Short story
Was der Hund sagt
A Hamburg family buys a collar that translates their dog's barking into speech, and the dog turns out to have a lot to say about them.
Tap a dotted word for its meaning.
Words to know (12)
- winseln · to whimper, whine
- der Unfug · nonsense
- begeisterungsfähig · easily enthused
- widerstandslos · without resistance
- gesetzt · mature, sedate (of a person or voice)
- allenfalls · at most
- die Bandbreite · range
- das Kleingedruckte · the small print
- der Halter · (pet) owner, keeper
- der Trotz · defiance, stubbornness
- trotten · to trot, plod
- die Schublade · drawer
Select any text to highlight it, or a word to translate it or save it to your flashcards.
Zu ihrem elften Geburtstag wünschte sich Ida Petersen nur eines: den „Bellomat“, ein Halsband mit eingebautem Lautsprecher, das angeblich mithilfe künstlicher Intelligenz das Bellen, Knurren und eines Hundes in menschliche Sprache übersetzte. Ihre Mutter Svenja, Anwältin und von Berufs wegen misstrauisch, hielt das Gerät für teuren Ihr Vater Malte, Musiklehrer und von Natur aus hatte es schon bestellt, bevor die Diskussion richtig begonnen hatte. Knut, ein Dackelmischling mit melancholischen Augen, ließ sich das Halsband anlegen. Ida wählte als Stimme die Option „warm, männlich,
Die Familie hatte mit „Hunger!“, „Ball!“ oder „Ich liebe euch!“ gerechnet. Stattdessen blieb Knut beim ersten Abendspaziergang an der Haustür stehen, gab ein kurzes Brummen von sich, und das Halsband sagte mit sonorer Stimme: „Ich möchte anmerken, dass wir diesen Weg gestern schon gegangen sind. Und vorgestern. Und eigentlich seit drei Jahren.“ Malte lachte so laut, dass im Erdgeschoss ihres Eimsbütteler Altbaus ein Fenster aufging. Svenja lachte nicht.
In den folgenden Tagen erwies sich Knut als Kritiker von erstaunlicher Das Trockenfutter, ließ er wissen, schmecke wie der Karton, in dem es geliefert werde. Maltes abendliches Gitarrenspiel kommentierte er mit einem langen Seufzer, den der Bellomat als „Bitte nicht schon wieder Wonderwall“ übersetzte. Und als die Eltern eines Abends in der Küche darüber stritten, wer die Spülmaschine nicht ausgeräumt habe, hob Knut den Kopf von seiner Decke und bemerkte: „Ihr streitet nicht über die Spülmaschine. Ihr streitet darüber, wer müder ist.“ Danach war es in der Küche sehr still.
Svenja tat, was sie am besten konnte: Sie las das Auf Seite vierzehn der Nutzungsbedingungen fand sie den entscheidenden Satz. Die Übersetzungen beruhten auf einem Sprachmodell, das fortlaufend die Gespräche im Haushalt auswerte, und spiegelten daher „möglicherweise eher die Erwartungen der wider als das tatsächliche Innenleben des Tieres“. Sie las es zweimal und legte das Tablet dann langsam auf den Tisch. Der Hund sprach also gar nicht für sich. Er sprach für sie, für die ganze Familie, mit den Sätzen, die sich keiner von ihnen zu sagen getraut hatte. Das war, je nachdem, wie man es betrachtete, ein Betrug oder eine Familientherapie zum Sonderpreis.
Sie erzählte Malte davon, und Malte, ganz gegen seine Gewohnheit, sagte lange nichts. Dann gab er zu, dass er tatsächlich müde sei, schon seit Monaten, und dass er das Gitarrespielen am Abend eigentlich nur noch aus betreibe. Svenja gab zu, dass sie die Spülmaschine absichtlich nicht ausräumte, weil sie fand, dass sie schon genug ausräumte, im Büro und überhaupt. Es war das ehrlichste Gespräch seit Jahren, und es fand statt, während Knut mit gespitzten Ohren auf dem Sofa lag und kein einziges Wort sagte.
Die eigentliche Prüfung kam an einem Freitag im November. Ida kam aus der Schule, warf ihren Rucksack in die Ecke und setzte sich auf den Boden im Flur. Sie hasse die Schule, sagte sie, und alle in ihrer Klasse, und am meisten sich selbst. Die Eltern standen hilflos in der Tür. Alle schauten auf Knut, als müsse ausgerechnet er nun die richtigen Worte finden. Knut zu Ida hinüber. Das Halsband piepte zweimal und meldete: „Keine Übersetzung verfügbar.“ Dann legte der Hund seinen Kopf auf Idas Knie und ließ ihn dort liegen. Ida vergrub das Gesicht in seinem Fell. „Das hab ich verstanden“, sagte sie leise.
Am Abend nahmen sie Knut das Halsband ab und legten es in die mit den alten Ladekabeln und den Garantiescheinen. Niemand vermisste es wirklich. Nur Malte fragt den Hund manchmal noch, wenn sie an der Haustür stehen: „Na, Knut, wieder dieselbe Runde?“ Und Knut sieht ihn mit seinen melancholischen Augen an, als wolle er sagen, dass man auch ohne Übersetzung wissen könne, was ein anderer denkt, wenn man nur lange genug zusammen dieselben Wege geht.
Comprehension check
0/4 answered
1. What did the family expect the dog to say?
2. What did Svenja discover in the terms of use?
3. What did Malte admit after Svenja's discovery?
4. How does Knut comfort Ida when she comes home upset?