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Short story

Der Preis eines Kaisers

In Augsburg in 1519, a young clerk in Jakob Fugger's counting house helps record the money that buys the election of an emperor, and cannot find three missing guilders.

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Words to know (12)
  • der Kurfürst · prince-elector (who chose the emperor)
  • der Wechsel · bill of exchange
  • einlösen · to honour, to redeem (a bill)
  • sich zieren · to play hard to get, to be coy
  • der Domherr · canon (cathedral clergyman)
  • der Kreuzer · kreuzer (small old coin)
  • der Posten · item, entry (in accounts)
  • die Handkasse · petty cash
  • der Stifter · founder, benefactor
  • das Almosen · alms
  • das Ablassgeld · money from the sale of indulgences
  • die Anlage · investment

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Ich war neunzehn, als ich half, einen Kaiser zu kaufen, und ich habe es damals nicht so genannt. In der Schreibstube des Herrn Jakob Fugger am Augsburger Weinmarkt nannte man es nicht Kauf, sondern „die Frankfurter Handlung“, und wer es anders nannte, nannte es nicht lange. Ich war Unterschreiber, das heißt, ich schrieb ab, was andere errechnet hatten, und rechnete nach, was andere abgeschrieben hatten, und wurde dafür mit sechzehn Gulden im Jahr, Kost und einer Kammer unter dem Dach entlohnt, in der man im Sommer nicht schlafen und im Winter nicht schreiben konnte.

Im Juni des Jahres 1519 war Kaiser Maximilian ein halbes Jahr tot, und die sieben sollten in Frankfurt einen neuen wählen. Es gab zwei Bewerber, den jungen König Karl von Spanien und den König von Frankreich, und beide hatten begriffen, dass die Stimmen der nicht durch Gebete zu gewinnen waren. Der Franzose zahlte in Kronen, die er hatte, und in Versprechen, die er nicht hatte. Karl zahlte mit des Hauses Fugger, und ein des Hauses Fugger galt damals zwischen Antwerpen und Venedig mehr als das Wort eines Königs, weil er, anders als das Wort eines Königs, wurde.

Meine Aufgabe in jenen Wochen war es, die Abrechnung zu führen. Mainz bekam so viel, Köln so viel, der Pfalzgraf so viel und, weil er sich noch einmal so viel; dazu die Räte der die Räte der Räte, die Boten, die Wirte, bei denen die Boten logierten, und ein in Trier, dessen Rolle mir nie klar wurde, der aber sehr bestimmt auftrat. Am Ende standen in meinem Buch etwas über fünfhunderttausend Gulden, und am 28. Juni wurde Karl in Frankfurt einstimmig gewählt, was der Herr Fugger mit einem Nicken zur Kenntnis nahm, so wie man den Eingang einer Ladung Pfeffer zur Kenntnis nimmt.

Als ich aber die Summe zog, fehlten drei Gulden und zwölf Drei Gulden bei fünfhunderttausend, das ist, wie mir der alte Buchhalter Lenz mit einem Achselzucken erklärte, weniger als ein Floh auf einem Ochsen. Man schreibt es unter Unkosten und schläft. Ich schlief nicht. Ich hatte vom Herrn Fugger gelernt, oder glaubte es, dass ein Buch, das nicht stimmt, nicht ein bisschen falsch ist, sondern ganz, so wie ein Glas, das einen Sprung hat, nicht ein bisschen zerbrochen ist. Ich ging die durch, drei Nächte lang, bei einer Kerze, die ich von meinem eigenen Lohn bezahlte, und fand nichts.

In der vierten Nacht fand ich es. Es war nicht im Frankfurter Buch, sondern in der der Schreibstube, aus der der Herr Fugger, und nur er, gelegentlich Geld nahm, ohne es aufzuschreiben, weil er, wie Lenz sagte, im Kopf ohnehin genauer sei als wir alle auf dem Papier. Am Dienstag vor der Wahl hatte er drei Gulden und zwölf genommen. Ich wusste, wofür, weil ich ihn vom Fenster aus gesehen hatte: Er war hinübergegangen in die Jakobervorstadt, wo seine Leute die neue Siedlung bauten, die man später die Fuggerei nannte, mit Häusern, in denen arme Augsburger für einen Gulden im Jahr wohnen sollten und dafür täglich drei Gebete für die Seele des zu sprechen hatten. Dort hatte er das Geld einer Witwe gegeben, deren Mann vom Gerüst gefallen war.

Ich ging am Morgen mit dem Buch zu ihm. Er saß wie immer schon seit fünf Uhr am Pult, in der goldenen Haube, die er nie ablegte, und ließ sich die Sache erklären, ohne mich zu unterbrechen. Ich sagte, ich wisse nicht, unter welchem ich die Summe buchen solle. Unter die Frankfurter Handlung gehöre sie nicht, unter die Unkosten auch nicht, und für gebe es in diesem Buch keine Rubrik, weil es ein Buch über sei.

Der Herr Fugger sah mich lange an. Dann nahm er die Feder, tauchte sie ein und schrieb unter die letzte Zeile, unter den Mainzer und den Kölner und den Pfalzgrafen und den von Trier, in seiner kleinen, harten Schrift: „Item, drei Gulden zwölf für die Seele. Ist auch eine Wahl.“ Dann schob er mir das Buch zurück. Es war das einzige Mal in sieben Jahren, dass ich ihn lächeln sah, und ich habe lange darüber nachgedacht, ob es ein Lächeln war oder eine Rechnung.

Ich bin alt geworden im Dienst des Hauses. Ich habe Bergwerke in Tirol abgerechnet und Kupfer aus Ungarn, Kardinalshüte und und ich habe mit der Zeit gelernt, alles unter einen zu bringen. Der Kaiser, den wir gekauft haben, ist längst gestorben, und von den fünfhunderttausend Gulden hat das Haus, wie man weiß, nicht alle wiedergesehen. Die Witwe aber hat in der Fuggerei gewohnt, bis zu ihrem Tod, für einen Gulden im Jahr, und sie hat ihre drei Gebete gesprochen, jeden Tag, für einen Mann, der sie, wie sie mir einmal sagte, nie richtig angesehen hat. Ich weiß nicht, welche der beiden die bessere war. Das Buch, und das ist das Wichtigste, hat gestimmt.

Comprehension check

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1. Why did Karl's payments convince the electors more than the French king's?

2. Why did the narrator refuse to ignore the missing three guilders?

3. Where had the missing money gone?

4. What is the irony of Fugger's entry "Ist auch eine Wahl"?