Deep End
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Short story

Nachtprogramm

A late-night radio host in Saarbrücken has a favourite caller who only ever talks about birds, until one night he talks about the stars instead.

Tap a dotted word for its meaning.

Words to know (12)
  • der Nachtfalter · moth
  • der Widerhaken · barb (a hidden sting)
  • die Hütte · steelworks (in the Saarland)
  • der Star · starling
  • stilllegen · to shut down, to decommission
  • der Hochofen · blast furnace
  • rückwirkend · retrospectively
  • ungeschehen machen · to undo
  • sich bewähren · to prove its worth
  • heiser · hoarse
  • unterdrückt (Nummer) · withheld (phone number)
  • tadellos · flawlessly

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Die Sendung hieß lief von Mitternacht bis vier Uhr früh auf einem kleinen Saarbrücker Sender, und Nina Becker moderierte sie seit sieben Jahren. Wer um diese Zeit Radio hörte, war Lkw-Fahrer, Krankenschwester, Bäcker oder schlaflos, und die meisten, die anriefen, gehörten zur letzten Gruppe. Nina hatte gelernt, ihnen zuzuhören, ohne sie zu trösten, denn Trost, das wusste sie, klang um drei Uhr nachts schnell nach Werbung. Ihre Stimme war tief und ruhig, und manche Hörer schrieben ihr, sie könnten nur einschlafen, wenn sie rede. Sie nahm das als Kompliment, wenn auch als eines mit

Der Anrufer, den das Team „den Vogelmann“ nannte, meldete sich jeden Donnerstag gegen halb drei. Er nannte sich Gerd aus Völklingen, hatte vierzig Jahre auf der gearbeitet und redete über Vögel. Über die Amsel, die in seinem Garten jeden Morgen vor allen anderen sang. Über die die im Herbst in riesigen Schwärmen über den kreisten, als suchten sie etwas, das nicht mehr da war. Persönliches erzählte er nie. Nina mochte ihn. Er war der einzige Anrufer, der nie etwas von ihr wollte.

Ihr eigener Vater hatte die Familie verlassen, als sie neun war. Er war eines Morgens zur Schicht gegangen und nicht zurückgekommen, und die Mutter hatte danach seinen Namen nie wieder ausgesprochen, als könne man einen Menschen auf diese Weise machen. Nina wusste nur, dass er irgendwo im Saarland lebte. Gesucht hatte sie ihn nie. Wozu auch? Wer gehen wollte, sollte gehen. Das war ihr Grundsatz, und er hatte sich in sieben Jahren Nachtradio

In einer Novembernacht klang der Vogelmann anders. Seine Stimme war und er sprach langsamer als sonst. Er erzählte nicht von Vögeln, sondern von den Sternen. Früher, sagte er, habe er einem kleinen Mädchen, das Angst vor der Dunkelheit hatte, die Sternbilder beigebracht, damit es nachts etwas zu tun habe. „Die Kassiopeia hat ihr am besten gefallen“, sagte er. „Weil sie aussieht wie ein W. Und die Kleine hat gesagt, das W stehe für wach, weil man ja wach sein müsse, um es zu sehen.“

Nina hörte ihre eigene Stimme sagen: „Das ist eine schöne Erinnerung, Gerd.“ Sie klang ruhig und tief wie immer. Ihre Hand dagegen hatte, ohne dass sie es merkte, den Regler ihres Mikrofons ein Stück heruntergezogen. Kassiopeia. Das W. Sie hatte seit dreißig Jahren nicht mehr an dieses Wort gedacht, und jetzt lag es da, mitten in ihrer Sendung, wie ein Stein, den jemand durchs Fenster geworfen hatte. Sie sah auf das Display. Die Nummer war wie immer.

„Was ist aus dem Mädchen geworden?“, fragte sie. Ihr Producer Tobias hinter der Glasscheibe hob den Kopf, denn persönliche Fragen waren nicht ihr Stil. Am anderen Ende war es lange still. „Ich weiß es nicht genau“, sagte der Vogelmann schließlich. „Ich glaube, sie arbeitet nachts. Ich glaube, sie hat eine sehr schöne Stimme.“ Dann sagte er: „Danke, dass ich anrufen durfte“, wie jeden Donnerstag, und legte auf.

Nina spielte ein Lied, dann noch eins, dann die Nachrichten. Den Rest der Sendung moderierte sie so dass Tobias ihr hinterher sagte, sie sei selten so gut gewesen. Sie nickte. Um vier Uhr ging sie nicht nach Hause. Sie bat ihn, ihr die Nummer aus dem System herauszusuchen, das jeden Anruf speicherte, auch die was eigentlich nicht erlaubt war. Tobias, der sie in sieben Jahren nie um etwas hatte bitten hören, tat es, ohne eine einzige Frage zu stellen.

Sie trat auf den Parkplatz hinter dem Funkhaus. Die Nacht war klar und kalt, und über den Dächern stand, wo sie immer gestanden hatte, die Kassiopeia. Nina wählte. Es klingelte viermal. Dann nahm jemand ab und sagte nichts, und sie hörte ihn atmen, so wie sie dreißig Jahre lang niemanden hatte atmen hören wollen. „Das W“, sagte sie. Eine Pause. Dann, sehr leise: „Steht für wach.“

Comprehension check

0/4 answered

1. Why did Nina like the caller the team called "the bird man"?

2. What was Nina's attitude towards her father before that night?

3. What makes Nina realise who the caller is?

4. What does Nina do after the show?