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Short story

Bericht über den Kometen

In October 1811, a Thuringian village pastor writes a dutiful official report on how the great comet has affected his parishioners, and ends up confessing far more than he was asked.

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Words to know (12)
  • das Oberkonsistorium · high consistory (governing body of a Protestant state church)
  • gehorsamst · most obediently (old formal style)
  • wiewohl · although (literary)
  • der Schweif · tail (of a comet)
  • die Mildtätigkeit · charity, charitableness
  • der Bußprediger · preacher of repentance
  • der Oheim · uncle (archaic)
  • ersuchen · to request (formal)
  • jemandem etwas nachsehen · to pardon someone something
  • die Missbilligung · disapproval
  • jemandem aufgehen · to dawn on someone
  • die Ehrerbietung · deference, reverence

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An das Herzogliche zu Weimar. Kranichfeld, den 14. Oktober 1811. Hochwürdige, hochzuverehrende Herren! Ein Hohes hat unter dem Zweiten dieses Monats sämtlichen Pfarrern des Amtes aufgetragen, über die Wirkung des großen Kometen auf die ihnen anvertrauten Seelen gewissenhaft Bericht zu erstatten. Ich komme diesem Befehl nach, ich fürchte, dass mein Bericht nicht in allen Stücken so ausfallen wird, wie es ein Hohes wünschen mag.

Seit Ende August steht das Gestirn allabendlich über den Wäldern gegen Nordwesten, und sein ist inzwischen so lang geworden, dass die Kinder behaupten, man könne ihn mit ausgebreiteten Armen nicht mehr umfassen. Die Wirkung auf die Gemeinde war zunächst die zu erwartende. Der Leineweber Rößner hat seine Kuh verkauft, um, wie er sagt, das Ende der Welt nicht mit Schulden anzutreten; die Witwe Hartung hat ihren gesamten Mehlvorrat verbacken und den Kuchen an die Nachbarn verteilt, was im Ort eine ausgelöst hat, wie ich sie mit keiner Predigt je erzielt habe. Ein durchreisender aus dem Vogtland hat drei Abende lang auf dem Markt gesprochen und den Untergang für den Martinstag angekündigt. Er fand mehr Zuhörer als ich an Ostern.

Ich habe demgegenüber am Sonntag nach Michaelis über den neunzehnten Psalm gepredigt: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.“ Ich habe ausgeführt, dass ein Komet nach allem, was die gelehrten Herren in Bremen und Göttingen darüber schreiben, ein natürlicher Körper sei, der seiner Bahn folge wie der Mond der seinen, und dass man ihn folglich bewundern, nicht aber fürchten solle. Die Gemeinde hat mir aufmerksam zugehört und ist danach geschlossen zum gegangen.

muss ich ferner melden, was ein Hohes vermutlich bereits auf anderem Wege erfahren hat. Der Schulmeister Eckardt besitzt ein Fernrohr, das er von einem in Jena geerbt hat, und er hat mich im September den Kometen mit ihm vom Kirchturm aus zu betrachten, wo der Blick über die Dächer frei sei. Ich habe eingewilligt, in der Überzeugung, dass ein Seelsorger die Werke des Schöpfers nicht schlechter kennen dürfe als ein Schulmeister. Wir sind in der Folge an elf Abenden auf den Turm gestiegen. Der Glöckner hat das Licht unserer Laterne gesehen, und seither erzählt man im Ort, der Pfarrer gebe dem Kometen Zeichen. Die Witwe Hartung hat mich gefragt, ob ich ihm nicht ausrichten könne, er möge doch bitte erst nach der Kartoffelernte kommen. Ich habe es ihr versprochen. Ich bitte, mir diese Lüge sie hat der Frau mehr Ruhe verschafft als alle Astronomie.

Was ich durch das Fernrohr gesehen habe, vermag ich kaum zu beschreiben, und ich bin nicht sicher, ob es in einen amtlichen Bericht gehört. Der Kern ist klein und scharf wie ein Nadelstich, der aber ist nicht, wie man meint, ein Feuer, sondern ein Schleier, durch den man die Sterne dahinter noch erkennt. Der Schulmeister sagte, das Licht dieser Sterne sei schon unterwegs gewesen, lange bevor es Kranichfeld gab. Da habe ich, Gott verzeihe es mir, zum ersten Mal in meinem Amt nicht gewusst, was ich antworten sollte. Wir standen lange schweigend zwischen den Glocken, zwei erwachsene Männer, und froren.

Und nun komme ich zu dem Punkt, um dessentwillen ich fürchte, dass ein Hohes diesen Bericht mit lesen wird. Ich habe einen Sohn, Friedrich, der vor sieben Jahren gegen meinen Willen die Theologie aufgegeben hat, um in Jena die Rechte zu studieren, und der seither mein Haus nicht mehr betreten hat. Ich habe ihm sieben Jahre lang nicht geschrieben, da ich der Meinung war, es sei an ihm, den ersten Schritt zu tun. In der Nacht nach dem elften Turmbesuch habe ich mich hingesetzt und ihm geschrieben. Nicht, weil ich den Untergang der Welt am Martinstag für wahrscheinlich hielte, sondern weil mir dort oben ist, dass ich die Zeit, die mir bleibt, bisher behandelt hatte, als stünde sie unter meiner Verwaltung.

Er ist am vergangenen Sonnabend gekommen, zu Fuß, mit einer Flasche vom diesjährigen Wein, den die Winzer an der Saale, wie er sagt, schon jetzt den Kometenwein nennen. Wir haben sie gemeinsam geleert und sind danach, mit dem Schulmeister, auf den Turm gestiegen. Der Glöckner hat drei Laternen gezählt und ist auf der Stelle zur Witwe Hartung gelaufen.

Ob dies alles als Wirkung des Kometen auf die mir anvertrauten Seelen zu verbuchen ist, überlasse ich dem Urteil eines Hohen Die meine hat er jedenfalls nicht unberührt gelassen. In schuldiger verharre ich als Eines Hohen Diener, Johann Gottfried Ackermann, Pfarrer.

Comprehension check

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1. How did the congregation respond to the pastor's sermon about the comet?

2. Why do people in the village say the pastor is signalling to the comet?

3. What lie does the pastor ask the consistory to forgive?

4. Why did the pastor finally write to his son?