Short story
Nicht lohnend
In 1903, a Berlin publisher of travel guides writes to a widowed innkeeper in a remote Tyrolean valley to announce that he will make her inn famous, and she does everything in her power to stop him.
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Words to know (12)
- gänzlich · completely, entirely
- rühmen · to praise highly
- unberührt · unspoilt, untouched
- die Beschaffenheit · condition, nature
- die Firmung · confirmation (Catholic sacrament)
- auf etwas Wert legen · to set store by something
- gedenken (etwas zu tun) · to intend (to do something), formal
- rechen · to rake
- der Rechen · rake
- unverdrossen · undaunted, tirelessly
- jemanden in Verzweiflung stürzen · to plunge someone into despair
- der Vermerk · note, remark
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Berlin, den 12. März 1903. Sehr geehrte Frau Witwe Gstrein! Gestatten Sie, dass ich mich Ihnen als Herausgeber von „Lehmbrucks Reisehandbüchern“ vorstelle, deren Band „Tirol und Vorarlberg“ in diesem Sommer in elfter, umgearbeiteter Auflage erscheinen soll. Ein Freund, Professor der Geologie, mir Ihr Tal als das schönste und der Ötztaler Alpen und Ihr Gasthaus „Zur Gams“ als den einzigen Ort, an dem man es würdig genießen könne. Ich beabsichtige daher, Unterwinkl mit einem Sternchen auszuzeichnen, und bitte Sie höflichst um Angaben über Bettenzahl, Preise und die des Weges vom Tal herauf. Ihr ergebenster Dr. Konrad Lehmbruck.
Unterwinkl, Post Sölden, den 2. April 1903. Hochgeehrter Herr Doktor! Ihr Brief ist mit drei Wochen Verspätung angekommen, weil der Postbote im Winter nur heraufkommt, wenn er muss, und er muss selten. Das mag Ihnen als Auskunft über die des Weges genügen. Betten habe ich vier, davon eines für den Herrn Pfarrer, wenn er zur kommt. Köchin bin ich selber, Kellnerin auch. Die Milch schmeckt nach Kuh, das Wasser nach Stein und der Wein nach Essig, weil er aus Bozen heraufgetragen wird und unterwegs schlechte Laune bekommt. Auf ein Sternchen lege ich keinen Die Sterne über Unterwinkl sind auch ohne Ihr Buch zu sehen. In aller Hochachtung, Anna Gstrein, verwitwet.
Berlin, den 20. April 1903. Verehrte gnädige Frau! Ihr Brief hat mich, ich gestehe es, nur in meiner Absicht bestärkt. Was Sie als Mangel beschreiben, ist es gerade, was der heutige Reisende sucht: das Echte, das Ursprüngliche, die Milch, die nach Kuh schmeckt. Der Fortschritt, gnädige Frau, lässt sich nicht aufhalten, und es ist besser, er kommt mit einem gewissenhaften Führer in der Hand als ohne. Damit mein Urteil auf eigener Anschauung beruht, ich Sie im Juli persönlich aufzusuchen, unter fremdem Namen, wie es in meinem Hause seit jeher Brauch ist. Ihr Lehmbruck.
Unterwinkl, den 3. Mai 1903. Herr Doktor! Unter fremdem Namen können Sie gern kommen. Ich werde Sie trotzdem erkennen, denn bei mir kommt im Jahr ein Fremder, und der ist meistens ein Geologe, und der klopft an Steine und nicht an Türen. Wenn Sie aber kommen, so gelten folgende Bedingungen. Erstens: Es wird nicht geklagt, weder über das Bett noch über das Wetter. Zweitens: Im Juli ist Heuernte, und wer bei mir isst, der auch. Drittens: Am Sonntag ist Messe, und dass Sie ein Preuße sind, ist keine Entschuldigung, sondern ein Grund mehr. Achtungsvoll, A. G.
Berlin, den 30. September 1903. Liebe Frau Gstrein! Seit drei Wochen bin ich zurück in der Stadt und habe noch immer Blasen an den Händen, die mein Hausarzt für eine Hautkrankheit hält und ich für die schönste Erinnerung meines Lebens. Ich habe Heu nicht gut, aber Ich habe Milch getrunken, die nach Kuh schmeckte, und Wein, der schlechte Laune hatte. Ich habe am Sonntag in der hintersten Bank gesessen und den Pfarrer verstanden, obwohl er Tirolerisch predigte, oder vielleicht gerade deshalb. Und ich habe, gnädige Frau, eine Entscheidung getroffen, die meinen Verleger in wird.
Der Eintrag über Unterwinkl wird in der elften Auflage wie folgt lauten: „Unterwinkl, 1 St. vom Talboden, steiler, schlecht unterhaltener Weg. Gasthaus einfach, 4 Betten. Verpflegung bescheiden. Nicht lohnend.“ Ich darf Ihnen versichern, dass kein Leser meines Hauses je einen Ort aufgesucht hat, der mit diesen beiden Worten bedacht wurde. Sollte mein Bett im kommenden Juli noch frei sein, so bitte ich, es mir vorzumerken. Ihr in jeder Hinsicht ergebener Konrad Lehmbruck.
Unterwinkl, den 8. Oktober 1903. Herr Doktor! Das Bett ist frei. Der auch. A. G.
Anmerkung des Herausgebers dieser Briefe: Der „nicht lohnend“ findet sich unter dem Stichwort Unterwinkl in sämtlichen Auflagen von „Lehmbrucks Reisehandbüchern“ bis zur letzten im Jahr 1938. Ihr Verfasser verbrachte, wie das Gästebuch der „Gams“ ausweist, neunundzwanzig Sommer im Tal. Der letzte Eintrag in seiner Handschrift lautet: „Wieder nicht lohnend. Gott sei Dank.“
Comprehension check
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1. What does Dr. Lehmbruck originally plan to do?
2. What does Anna Gstrein's first reply say about the way up to the valley?
3. Which of these is one of her conditions for his visit?
4. Why does he describe Unterwinkl as "not worth it" in his guide?