Short story
Der Kaffeeriecher
In Prussia in 1781, when roasting your own coffee has become a crime, a one-handed war veteran paid to sniff out offenders follows his nose to the house of a widow.
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Words to know (12)
- die Regie · (here) state monopoly administration
- ausgedient · discharged, retired from service
- die Kartätsche · canister shot (artillery)
- der Talg · tallow
- das Patent · (here) official warrant, commission
- beschlagnahmen · to confiscate
- die Akzise · excise duty
- die Haube · bonnet, cap
- ohne Befund · nothing found (official phrase)
- treuherzig · guileless, trusting
- die Löhnung · pay (of a soldier)
- der Lebertran · cod-liver oil
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Im Jahre 1781, als Seine Majestät der König von Preußen befand, dass seine Untertanen zu viel Geld für ausländische Bohnen ausgäben und zu wenig für einheimisches Bier, mit dem er schließlich selbst groß geworden sei, wurde das Rösten von Kaffee zur Staatsangelegenheit. Fortan durfte nur noch die königliche rösten, in versiegelten Trommeln und zu Preisen, bei denen selbst ein wohlhabender Tuchhändler zweimal schluckte, bevor er bestellte. Und weil ein Verbot ohne Aufseher bloß eine Empfehlung ist, stellte man Aufseher ein: Soldaten, die man ohnehin versorgen musste, Männer mit guten Nasen und wenig Beschäftigung. Das Volk nannte sie die Kaffeeriecher.
Gottlieb Krause war einer von ihnen. Bei Torgau hatte ihm eine österreichische die linke Hand genommen und dafür, wie er gern sagte, den Geruchssinn geschärft, als habe der Herrgott einen Ausgleich für angemessen gehalten. Er ging morgens durch die Gassen der Neustadt Brandenburg, die Nase leicht erhoben wie ein Jagdhund, der nicht recht weiß, ob er sich seiner Arbeit schämen soll. Er roch und Torf, Pferdemist und Sauerteig, die Gerberei an der Havel und das ewige Kohlgericht der Witwe Pagel. Und er roch, gar nicht selten, jenen dunklen, verbotenen, unverwechselbaren Duft, der aus Kellerluken und Hinterhöfen kroch.
Meistens tat er seine Pflicht. Er klopfte, er wies sein vor, er die Pfanne und schrieb die Strafe auf, und die Leute verfluchten ihn hinter vorgehaltener Hand, was ihm gleichgültig war, weil man ihn vorher auch nicht gegrüßt hatte. Ein Viertel der Strafgelder stand ihm zu. Das sei, so hatte ihm der erklärt, „der Lohn der Tugend, in barer Münze“.
Im Hause der Witwe Dorothea Liebig am Molkenmarkt aber roch es an einem Novembermorgen so stark, dass er stehen blieb, als sei er gegen eine Wand gelaufen. Sie öffnete ihm selbst, eine Frau um die vierzig, das Haar unter der nicht ganz gebändigt, eine Rußspur auf der Wange. „Ich weiß, wer Er ist“, sagte sie, bevor er sein aus der Tasche gezogen hatte. „Und Er weiß, was ich tue. Wollen wir uns die Umstände sparen? Es ist Gerstenkaffee. Den hat der König ja erlaubt. Trinke Er eine Tasse, dann kann Er es bezeugen.“
Es war kein Gerstenkaffee. Das roch er, und das schmeckte er, und es schmeckte ihm, wie ihm Kaffee immer geschmeckt hatte, nämlich abscheulich: bitter wie ein verlorener Prozess. Er trank die Tasse trotzdem bis auf den Grund, saß dabei in ihrer Küche, die eine Hand um den Becher gelegt, und hörte zu, wie sie von ihrem Mann erzählte, einem Kupferschmied, der die Röstpfanne selbst getrieben hatte, ein Jahr bevor ihn das Fieber holte. „Das ist das Einzige, was mir von ihm geblieben ist und noch funktioniert“, sagte sie. Krause stand auf, bedankte sich und schrieb in sein Dienstbuch: „Liebig, Witwe. Gerste. Ohne
Er kam wieder. Erst alle vierzehn Tage, aus dienstlichen Gründen, wie er sich einredete, dann jeden Mittwoch, aus Gründen, die er sich nicht mehr einredete. Er erfuhr, dass sie ihre Bohnen von einem Schiffer bezog, der sie in Mehlsäcken die Havel heraufbrachte, dass sie Gellert las und die Bibel nur bei Beerdigungen, und dass sie über seine fehlende Hand ein einziges Mal sprach, nämlich um zu sagen, er möge ihr die andere leihen, der Mühle wegen, die klemmte. Sein Dienstbuch füllte sich mit Gerste. Der bemerkte einmal stirnrunzelnd, nirgendwo in der ganzen Kurmark werde so viel Gerste getrunken wie am Molkenmarkt, und Krause antwortete mit dem Gesicht, das ihm zur Verfügung stand, die Witwe sei eben eine Patriotin.
Im August 1786 starb der König in Sanssouci, und schon im folgenden Frühjahr schaffte sein Neffe die verhasste ab. Die Kaffeeriecher wurden entlassen, mit einem Dank, der weniger wog als ihre letzte Gottlieb Krause lag in der Nacht darauf lange wach und begriff, dass er nun keinen Grund mehr hatte, am Molkenmarkt zu klopfen. Das, nicht die war das eigentliche Unglück.
Er klopfte trotzdem. Sie öffnete, die diesmal ordentlich, keine Rußspur. „Herr Krause“, sagte sie, und es war das erste Mal, dass sie ihn nicht mit Er anredete. „Sie wissen doch, dass das Rösten jetzt erlaubt ist. Hier gibt es nichts mehr zu riechen.“ Er nahm den Hut ab, drehte ihn in der einen Hand und sagte, er müsse ihr etwas gestehen: Er möge gar keinen Kaffee. Er habe ihn nie gemocht. Er sei ihm zu bitter.
Sie sah ihn eine Weile an. Dann trat sie zur Seite und ließ ihn ein. „Das weiß ich“, sagte sie. „Sie haben jedes Mal das Gesicht verzogen wie ein Kind beim Warum, glauben Sie, habe ich Ihnen seit dem zweiten Winter nur noch Gerste eingeschenkt?“ Gottlieb Krause behauptete später, wenn er abends am Ofen saß und seine Frau ihm den Becher hinstellte, sein Dienstbuch sei das einzige vollkommen wahrheitsgetreue Dokument gewesen, das die preußische Kaffeeverwaltung je hervorgebracht habe.
Comprehension check
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1. Who were the "Kaffeeriecher"?
2. What does Krause write in his book after his first visit to the widow?
3. Why does Krause lie awake after the coffee monopoly is abolished?
4. Why does Krause later call his official book completely truthful?