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Fable

Die Akademie der Tiere

A satirical fable in the old style: the animals of a forest found an academy to settle once and for all what a forest actually is, while a woodpecker keeps trying to tell them something.

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Words to know (12)
  • seit Menschengedenken · since time immemorial
  • der Schriftführer · secretary (who keeps the minutes)
  • das Geweih · antlers
  • die Geschäftsordnung · rules of procedure
  • die Lichtung · clearing (in a forest)
  • der Holzweg · logging track; auf dem Holzweg sein: to be on the wrong track
  • das Klopfzeichen · knocking signal
  • der Siebenschläfer · edible dormouse
  • bahnbrechend · groundbreaking
  • das Gestrüpp · undergrowth, scrub
  • zugig · draughty
  • um etwas ersuchen · to request, to apply for (formal)

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In einem Wald, dessen Namen die Akten nicht verraten, beschlossen die Tiere eines Frühjahrs, dass es mit dem bloßen Leben nicht getan sei. Man lebe, sagte die Eule, die diesen Gedanken als Erste gefasst und folglich das Recht hatte, ihn auszusprechen, seit im Wald, ohne je geklärt zu haben, was ein Wald eigentlich sei. Das sei eines denkenden Geschöpfes unwürdig. Man gründete also eine Akademie. Die Eule wurde Präsidentin, weil sie Brillen trug, die sie nicht brauchte, der Dachs weil er einen Bau besaß, in dem man Protokolle trocken lagern konnte, und der Hirsch Ehrenmitglied, weil sich ein auf jedem Gruppenbild gut macht.

Die erste Sitzung galt der die zweite den Ausnahmen von der die dritte der Frage, ob die Amsel als Singvogel ein Stimmrecht habe oder nur ein Vortragsrecht. Erst in der vierten Sitzung kam man zur Sache. Der Fuchs, der in jeder Akademie sitzt und in keiner auffällt, schlug vor, den Wald als „Gesamtheit der Bäume“ zu definieren. Die Eule wandte ein, damit sei nicht erklärt, wo der Wald aufhöre und die beginne, und ob drei Fichten an einem Bahndamm schon ein Wald seien oder noch eine Meinungsverschiedenheit. Man setzte eine Kommission ein.

Nur der Specht war nicht ganz bei der Sache. Er war, wegen seines unruhigen Wesens, nicht ordentliches, sondern bloß korrespondierendes Mitglied und durfte nur schriftlich Stellung nehmen, was er auf seine Weise tat: Er klopfte. An einem Dienstag im Mai klopfte er besonders heftig an die Eiche, in deren Höhlung die Akademie tagte. Draußen, rief er, kämen Männer mit Sägen den herauf. Die Eule bat ihn, nicht dazwischenzuklopfen. Der Dachs vermerkte im Protokoll: „Unaufgeforderte des korrespondierenden Mitglieds. Inhaltlich nicht verwertbar.“ Und der Fuchs bemerkte, wer mit den komme, sei bekanntlich selbst auf einem.

Die Kommission arbeitete gründlich. Sie unterschied zwischen dem Wald an sich und dem Wald für uns, zwischen dem Wald, wie die Wildschweine ihn erlebten, nämlich als Speisekammer, und dem Wald, wie die Rehe ihn erlebten, nämlich als Versteck. Ein junger legte eine Dissertation über den Wald im Winterschlaf vor, die allgemein als galt, obwohl niemand sie wach zu Ende gelesen hatte. Das Ergebnis ließ sich in einem Satz zusammenfassen, den der Dachs auf drei Seiten ausbreitete: Der Wald sei mehr als die Summe seiner Bäume.

Unterdessen wurde die Summe seiner Bäume kleiner. Man hörte es, wenn man hinhörte, und man hörte nicht hin, weil die Debatten laut waren. Der Specht klopfte noch einige Male, dann immer seltener, denn die Bäume, an denen er hätte klopfen können, wurden weniger. Schließlich zog er fort, in einen Mischwald jenseits der Autobahn, und schickte von dort eine letzte, sehr kurze schriftliche Stellungnahme, die der Dachs ungeöffnet zu den Akten nahm, da sie nicht auf dem vorgeschriebenen Rindenpapier verfasst war.

Die Schlusssitzung fand im Herbst statt, und zwar, da die alte Eiche inzwischen ein Stapel Brennholz am Wegrand war, auf einem Baumstumpf. Er bot gerade genug Platz für die Präsidentin. Die übrigen Mitglieder standen ringsum im und zum ersten Mal seit Gründung der Akademie hatten alle freie Sicht auf den Horizont. Die Eule eröffnete die Sitzung mit einem Wort des Dankes an die Kommission und stellte fest, man sei in der Sache weit vorangekommen. Der Hirsch, der nie etwas sagte, sagte, es sei recht geworden.

Das Protokoll dieser Sitzung ist erhalten. Es endet mit dem Satz: „Die Frage nach dem Wesen des Waldes konnte mangels Gegenstandes nicht abschließend geklärt werden. Die Akademie vertagt sich.“ Man hat später behauptet, die Tiere hätten zum ersten Mal den Wald gesehen, als keine Bäume mehr davor standen. Das ist nicht ganz richtig. Gesehen haben sie ihn nicht. Aber sie haben ihn vermisst, und das ist, wie der Dachs in einer Fußnote anmerkte, erkenntnistheoretisch fast dasselbe.

Lehre: Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist zu bedauern. Wer ihn vor lauter Begriffen nicht sieht, ist zu fürchten, denn er gründet eine Akademie. Und wer anklopft, um zu warnen, der sollte, bevor er klopft, um Aufnahme als ordentliches Mitglied

Comprehension check

0/4 answered

1. Why does the owl become president of the academy?

2. What is the woodpecker trying to tell the academy?

3. Why is the woodpecker's last statement filed unopened?

4. What is ironic about the final session?