffee auf einmal. Beim ersten Mal hatte sie gefragt, ob er jemanden erwarte. „Nur die Zukunft, Fräulein“, hatte er gesagt. „Und die wird teurer.“ Er trank die erste Tasse heiß und die zweite kalt, denn die zweite hätte, um vier bestellt, schon das Doppelte gekostet. Herr Brandes hielt das für Grete hielt es für die einzige vernünftige Rechnung, die sie seit Monaten gesehen hatte.

An einem nassen Donnerstag kam Morgenroth später als sonst. Er bestellte seine zwei Tassen, trank sie schweigend und legte dann einen Packen Scheine auf den Tisch, mit dem ihn, wie er sagte, die Mutter einer Schülerin am Morgen bezahlt hatte. Grete zählte. Am Morgen hätte das Geld für zehn Tassen gereicht. Inzwischen war der Preis an der Tafel zweimal weggewischt worden. Es reichte nicht einmal für eine. Morgenroth betrachtete die Scheine, als hätten sie ihn persönlich Dann stand er auf und sagte sehr ruhig, den Rest werde sein Mantel bezahlen. Er begann, ihn auszuziehen.

„Lassen Sie den an“, sagte Grete. Sie sah zur Theke, wo Herr Brandes ihr gerade den Rücken zukehrte und Scheine bündelte, und schob das Geld in ihre Schürzentasche. „Das so.“ Morgenroth sah sie lange an. „Fräulein Wolff“, sagte er, „Sie lügen schlecht. Aber ich nehme es an, unter einer Bedingung. Sie haben mir einmal erzählt, dass Sie als Kind Klavier spielen wollten. Kommen Sie am Sonntag zu mir, Goltzstraße 14, dritter Stock. Die Stunde kostet zwei Tassen Kaffee. Das ist der einzige Preis in dieser Stadt, der nicht steigt.“

Sie ging hin. Sie ging den ganzen November über jeden Sonntag hin und lernte auf einem dessen Elfenbeintasten gelb geworden waren, die ersten Takte einer Sonate, deren Namen sie sich nicht merken konnte. Morgenroth war ein strenger Lehrer und ein ebenso schlechter Lügner wie sie. Er behauptete, sie habe Talent.

Mitte November kam die Über Nacht, so schien es, bekam das Geld wieder ein Gewicht. Herr Brandes wischte die Tafel ab und schrieb einen Preis darauf, der zu Gretes Verwunderung eine ganze Woche lang stehen blieb. Die Waschkörbe verschwanden aus dem Keller. Die Leute bestellten wieder wie Menschen, eine Tasse nach der anderen, und tranken sie, solange sie heiß war.

Auch Morgenroth kam wieder, pünktlich um drei, in seinem Mantel. Grete stand schon mit dem Block neben ihm. „Eine Tasse, Herr Morgenroth? Es sich nicht mehr, zwei zu bestellen.“ Er nickte. „Eine Tasse“, sagte er. Dann, nach kurzem Zögern, als müsste er die Rechnung noch einmal „Nein. Zwei. Und wenn Herr Brandes nichts dagegen hat, setzen Sie sich doch zu mir, solange die zweite noch heiß ist.“

Comprehension check

0/4 answered

1. Why did Grete write the prices in chalk?

2. Why did Herr Morgenroth always order two cups at once?

3. What happened on the wet Thursday?

4. What does Morgenroth mean by ordering two cups at the end?